Deeskalation

Erdgas-Streit: Maas reist nach Zypern und Griechenland - Türkei schickt das nächste Schiff ins Mittelmeer

  • Teresa Toth
    vonTeresa Toth
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Im Erdgas-Streit zwischen Griechenland, Zypern und der Türkei plant Bundesaußenminister Heiko Maas ein Gespräch mit den beteiligten EU-Partnern.

  • Das Forschungsschiff „Oruc Reis“ soll erneut in griechische Gewässern geschickt werden, um nach Erdgas zu suchen.
  • Geplante Sondierungsgespräche sind damit bedroht.
  • Heiko Maas will mit seiner Reise Nikosia und Athen die volle Solidarität Deutschlands im Erdgas-Streit versichern.

Die Türkei plant erneut ein Explorationsschiff in das östliche Mittelmeer zu schicken, um dort nach Erdgas zu suchen. Bis zum 20. Oktober soll das Schiff „Oruc Reis“ laut der türkischen Marinebehörde seismische Untersuchungen unter anderem südlich der griechischen Insel Kastelorizo durchführen. Damit könnte die die Türkei die geplanten Sondierungsgespräche zwischen den Parteien bedrohen. Heiko Maas will mit einer Reise nach Griechenland und Zypern Deutschlands „volle Solidarität“ im Erdgas-Streit zum Ausdruck bringen und zur Deeskalation der Lage beitragen.

Erdgas-Streit: Heiko Maas sieht die EU-Türkei-Beziehungen bedroht

Heiko Maas mahnte, dass alle Seiten an einem vernünftigen Nachbarschaftsverhältnis arbeiten müssen und die Türkei ein solches Verhältnis und einen Dialog der Parteien durch einseitige Maßnahmen gefährden würde. So könnte der Erdgas-Streit weiter angefacht werden: „Falls es tatsächlich zu neuerlichen türkischen Gasexplorationen in den umstrittenen Seegebieten im östlichen Mittelmeer kommen sollte, wäre das ein herber Rückschlag für die Bemühungen um Deeskalation – und damit auch für die Fortentwicklung der EU-Türkei-Beziehungen, wie der letzte Europäische Rat sie beschlossen hat.“

Auch der griechische Außenminister verurteilt die Entscheidung der Türkei scharf. Die Entsendung sei laut ihm eine „große Eskalation und eine direkte Bedrohung für Frieden und Sicherheit in der Region“. Griechenland fordert die Türkei daher auf, ihre Entscheidung sofort rückgängig zu machen und das Forschungsschiff „Oruc Reis“ nicht zu entsenden. Die Aktion würde die Bemühungen um eine Entspannung um den Erdgas-Streit deutlich zurückwerfen. Es zeige, dass die Türkei in Wahrheit nicht an einem Dialog interessiert sei.

Maas reist nach Athen wegen Erdgas-Streit: Türkei zeigte sich zunächst einsichtig

Erst Mitte September hatte die Türkei das Explorationsschiff „Oruc Reis“ sowie das Bohrschiff „Yavuz“ nach Monaten von seiner Position im Südwesten von Zypern heimbeordert. Dieser Schritt wurde von Griechenland als Zeichen der Entspannung interpretiert. Dass das Forschungsschiff nun doch wieder in griechischen Gewässern nach Erdgas suchen soll, zeige jedoch die Unzuverlässigkeit der Türkei, heißt es aus griechischen Regierungskreisen.

Athen wirft der Türkei vor, illegal in griechischen Gewässern nach Erdgas zu suchen. Die Regierung von Erdogan in Ankara argumentiert dagegen, dass die betroffenen Zonen, in die die türkischen Explorationsschiffe entsandt werden, zum türkischen Festlandsockel gehören und die Türkei damit ein Recht auf die Bodenschätze habe. Anfang Oktober hatte die EU entschieden, in dem Erdgas-Streit zunächst keine Sanktionen gegenüber der Türkei durchzuführen – hielt sich diesen Schritt jedoch offen. (tt)

Rubriklistenbild: © Jean-Christophe Verhaegen

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