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Türkei Erdogan Konflikt Syrien Irak
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Zuletzt soll die Türkei vermehrt Truppen an die Grenze zu Nordsyrien verlegt haben. Die Sorge vor einem Konflikt wächst. (Symbolbild)

Invasion in Syrien und Irak

Kurden fürchten Erdogans Einmarsch in Syrien und Irak - Türkisches Militär berichtet von Kämpfen mit der YPG

  • Marcel Richters
    vonMarcel Richters
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Die Türkei könnte schon bald wieder in Nordsyrien und dem Irak einmarschieren. Grund dafür ist auch der Ausgang der Wahl in den USA.

  • Im Norden von Syrien und dem Irak wächst die Gefahr eines Konflikts.
  • Die Türkei könnte erneut in die von Kurden kontrollierten Gebiete eindringen.
  • Die Sorge ist groß, dass das Verhalten von Recep Tayyip Erdoğan zu neuen Fluchtbewegungen kommen könnte.

Update, 18:57 Uhr: Einheiten der türkischen Armee haben laut Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur „Anadolu“ drei kurdische Kämpfer in Nordsyrien „neutralisiert“. Bei den drei Kämpfern soll es sich nach Angaben der Nachrichtenagentur aus der Türkei um „Terroristen“ gehandelt haben, die in Verbindung zur kurdischen Arbeiterpartei PKK und zur kurdischen Miliz YPG stehen.

Der Angriff auf die drei Kämpfer erfolgte laut Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums im Rahmen der Operation „Peace Spring“, die seit 2019 läuft und sich vor allem auf Gebiete in Nordsyrien erstreckt.

Türkei: Erdogan schickt Truppen an die Grenze zu Nordsyrien

Erstmeldung vom 07. Dezember 2020, 16:50 Uhr: Frankfurt/Tall Tamer – Im Norden von Syrien wächst die Angst eines erneuten Einmarschs der Truppen der Türkei unter Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Dieser könnte das Nachwahl-Vakuum in den USA ausnutzen.

Bereits im Oktober hatte Erdoğan gesagt, dass die Türkei „legitime Gründe“ habe, jederzeit „einzugreifen und Terroristen zu vernichten“. Als Terroristen bezeichnet der türkische Staatspräsident dabei die kurdischen Selbstverwaltungskräfte im Norden Syriens. Vertreter der Selbstverwaltung berichten gegenüber einem Korrespondenten der Tageszeitung „Welt“, dass sie in den vergangenen Wochen vermehrt Truppenbewegungen beobachtet haben und sich Gefechte häufen.

Die Türkei hatte im Oktober vergangenen Jahres einen „Sicherheitskorridor“ eingerichtet. Der 120 Kilometer lange und 30 Kilometer breite Streifen soll als Pufferzone zwischen der Türkei und den kurdischen Kräften dienen. In diesem Konflikt kämpften islamistische Rebellen an der Seite der Türkei. US-Präsident Donald Trump soll das Eingreifen der Türkei in einem Telefonat mit Erdoğan gebilligt haben. Zuvor hatten die USA sämtliche Truppen aus dem Gebiet in Nordsyrien abgezogen.

Konflikt mit Türkei und inner-kurdische Eskalation

Neben der möglichen Eskalation in Nordsyrien kommt es auch im Norden des Irak regelmäßig zu Angriffen der Türkei auf kurdische Gruppen, wie lokale Medien berichten. So soll es „tägliche“ Angriffe in der Region an der Grenze zum Irak geben. Ähnliche Berichte verbreitet auch der arabische Nachrichtensender Al Jazeera. Zeitgleich droht laut Al Jazeera auch ein inner-kurdischer Konflikt. Dieser hat sich demnach seit dem Tod eines Sicherheitsoffiziers der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) am 8. Oktober entwickelt. Die KDP macht die kurdische Arbeiterpartei PKK für den Tod verantwortlich, die aber diese Anschuldigungen von sich weist. Seither schwelt der Konflikt. Bereits in den 1990er-Jahren hatten PKK und KDP gegeneinander gekämpft.

Einmarsch der Türkei könnte neue Fluchtbewegung auslösen

Besondere Brisanz bekommen die schwelenden Konflikte aus zwei Gründen. Einerseits hatten die Kurden in Nordsyrien in den vergangenen Wochen Bemühungen vorangetrieben, auch andere Gruppen der syrischen Opposition in die Selbstverwaltung einzubeziehen. Wie der Nordsyrische Außenminister Abdulkarim Omer gegenüber der „Welt“ berichtet, gibt es Fortschritte bei der Integration. Außerdem erhält die Region finanzielle Unterstützung aus Europa für die Internierung ehemaliger „IS“-Kämpfer und Deradikalisierungsprogramme. Diese Anzeichen einer zunehmenden Integration und internationalen Anerkennung könnten durch einen von Erdoğan befohlenen Angriff der Türkei zunichte gemacht werden.

Daneben sind im Norden von Syrien noch immer hunderttausende Geflüchtete in Camps untergebracht. Berichte zeugen von erbärmlichen Bedingungen, es soll kaum Wasser und Elektrizität in den Lagern geben. Noch hindert die Corona-Pandemie viele der Schutzsuchenden vor einer Flucht. Sollten aber die Truppen von Erdoğan angreifen, könnte das eine neue Fluchtbewegung auslösen.

Aus den USA könnte auch dieses Mal grünes Licht für Erdoğans Einmarsch kommen. Denn der künftige US-Präsident Joe Biden strebt nach eigenen Worten eine politische Lösung des Konflikts der Türkei mit den Kurden an. Der aktuelle Amtsinhaber könnte versuchen, ihm diese friedliche Lösung so schwer wie möglich zu machen.

Zuletzt war die Türkei immer wieder in Konflikte verwickelt. Im Kampf um Bergkarabach stand Erdoğan an der Seite von Aserbaidjan. Auch mit der EU hatte sich die Türkei einen diplomatischen Schlagabtausch geliefert. Analysten vermuten, dass Erdoğan damit von wirtschaftlichen Problemen in der Türkei ablenken will. (Marcel Richters)

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