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Wie weht der neue Wind? Die US-Botschaft in Berlin neben dem Brandenburger Tor.

Deutschland

Entspannt

  • Tobias Peter
    vonTobias Peter
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Das politische Berlin atmet nach dem Wahlsieg von Joe Biden hörbar auf.

Erleichterung, Durchatmen, aber auch Respekt vor den Aufgaben, die in den transatlantischen Beziehungen noch kommen: So lässt sich die Stimmung im politischen Berlin nach dem Sieg des Demokraten Joe Biden zusammenfassen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb in seiner Gratulation an Biden, dass mit dessen Wahl „die Hoffnung auf Verlässlichkeit, Vernunft und die beharrliche Arbeit an Lösungen in einer unruhigen Welt“ verbunden sei.

„In den für uns wirklich existenziellen Fragen könnte der Unterschied zwischen den schwierigen, ja zerstörerischen letzten vier Jahren und dem, was die kommenden vier Jahre an Chancen bieten, kaum größer sein“, schrieb Steinmeier zudem in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er machte auf diese Weise deutlich: Auch Deutschland sei in der Verantwortung, die Chance für eine bessere Zusammenarbeit mit den USA zu nutzen.

„Unsere transatlantische Freundschaft ist unersetzlich, wenn wir die großen Herausforderungen dieser Zeit bewältigen wollen“, schrieb Kanzlerin Angela Merkel an Biden. US-Präsident Donald Trump hatte sie vor vier Jahren deutlich distanzierter eine Zusammenarbeit auf Basis der gemeinsamen Werte angeboten – und damit deutlich gemacht, dass Trump erst zeigen müsse, wo er stehe.

Gratulationen rund um den Globus

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat Joe Biden und Kamala Harris zum Sieg gratuliert. Er freue sich auf eine Zusammenarbeit, „um die palästinensisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern und Freiheit, Unabhängigkeit, Gerechtigkeit und Würde für unser Volk zu erzielen“, sagte Abbas nach Angaben der offiziellen palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa.

Auch der afghanische Präsident Aschraf Ghani schickte Glückwünsche. Sein Land freue sich auf die Fortführung und Vertiefung der vielschichtigen strategischen Partnerschaft, schrieb Ghani auf Twitter.

Ungarns Opposition begrüßte die Wahl des Demokraten Joe Biden. „Trump war gut für die Orbán-Regierung, Präsident Biden wird gut sein für Ungarn“, schrieb der Budapester Oberbürgermeister Gergely Karacsony auf seiner Facebook-Seite. „Biden posiert nicht mit Diktatoren herum (...), sondern steht fest auf dem Boden der Rechtsstaatlichkeit, der Menschenrechte und der menschlichen Würde“, fügte er hinzu. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán äußerte sich bislang nicht zu der Wahl Bidens.

In Indien feierten die Menschen Bidens Wahlsieg, vor allem wegen seiner Stellvertreterin Kamala Harris, die indische Wurzeln hat. Im Dorf Thulasendrapuram in der Region Tamil Nadu, wo Harris‘ Großvater mütterlicherseits lebte, zündeten Bewohner Knallkörper, schwenkten Poster mit dem Konterfei der 56-Jährigen und beteten im Tempel. Ministerpräsident Narendra Modi schrieb auf Twitter, Harris sei eine Quelle „großen Stolzes“. (afp/dpa)

Auch die SPD betonte die Chancen, die im Sieg Bidens für Deutschland und Europa lägen. SPD-Chefin Saskia Esken sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Ich freue mich besonders, dass mit Kamala Harris zum ersten Mal eine Frau Vizepräsidentin der USA wird.“ Und: „Kamala Harris wird eine Inspiration für die kommende Generation junger Frauen sein, die an die Spitze streben. Frauen können alles.“

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Alexander Graf Lambsdorff machte deutlich, dass auch Deutschland seinen Betrag leisten müsse, damit in der Welt nun wieder mehr gemeinsame Projekte vorankämen. „Wir sehen in dieser Wahl auch einen Arbeitsauftrag für Deutschland und Europa: Es gilt nun, die transatlantischen Beziehungen wieder zu verbessern, vor allem in der Handelspolitik und beim Klimaschutz“, sagte er dem RND.

„Wir müssen dabei helfen, dass sich die USA in den Vereinten Nationen und internationalen Verträgen wieder engagieren, wie dem Pariser Klimaschutzabkommen, dem Nuklearabkommen mit dem Iran oder in der Weltgesundheitsorganisation“, so Lambsdorff weiter.

Linken-Chefin Katja Kipping gab zu bedenken, Bidens Wahl sei eine gute Nachricht – doch auch Trump habe stark abgeschnitten: „Knapp die Hälfte der Stimmen bekam ein großmäuliger Lügner, der täglich seine Verachtung für Demokratie, Frauen und alle, die ihm zu widersprechen wagten, gezeigt hat.“

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