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Der Konzern ExxonMobil will auf Zypern Erdgas fördern.

Erdgas 

Zyperns Freud und Leid

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Auf Zypern wurden Erdgasvorkommen entdeckt. Prompt meldet die Türkei Ansprüche an und fordert einen Anteil an möglichen Gewinnen. 

Nach der Entdeckung neuer reicher Erdgasvorkommen südlich von Zypern hat der griechisch-zyprische Präsident Nikos Anastasiades die Bildung eines Erdgas-Fonds angekündigt. Die Gewinne sollten den griechischen wie den türkischen Zyprioten zugutekommen – sobald die Teilung der Mittelmeerinsel überwunden sei. „Das ist ein freudiges Ereignis, dass Zypern einen starken Auftritt auf der Landkarte verschafft“, sagte Anastasiadis am Freitag.

Am Donnerstag hatten die Regierung der griechischen Republik Zypern und des US-Konzerns ExxonMobile mitgeteilt, dass man bei den jüngsten Probebohrungen im Seegebiet „Glafkos“ ein gigantisches neues Gasfeld entdeckt habe. „Es ist der drittgrößte Gasfund weltweit innerhalb der letzten zwei Jahre“, sagte Energieminister Giorgos Lakkotrypis; man vermute Reserven von bis zu 227 Milliarden Kubikmeter Erdgas und erwarte Gewinne von mehr als 40 Milliarden Euro. Vor Zypern wurden schon zwei kleinere Gasfelder mit geschätzt zusammen rund 230 Milliarden Kubikmetern gefunden worden. Zypern plant im Verbund mit Ägypten, Israel und Griechenland eine „East-Med-Pipeline“ bis nach Italien.

Die jetzige Entdeckung könnte zwar die bisher auf Tourismus, Finanz- und Landwirtschaft gestützte Ökonomie der Zyperngriechen revolutionieren, doch politisch verursacht sie Kopfzerbrechen, denn sie heizt die Spannungen zwischen Ankara und Nikosia an. Die Türken sind die Schutzmacht der nur von ihnen anerkannten „Türkischen Republik Nordzypern“. Zypern ist seit einem griechischen Putsch und einer anschließenden türkischen Invasion 1974 geteilt. Seit den ersten Funden vor acht Jahren kritisiert Ankara die Erdgassuche ohne vorherige Lösung der Zypernfrage und verlangt die Beteiligung der türkischen Zyprioten an den Energiefeldern.

Die international anerkannte Regierung Südzyperns weist das bisher damit zurück, dass ein souveräner Staat das Recht habe, solche Erkundungen durchzuführen. Allerdings sind die Mittel des EU-Mitglieds beschränkt. Vor einem Jahr unterbanden türkische Marineschiffe zweimal die Bohrversuche eines italienischen Erkundungsschiffes. Und ExxonMobile wird zumindest scharf kritisiert – aber nicht blockiert, nachdem die USA Kriegsschiffe in die Region schickten.

Fluchtpunkt Zypern: Die Insel der Gestrandeten

Die Türkei rüstet ihre Marine derzeit in beispiellosem Ausmaß auf, 130 Schiffe führen zurzeit Manöver unter anderem vor Zypern durch. Vergangene Woche kündigte Außenminister Mevlüt Cavusoglu an, sein Land werde jetzt auch in „Glafkos“ bohren: Energievorkommen im östlichen Mittelmeer und in der Ägäis blieben „ein strategisches Ziel und eine nationale Angelegenheit. Nichts kann im Mittelmeer ohne die Türkei gemacht werden, wir werden es nicht erlauben.“

Die Erdgasfunde bringen eine neue Dynamik in die Zypernfrage. „Sie können ein Segen sein, denn sie bedeuten, dass der Druck auf die Zyperngriechen massiv steigt, eine Einigung mit dem Norden herbeizuführen, was sie bisher verschleppen“, sagt der Politikwissenschaftler Hubert Faustmann, Büroleiter der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Nikosia. Ohne ein Abkommen mit Nordzypern, um die Vorräte von „Glafkos“ auszubeuten, könnte es schlimmstenfalls sogar zu einem militärischen Konflikt kommen.

Nachdem die jüngsten Wiedervereinigungsgespräche vom Sommer 2018 damals vor allem an der starren Haltung der Zyperngriechen scheiterten, haben sie nun eine Kehrtwende vollzogen und gehen auf den Norden zu. Am Dienstag vereinbarten Präsident Anastasiadis und sein türkisch-zyprischer Amtskollege Mustafa Akinci überraschend eine Reihe vertrauensbildender Maßnahmen. Sie erklärten, endlich die Mobilfunk- und Elektrizitätsnetze beider Seiten miteinander verbinden zu wollen, was bereits 2015 beschlossen, aber nie umgesetzt wurde.

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