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Analog Einflussreiche unter sich: Minister Gerd Müller (l.) und Mime Til Schweiger.

Social-Media-Kampagne

Entwicklungsminister Müller: Ungewöhnliche Partnerschaft mit Influencern

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Entwicklungsminister Gerd Müller will verstärkt auf Influencer setzen – auch wegen Youtuber Rezo. Die Kampagne soll zeigen, wie Entwicklungshilfe wirkt.

Es gibt wenige Politikfelder, die in der Bevölkerung einen positiven Ruf genießen. Grundsätzlich beliebt sind bei den Deutschen die Außenpolitiker, darunter auch der Entwicklungsminister. Er kümmert sich um sauberes Wasser in Afrika, Schulen in Südamerika oder die globale Hungerbekämpfung – ist also mit der guten Sache befasst.

So geht es auch Entwicklungsminister Gerd Müller. Der CSU-Mann hat im Vergleich zu anderen Ministern der großen Koalition einen guten Ruf. In den sozialen Medien ist Müller sogar der beliebteste Politiker: Laut einer Analyse der Firma Vico Research & Consulting waren von untersuchten 260 000 Social-Media-Beiträgen über Müller 70 Prozent positiv. Dabei hat Müller im Vergleich zu anderen Spitzenpolitikern recht wenige Follower in den sozialen Medien: Gerade einmal knapp 2000 Menschen folgen dem Minister jeweils auf Facebook und Instagram. Bei Twitter ist Müller nicht aktiv.

Das könnte sich nun ändern: Von nun an hat Müllers Ministerium einflussreiche Multiplikatoren, um für sein Wirken zu werben. Nichts weniger als die „größte Social-Media-Kampagne“ Deutschlands kündigte der Minister in dieser Woche auf einer Pressekonferenz in Berlin an – mit Schauspieler Til Schweiger an seiner Seite.

Dahinter steckt eine neue, ungewöhnliche Partnerschaft des Ministeriums: Es unterstützt künftig die von mehreren Hilfsorganisationen und Prominenten gestartete Initiative „Entwicklung wirkt“. Diese will auf die „Wirksamkeit der von Deutschland geleisteten Entwicklungsarbeit“ aufmerksam machen.

Die Kampagne besteht aus Werbevideos, in denen die Promis zeigen, wofür das Geld des Entwicklungsministeriums ausgegeben wird und welchen positiven Effekt es bereits hat. Sie treffen Ärzte und Profiteure der Entwicklungsgelder in den Regionen vor Ort und lassen sich von diesen die bisherigen Erfolge präsentieren. Die elf Videos verbreiten auch die Promis selbst auf ihren Facebook-, Twitter- und Instagram-Kanälen.

Müller kann dabei auf die Unterstützung von Stars aus der „analogen“ Welt wie Til Schweiger und Peter Maffay setzen – aber auch auf Internetgrößen wie Youtuber Gronkh oder Videobloggerin Julia Beautx. Alleine diese beiden Influencer kommen zusammen auf knapp sieben Millionen Abonnenten bei Youtube. Insgesamt können die Promis, die „Entwicklung wirkt“ unterstützen, laut Harald Kischlat von der Organisation „German Doctors“ bis zu 24 Millionen Menschen über ihre Social-Media-Kanäle erreichen. Ein Wert, von dem Politiker normalerweise nur träumen.

Die Bedeutung moderner Medien und der Einfluss von Influencern und Videobloggern ist der Politik spätestens seit dem millionenfach angeschauten Rezo-Video über die „Zerstörung der CDU“ bewusst. Das Video des jungen Mannes mit den blauen Haaren habe auch bei den Planungen für das neue Projekt eine Rolle gespielt, bestätigt Kischlat: „Es hat uns auf jeden Fall darin bestärkt, für die Kampagne auch Menschen wie Gronkh zu gewinnen.“

Das sonst eher unter mangelnder Aufmerksamkeit leidende Entwicklungsministerium steigt damit in eine neue Form der politischen Kommunikation ein. Unter anderem setzt es auf als unpolitisch geltende Influencer und Stars aus der digitalen Welt. Dass sie nun sogar indirekt für die Arbeit der Bundesregierung werben – denn das Ministerium fördert die Organisationen und deren Arbeit –, dürfte Minister Müller deshalb umso stärker dabei nutzen, jüngere Menschen für das vergessene Thema Entwicklungshilfe zu interessieren. Denn die Hilfsorganisationen sind auf die Hilfe Ehrenamtlicher angewiesen. „Wir dürfen bei diesem Thema die Jugend nicht verlieren“, so Müller.

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