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Gerade erst im Juni beim G20-Gipfel verglichen Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan ihre Daumen. Nun tun sie es wieder.

Türkei

Erdogan nähert sich Trump an

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Der türkische Präsident reist nach Washington und bringt jede Menge Konfliktthemen mit: Es geht um seinen alten Feind Gülen und um russische Waffensysteme.

Lange ließ Recep Tayyip Erdogan den amerikanischen Präsidenten zappeln: Kommt er oder kommt er nicht? US-Präsident Donald Trump hatte zwar vergangenen Monat den türkischen Staatschef für den 13. November nach Washington eingeladen, aber Erdogan ließ bis zuletzt offen, ob er anreisen werde.

Der Grund: Ende Oktober hatte das amerikanische Repräsentantenhaus in einer Resolution die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet. Erdogan kritisierte, die USA hätten „kein Recht, der Türkei Lehren zu erteilen“. Der Streit zeigt, wie zerrüttet die Beziehungen der beiden Nato-Partner inzwischen sind.

Doch Erdogan hat offenbar begriffen, dass die Konfrontation seinem Land nicht hilft. Deshalb reiste er nun doch in die USA. Er wolle in Washington „eine neue Ära in gemeinsamen Sicherheitsfragen beginnen“, sagte er in Ankara vor dem Abflug. Er sei sich mit Präsident Trump darin einig, „Probleme zu lösen und unsere Beziehungen trotz des nebligen Wetters weiterzuentwickeln“.

Trumps Einladung an Erdogan stößt allerdings in Washington bei den oppositionellen Demokraten und in der Republikanischen Partei auf viel Kritik. Der Grund ist die türkische Militäroffensive gegen die Kurden in Nordsyrien, Amerikas wichtigste Verbündete im Kampf gegen die IS-Terrormiliz. Das Repräsentantenhaus votierte deshalb für Sanktionen gegen die Türkei.

Möglich wurde die türkische Offensive erst, weil Trump überraschend den Rückzug der amerikanischen Truppen aus Nordsyrien angeordnet hatte. Umso wichtiger ist es nun für den US-Präsidenten, Erdogan bei dessen Besuch im Weißen Haus auf einen dauerhaften Waffenstillstand in Syrien festzulegen.

Die türkische Syrien-Offensive ist keineswegs der einzige Konfliktpunkt. Schon seit Jahren bemüht sich Erdogan in Washington um die Auslieferung seines Erzfeindes Fethullah Gülen. Der früher mit Erdogan verbündete islamische Reformprediger lebt seit 1999 im Exil in Pennsylvania und steuert von dort ein weltweites Netzwerk von Stiftungen, Bildungseinrichtungen und Medien.

Erdogan macht seinen früheren Freund Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich und will ihn in der Türkei vor Gericht stellen. Die USA sehen aber bisher keine handfesten Indizien für eine Rolle Gülens bei dem versuchten Staatsstreich und liefern ihn deshalb nicht aus.

Während im Tauziehen um Gülen von dem Besuch Erdogans in Washington kaum Neues zu erwarten ist, könnte es bei einem anderen kontroversen Thema Bewegung geben. Nämlich bei Erdogans umstrittenen Plänen zur Installierung russischer Luftabwehrraketen.

Die Amerikaner fürchten, dass Moskau mit Hilfe der in Anatolien stationierten S-400-Systeme die Stärken und Schwächen des US-Tarnkappenflugzeugs F-35 ausspionieren könnte. Die USA haben deshalb die Lieferung der F-35 an Ankara gestoppt und die Türkei als Entwicklungs- und Produktionspartner aus dem F-35-Programm ausgeschlossen.

Erdogan will zwar das Waffengeschäft mit Russland nicht rückgängig machen. Aber ein Kompromiss könnte so aussehen, dass die Türkei die russischen Raketen nicht in Betrieb nimmt, sondern einmottet. Im Gegenzug könnten die USA der Türkei amerikanische Patriot-Systeme liefern und das Land wieder ins F-35-Programm aufnehmen.

Nicht nur seitens der USA ist Erdogan mit Sanktionen konfrontiert. Wegen der türkischen Erdgas-Explorationen in der Wirtschaftszone des EU-Mitglieds Zypern bereiten auch die Außenminister der Europäischen Union Strafmaßnahmen vor. Gegenüber den Europäern glaubt Erdogan allerdings am längeren Hebel zu sitzen. Kurz vor seinem Abflug nach Washington drohte er damit, zur Vergeltung Kämpfer der IS-Terrormiliz nach Europa zu schicken. „Ihr mögt das auf die leichte Schulter nehmen“, sagte Erdogan an die Adresse der Europäer. „Aber die Tore könnten sich öffnen – dann müsst ihr sehen, wie ihr zurechtkommt.“

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