Präsident Erdogan reagiert mit Kampfansagen auf die anhaltende Lira-Krise. (Archivfoto)
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Präsident Erdogan reagiert mit Kampfansagen auf die anhaltende Lira-Krise. (Archivfoto)

Lira-Absturz

Währungskrise in der Türkei: Erdogan mit Kampfansage

  • Tobias Utz
    vonTobias Utz
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Die Lira erlebt derzeit einen enormen Wertfall. Die türkische Währung erreichte kürzlich einen historischen Tiefstwert. Präsident Erdogan übt sich in aggressiver Rhetorik.

  • Die Türkei erlebt aktuell eine Währungskrise.
  • Die Lira stürzt weiter und weiter im Wert.
  • Präsident Erdogan reagiert mit Kampfansagen.

Frankfurt/Ankara - Recep Tayyip Erdogan gibt sich dieser Tage kämpferisch. Der türkische Präsident muss mit ansehen, wie der Absturz der Lira in der Türkei kein Ende nimmt. Nun versucht er durch eine aggressive Rhetorik seinen Kritikern zu entgegnen.

Teil davon sind Schuldzuweisungen für die Währungskrise: Demnach seien Andere für den Wertverfall der Lira verantwortlich. Die Türkei führe einen Krieg gegen einen „unheilige Dreieinigkeit“. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Diese bestehe laut Aussage von Erdogan aus Zinsen, Inflation und Wechselkursen. Diese drei Faktoren bezeichnete er als „Teufelsdreieck“. „Unsere Antwort auf diejenigen, die daran arbeiten, unsere Volkswirtschaft zu belagern, ist einer neuer Krieg ökonomischer Befreiung“, sagte Erdogan am Samstag (31. Oktober 2020).

Erdogan: Keine Spur von Selbstkritik

Statt sich in Selbstkritik zu üben, sprach der türkische Präsident über die Leistungen seines Landes. Die Türkei habe einen „großen Strukturwandel“ erlebt. Er betonte zudem, wie wichtig die Abschaffung von Konzessionen und Versprechungen an westliche Staaten gewesen seien. Die Gründung der türkischen Republik habe diese sowieso hinfällig gemacht.

Während Erdogan nach Ursachen für die Währungskrise sucht, stürzt die Lira weiter ab: Am Dienstag (3. November 2020) erreichte die Währung einen neuen historischen Tiefststand im Euro- und Dollar-Bereich. Ein Euro war zu diesem Zeitpunkt zehn Lira wert, ein Dollar 8,5 Lira. Über das Jahr 2020 gesehen hat die Lira als Währung fast 30 Prozent an Wert verloren. Das ist die mitunter größte Talfahrt seit den 80er-Jahren.

Lira-Sturz in der Türkei: Was sind die Gründe?

Seit geraumer Zeit drücken belastende Faktoren aus Politik und Wirtschaft auf die Währung. Ein Faktor, den Erdogan in sein „Teufelsdreieck“ aufgenommen hat, ist unter anderem die Inflation, die sich sehr negativ auf den Lira-Wert auswirkt. Effektiv wird gegen dieses Problem jedoch kaum etwas unternommen: Seit der Inflationskrise im Jahr 2018 geht die türkische Zentralbank „CBT“ nicht dagegen vor. Stattdessen folgten Erhöhungen des Leitzinses. Internationale Finanzexperten lassen verlauten, dass sie dieser Strategie keine Chancen einräumen. Demnach versucht die „CBT“ eine strengere Geldpolitik durch höhere Kosten an Finanzierungen umzusetzen. Beobachtern nach, müsste ein geregelter Zyklus für Zinserhöhungen umgesetzt werden, um die Lage der Währung in der Türkei zu entspannen.

Tatha Ghose, Devisenexpertin der „Commerzbank“ veröffentlichte kürzlich einen Kommentar zur Lage in der Türkei: „Der Grund für die Lira-Schwäche liegt auf der Hand und es wird langsam ermüdend, ihn ständig zu wiederholen: Die CBT ergreift nur halbherzige Schritte, nachdem die Lira unter Druck geraten ist. Doch selbst dann sind die Märkte nicht überzeugt, dass die geldpolitische Straffung den Segen von Präsident Tayyip Erdogan hat. Aus diesem Grund blickt der Markt durch die temporäre Liquiditätssteuerung der Zentralbank hindurch.“ Ihre Einschätzung fand viel Gehör in der Wirtschaft.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Lira-Kurs weiterentwickelt. Die Börsenexperten blicken gespannt darauf. Wie sich die Türkei politisch weiterentwickelt wird ebenfalls genau verfolgt. Der Publizist Osman Okkan sagt dazu: Es entsteht ein „absurde Autokratie ohne demokratische Rechte oder Freiheiten.“ (Tobias Utz)

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