Paris zieht Botschafter ab

Streit zwischen Frankreich und Türkei eskaliert: Erdogan beschimpft Macron

  • Marcel Richters
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Zwischen Recep Tayyip Erdogan und Emmanuel Macron schwelt es schon länger. Jetzt eskaliert die Lage.

  • Der Streit zwischen der Türkei und Frankreich hat eine neue Stufe erreicht.
  • In dem Konflikt geht es unter anderem um Mohammed-Karikaturen.
  • Auch geopolitische Interessen spielen eine entscheidende Rolle.

Paris/Ankara – Der Streit zwischen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem türkischen Machthaber Recep Tayyip Erdogan hat eine neue Stufe erreicht. Es geht um Karikaturen, aber auch um Gas im Mittelmeer.

Am Mittwoch (21.10.2020) hatte Macron bei einer Gedenkfeier für den von einem Islamisten enthaupteten Lehrer Samuel Paty gesagt, dass Frankreich nicht „auf Karikaturen und Zeichnungen verzichten“ werde, auch wenn es sich um Karikaturen des Propheten Mohammed handelt. Daraufhin war ein Sturm der Entrüstung in der arabischen Welt losgebrochen. Es kam zu Protesten unter anderem in Syrien, dem Irak und dem Gazastreifen. Die Regierungen von Jordanien, Marokko, Katar, Kuwait und Pakistan übten Kritik an Macron.

Erdogan übt besonders scharfe Kritik an Macron

Besonders hervor tat sich Erdogan mit Zweifeln an der geistigen Gesundheit von Macron. Weiterhin rief der türkische Präsident seine Landsleute zum Boykott französischer Waren auf. In Richtung europäischer Politiker sagte Erdogan: „Ihr seid im wahrsten Sinne des Wortes Faschisten“. Frankreich hatte daraufhin seinen Botschafter aus der Türkei abgezogen, was in diplomatischen Kreisen als sehr deutliches Zeichen des Protestes gilt.

Der größte französische Wirtschaftsverband Medef nahm die französische Regierung in Schutz. Prinzipien gingen vor Geschäft, sagte Medef-Vorsitzender Geoffroy Roux de Bézieux. Damit bezog er sich auf das Prinzip der Meinungsfreiheit und die Werte der französischen Republik, die viele Franzosen durch den Mord an dem Lehrer Paty verletzt sehen. Denn dieser hatte Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt und war dafür ermordet worden.

Macrons Worte zu Mohammed-Karikaturen sorgen für eine Eskalation des Streits mit der Türkei. Aber das ist nicht der einzige Konfliktpunkt.

Auch geopolitische Interessen Teil des Streits zwischen Türkei und Frankreich

Allerdings hat der Streit zwischen der Türkei und Frankreich noch einen anderen Hintergrund. Denn Frankreich hat sich im Streit um Gasförderung im Mittelmeer demonstrativ an die Seite Griechenlands gestellt. Zwischen Griechenland und der Türkei wird seit einiger Zeit über Gasfelder in griechischen Gewässern vor der türkischen Küste gestritten. Frankreich hatte sogar Kampfjets in das Seegebiet entsand.

In Bezug auf die Entsendung von Söldnern nach Libyen und an die Seite aserbaidschanischer Kämpfer im Krieg um Bergkarabach hatte Macron Erdogan „Expansionsdrang“ vorgeworfen. Mit Bezug auf Libyen sprach Macron von einer „kriminellen und historischen Verantwortung“, die Erdogan trage.

Deutschland schaltet sich in Streit ein

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) stellte sich derweil an die Seite von Macron. Deutschland sei solidarisch im Kampf mit Frankreich gegen islamistische Terroristen, so Maas. Sonst ist Berlin meist um Deeskalation mit Ankara bemüht. Diese Rolle könnte deutschen Diplomaten dennoch auch dieses Mal wieder zukommen. Bereits im Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei hatte Deutschland vermittelt. Die Bundesrepublik ist ein wichtiger Wirtschaftspartner der Türkei. Dieser Umstand könnte auch beim Streit zwischen Frankreich und der Türkei zum Tragen kommen. (Marcel Richters/AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © Ashraf Amra / dpa

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