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Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei bei einem Gipfeltreffen.
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Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei bei einem Gipfeltreffen.

Empfang des Gründerpaars

Sexismus-Vorwürfe: Erdoğan vermeidet Namen von Biontech-Gründerin Özlem Türeci

  • VonMirko Schmid
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Uğur Şahin und Özlem Türeci haben einen der ersten Corona-Impfstoffe entwickelt. Nun kündigt Präsident Erdoğan ihren Besuch in der Türkei an, will jedoch einen Namen nicht nennen.

Diyarbakır – Recep Tayyip Erdoğan steht häufiger unter dem Verdacht, sexistisch zu handeln. Am 1. Juli 2021 trat ein Dekret in Kraft, wonach die Türkei aus der Istanbul-Konvention zum Schutz von Frauen austritt. Für Agnès Callamard, Generalsekretärin von Amnesty International, bedeutet das, dass „die Türkei die Uhr für Frauenrechte um zehn Jahre zurückgestellt und einen erschreckenden Präzedenzfall geschaffen“ hat. Tausende Menschen gingen in mehreren türkischen Metropolen wie Istanbul, Ankara dagegen auf die Straße.

Bereits zuvor hatte Erdoğan den Unmut vieler Gleichberechtigungsbewegten auf sich gezogen, als er EU-Ratspräsident Charles Michel und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in seinem Amtssitz empfing, allerdings nur für Michel einen Stuhl neben sich platzieren ließ. Von der Leyen musste mit einigem Abstand auf einem Sofa Platz nehmen – gegenüber vom türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu. Im Nachhinein wurde die Sitzordnung als Zeichen der Abwertung von der Leyens als Frau interpretiert. Italiens Ministerpräsident Mario Draghi beispielsweise bezeichnete Erdoğan anschließend als Diktator und gab sich „sehr betrübt“ ob der „Demütigung“, welche von der Leyen habe erdulden müssen.

Recep Tayyip Erdoğan musste sich zuletzt häufig den Vorwurf des Sexismus gefallen lassen

Auch wenn die Türkei die Verantwortung für den „Sofagate“ getauften diplomatischen Eklat von sich wies, blieb der Eindruck haften, dass Recep Tayyip Erdoğan von der Leyen ihres Geschlechts wegen an den „Katzentisch“ verweisen ließ. Die CDU-Politikerin selbst vertrat vor dem EU-Parlament die Auffassung, dass sie nur wegen ihres Geschlechts derlei „respektlos“ behandelt worden sei. Zusätzliche Brisanz verlieh der Affäre der Umstand, dass es in dem Gespräch zwischen den türkischen Regierungsvertretern und den EU-Spitzen auch um die Istanbul-Konvention ging.

Özlem Türeci: Vom deutschen Präsidenten mit dem Großen Verdienstkreuzes mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, vom türkischen Präsidenten verschwiegen.

Rund drei Monate später steht Recep Tayyip Erdoğan international erneut in der Kritik für ein angeblich frauenverachtendes Gebaren. Im Zentrum steht das Gründerehepaar des Mainzer Biotechnologieunternehmens Biontech. Als erste Forschungseinrichtung hatte das im Jahr 2008 gegründete Unternehmen einen wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt.

Federführend in der Entwicklung war Özlem Türeci, Medizinvorstand und Mitgründerin von Biontech. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Uğur Şahin, der als Vorstandsvorsitzender des Unternehmens fungiert, war es Türeci gelungen, mit dem entwickelten Corona-Impfstoff einen entscheidenden Schritt gegen die Pandemie auf die Strecke zu bringen.

Recep Tayyip Erdoğan empfängt Biontech-Gründerpaar - und erwähnt nur Uğur Şahin namentlich

Nun kündigte Recep Tayyip Erdoğan an, das Ehepaar mit türkischen Wurzeln in der Türkei empfangen zu wollen. Wie diverse türkische Medien übereinstimmend berichten, sprach der Präsident in diesem Atemzug von Firmengründer Uğur Şahin – und „Uğur Şahins Frau“. Den Namen der renommierten Medizinerin Türeci, Privatdozentin an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, sparte er aus.

Umgehend hagelte es Kritik. Lisel Hintz, Assistenzprofessorin an der Johns Hopkins University in Baltimore ließ ihrem Unmut auf Twitter freien Lauf. Erdoğan wisse genau was er tue, schrieb Hintz, seine Handlungen seien Anzeichen einer populistischen Frauenfeindlichkeit. „Identitätsbezogene Verhaltensweisen können sowohl tief verwurzelt als auch strategisch sein“, so Hinz weiter.

Der freischaffende Journalist Erkan Pehlivan twittert: „1. Die Frau heißt Özlem Türeci! 2. Dem Ehepaar Türeci und Şahin sei geraten nicht zum Spielball von Erdogan zu werden.“ Und Emrah Altindis, Assistenzprofessor am Boston College, schreibt sarkastisch: „Diese Mentalität, die Frauen Männern unterlegen sieht, war zwar nicht zu erwarten, aber...“. Ein anderer Twitter-Nutzer dreht den Spieß um: „Ich verstehe die Aufregung gar nicht, was genau soll der Mann von Frau Erdogan gesagt haben?“ (Mirko Schmid)

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