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Aleksander Vucic (r.) beim Besuch in Ankara im Mai 2018. Für Serbien Präsident ist Erdogans Türkei "die wichtigste Macht und das stärkste Land auf dem Balkan".

Türkei

Erdogans Träume von einem neuen osmanischen Reich

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Die Türkei investiert Milliarden, um ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss in Südosteuropa auszubauen.

Ein Beitritt der Türkei zur Europäischen Union rückt in immer weitere Ferne. Dennoch blickt Staatschef Recep Tayyip Erdogan nach Westen. In muslimisch dominierten Balkanstaaten wie Albanien, Bosnien und dem Kosovo, aber auch in überwiegend christlich geprägten Ländern wie Mazedonien, Serbien und Ungarn zeigt die Türkei Flagge. Noch nie seit ihrer Gründung vor 95 Jahren war die moderne Türkei in so viele militärische Konflikte verstrickt wie jetzt. Erdogan führt Kriege in Syrien, im Irak – und nicht zuletzt im eigenen Land, nämlich gegen die kurdische PKK. Das Postulat des Republikgründers Atatürk „Yurtta sulh, cihanda sulh“, Friede daheim, Friede in der Welt – unter Erdogan gilt es nicht mehr. Er schwelgt in osmanischen Großmachtträumen. „Wir haben unsere Grenzen nicht freiwillig akzeptiert“, sagte Erdogan vor zwei Jahren in einer Rede. „Wir müssen überall sein, wo unsere Ahnen waren“, fordert der Staatschef.

Im Nahen Osten benutzt Erdogan militärische Macht, um den Einflussbereich seines Landes auszuweiten. In der Balkanregion setzt er, zumindest vorerst, auf „Soft Power“: Investitionen, Finanzhilfen, Kulturarbeit und Religionsförderung. Die Türkei fördert in den Balkanländern den Bau von Schulen, Universitäten, Studentenheimen und Moscheen. In Serbien baut und betreibt die Türkei Kraftwerke. Erdogan verspricht dem Land, die türkischen Investitionen von 1,7 Milliarden auf fünf Milliarden Dollar zu steigern. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt.

Serbiens Präsident Aleksander Vucic pries bei einem Besuch in Ankara im Mai die Türkei als „die wichtigste Macht und das stärkste Land auf dem Balkan“.

Auch beim ungarischen Regierungschef Viktor Orban genießt Erdogan hohes Ansehen. „Gott hat uns den Präsidenten der Türkei geschickt“, schrieb Orban auf Facebook, als Erdogan Anfang Oktober zum Staatsbesuch nach Budapest kann. Beide Länder wollen ihre Beziehungen vertiefen.

Erdogan schwärmt seit Jahren von einer „Neuen Türkei“ – einem Reich mit alten Grenzen: Der türkische Präsident beschrieb sich selbst einmal als Politiker, der „vom Geist des osmanischen Reichs bewegt“ sei.

Zur Zeit seiner größten Ausdehnung im 17. Jahrhundert umfasste das osmanische Reich neben Anatolien den Nahen Osten, die Schwarzmeerregion, große Teile Nordafrikas und den Balkan. Viele türkische Familien haben Vorfahren aus der Balkanregion. Das verbindet. Bei einem Besuch in Prizren im Kosovo sagte Erdogan im Oktober 2013, Kosovo sei die Türkei, und die Türkei sei Kosovo. Inzwischen ist die Türkei für den Kosovo der drittgrößte Handelspartner. Auch in Mazedonien trumpft die Türkei auf. Türkische Firmen haben dort rund 1,2 Milliarden Euro investiert, die türkische Religionsbehörde Diyanet fördert den Bau von Moscheen und Religionsschulen für die muslimische Minderheit.

Bei seiner Balkan-Strategie konkurriert Erdogan mit der Europäischen Union. Sie will die Länder des West-Balkan enger anbinden – vor allem, um Russlands wachsenden Einfluss zurückzudrängen.

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