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Recep Tayyip Erdogan, hier am Sonntag in Izmir, verschärft im Wahlkampf den Ton.

Nach Christchurch-Attentat

Erdogan legt nach

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Der türkische Präsident Erdogan fordert die Todesstrafe für den Christchurch-Attentäter.

Nachdem der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan auf seinen Wahlkundgebungen das Video des Massakers von Christchurch gezeigt hat, fordert er nun die Hinrichtung des Attentäters. Auch in der Türkei will er die Todesstrafe wieder einführen.

Die Kommunalwahlen in der Türkei finden in zehn Tagen statt. Auf mehreren Kundgebungen ließ Erdogan während der vergangenen Tage auf einem Großbildschirm Teile des Videos einspielen, das der Attentäter während der Tat live gestreamt hatte. Dutzende türkische Fernsehsender, die Erdogans Kundgebungen live übertragen, sendeten die Bilder in türkische Haushalte, Cafés, Restaurants und Büros.

Der neuseeländische Außenminister Winston Peters, in dessen Land die Ausstrahlung und Weitergabe des Videos verboten ist, übte scharfe Kritik. Seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu habe er erklärt, die Vorführungen des Videos könnten das Leben von Neuseeländern im Ausland in Gefahr bringen, sagte Peters. Er werde das Thema bei einem Besuch in Istanbul Ende dieser Woche gegenüber türkischen Regierungsvertretern zur Sprache bringen, kündigte der neuseeländische Minister an.

Erdogan aber beließ es nicht bei den Video-Vorführungen. Er forderte von Neuseeland auch, seine Gesetze so zu ändern, dass der mutmaßliche Attentäter mit dem Tode bestraft werden kann. Wenn Neuseeland den Täter nicht angemessen bestrafe, „dann werden wir das tun, auf die eine oder andere Weise“, kündigte Erdogan unter dem Jubel seiner Anhänger bei einer Kundgebung im nordtürkischen Eregli an. Wie er das meint, erläuterte Erdogan nicht.

Erdogan will die Todesstrafe in seiner Heimat offenbar auch rückwirkend einführen für die Urheber des angeblichen Putschversuchs vom 15. Juli 2016. Die Türkei hatte sie 2004 im Rahmen der EU-Beitrittskandidatur abgeschafft. Das sei falsch gewesen, sagte Erdogan am Dienstag bei einer Kundgebung in der Provinz Zonguldak. Es störe ihn, dass man die Putschisten, die lebenslange Haftstrafen absitzen, im Gefängnis auch noch ernähren müsse.

Der australische Attentäter von Christchurch hatte in einem vor der Tat verbreiteten Manifest Erdogan als „Kriegsherren“ und die Türken als „älteste Feinde unseres Volkes“ bezeichnet. Darauf ging Erdogan am Montag bei einer Kundgebung im westtürkischen Canakkale ein. Er sagte, der Terrorakt sei kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines größeren, gegen die Türkei und ihn persönlich gerichteten Plans.

Erdogan stellte einen Bezug zwischen dem Attentat in Neuseeland und der Schlacht von Gallipoli her, in der die Türkei im Ersten Weltkrieg die Truppen der Entente-Mächte, darunter auch neuseeländische und australische Soldaten, von den Dardanellen zurückschlug und so die beabsichtigte Eroberung Istanbuls verhinderte. An die Adresse der Australier gerichtet sagte Erdogan: „Ihr seid über 16 500 Kilometer nach Gallipoli gekommen – was wolltet ihr hier? Nach all den Jahren seid ihr immer noch mit Hass gegen uns erfüllt.“ Der einzige Grund dafür sei, „dass wir Muslime und sie Christen sind“, erklärte Erdogan seinem Publikum.

An den alljährlichen Gedenkfeiern bei Gallipoli am 25. April nehmen traditionell auch viele Besucher aus Neuseeland und Australien teil. Erdogan warnte, jeder, der mit anti-muslimischen Gesinnungen in die Türkei komme, werde im Sarg zurückgeschickt, „wie eure Großväter“. Das löste scharfe Kritik des australischen Premierministers Scott Morrison aus. Er ließ den türkischen Botschafter einbestellen. Erdogans Kommentare seien „für die Australier in höchstem Maße beleidigend“, sagte Morrison und forderte den türkischen Präsidenten auf, seine Äußerungen zurückzunehmen. Australien werde nun seine Reisehinweise für die Türkei überprüfen, kündigte der Premierminister an. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“, warnte Morrison.

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