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Ein türkischer Grenzposten an der syrischen Grenze.
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Ein türkischer Grenzposten an der syrischen Grenze.

Türkei Syrien

Erdogan lässt aufmarschieren

  • Frank Nordhausen
    VonFrank Nordhausen
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Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan profiliert sich im Syrien-Konflikt als starker Politiker. Erdogans markige Worte haben nach Einschätzung internationaler Beobachter vor allem innenpolitische Gründe.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan profiliert sich im Syrien-Konflikt als starker Politiker. Erdogans markige Worte haben nach Einschätzung internationaler Beobachter vor allem innenpolitische Gründe.

Die Spannungen zwischen Syrien und der Türkei wachsen gefährlich an. Beide Seiten stehen sich seit dem Abschuss eines türkischen Militärjets durch syrische Flugabwehr offen feindlich gegenüber.

Am Freitag ließ die türkische Armee weitere Panzerverbände und schwere Artillerie an den Südabschnitt der syrischen Grenze verlegen. Im grenznahen Gebiet der türkischen Provinzen Hatay und Kilis liegen die Flüchtlingslager, in denen bislang mehr als 33?000 Syrer Zuflucht gefunden haben, darunter einige hundert Deserteure.

Zugleich zogen die Syrer nach Aussagen eines desertierten Generals 170 Panzer nahe der Großstadt Aleppo zusammen, rund 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt.

Vorwürfe von Assad

In einer seiner seltenen Interviews warf der syrische Präsident Baschar al-Assad der Türkei im iranischen Staatsfernsehen vor, den Krieg in Syrien zu schüren. Das hat die Türkei bisher dementiert. Doch hatte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan in den vergangenen Tagen mehrfach erklärt, man habe oft genug syrische Grenzverletzungen toleriert, nun werde zurückgeschossen. Die starken Worte Erdogans haben nach Einschätzung türkischer Kommentatoren und internationaler Beobachter vor allem innenpolitische Gründe.

Erdogan hat seinen früheren Freund Assad mehrfach vergeblich zum Rücktritt aufgefordert. Weder früheren Übergriffen syrischer Soldaten auf türkisches Territorium noch dem Abschuss des Phantom-Jets hatte er jedoch etwas entgegenzusetzen. Die Drohgebärden sollen offenkundig der Gesichtswahrung dienen.

„Niemand in der Türkei will einen Krieg, weder die Bevölkerung noch die Regierungspartei oder die Opposition“, sagt Ekrem Güzeldere vom Think Tank European Stability Initiative in Istanbul. Erdogan versuche, sich mit der scharfen Rhetorik als starker Mann darzustellen, sagt er. „Ein militärischer Konflikt mit Syrien würde zu massiven türkischen Verlusten führen, und diese Verluste zu erklären, würde ihm massive Probleme bereiten.“

Außenpolitische Bewährungsprobe

Die Syrien-Krise ist die erste große außenpolitische Bewährungsprobe mit Potenzial zu einer militärischen Eskalation, seit die religiös-konservative AKP-Regierung das türkische Militär in seine Schranken gewiesen hat. Tatsächlich stellt bislang niemand in Ankara das Primat der Politik infrage. Mit Interesse verfolgen die Kommentatoren jedoch, dass die früher Nato-kritische AKP sich in der Krise der Rückendeckung durch das atlantische Bündnis versichert. Die Türkei sei eben nicht wirklich eine Regionalmacht, da sie selbst nicht zu einer militärischen Antwort in der Lage sei, schreiben sie.

Die syrische Opposition in Istanbul hat vor allem Erdogans Ankündigung begrüßt, sogar die Annäherung syrischer Soldaten an der 900 Kilometer langen Grenze als feindseligen Akt militärisch zu beantworten. Das könnte bedeuten, dass Soldaten oder Helikopter, die syrische Flüchtlinge verfolgen, auf syrischem Gebiet angegriffen werden.

Der oppositionelle Syrische Nationalkongress sieht darin den ersten Schritt zur Einrichtung einer Pufferzone entlang der Grenze. Doch auf die Provokation kurdischer PKK-Rebellen, die am Donnerstag eine riesige kurdische Fahne auf syrischem Gebiet hissten, haben die Türken nicht erkennbar reagiert. Es war eine erneute, unmissverständliche Botschaft aus Syrien, seine Möglichkeiten, der Türkei zu schaden, nicht zu unterschätzen.

Unterdessen ist der genaue Hergang des Flugzeugabschusses weiter ungeklärt. Die Zeitung Hürriyet zitierte einen desertierten syrischen Oberst, der zur Zeit des Vorfalls noch in Aleppo stationiert war, mit der Behauptung, der Jet sei absichtlich ohne Warnung abgeschossen worden.

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