Irakische Polizisten bergen einen Mann, der bei einem Selbstmordanschlag auf die Rot-Kreuz-Zentrale in Bagdad verletzt wurde.
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Irakische Polizisten bergen einen Mann, der bei einem Selbstmordanschlag auf die Rot-Kreuz-Zentrale in Bagdad verletzt wurde.

Entsetzen über Anschlag auf das Rote Kreuz

Zahlreiche Tote und Verletzte bei Attentatserie in Bagdad / IKRK zeigt sich "schockiert" / Bundesregierung erwägt Abzug deutscher HelferBei einer beispiellosen Serie von Anschlägen sind in Irak zum Auftakt des Fastenmonats Ramadan zahlreiche Menschen getötet worden. Die Angaben schwankten zwischen 21 und 39 Toten. Bei der schwersten Attacke zündete ein Attentäter vor der Zentrale des Roten Kreuzes in Bagdad eine Bombe. Dossier: Irak nach dem Krieg

Bagdad · 27. Oktober · dpa/rtr/ap · Ein Selbstmordattentäter brachte am Montagmorgen einen mit Sprengstoff beladenen Krankenwagen vor dem Sitz des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) im Bagdader Sadun-Viertel zur Explosion. Dabei wurden nach Angaben des Roten Kreuzes in Genf zwölf Menschen getötet, darunter zwei irakische Mitarbeiter. Zehn Menschen seien verletzt worden.

Nach US-Angaben wurden auch mehrere Polizeistationen in Iraks Hauptstadt angegriffen. Bei einer solchen Attacke starben laut US-Militärpolizei acht Menschen. Der arabische TV-Sender Al Dschasira berichtete, in einer Wache habe eine Autobombe drei Polizisten getötet und zehn US-Soldaten verwundet.

Zwei weitere Sprengsätze detonierten nach Angaben von Augenzeugen in der Nähe des Industrieministeriums sowie neben einem Gebäudekomplex, der vom Gesundheitsministerium und mehreren anderen Ministerien genutzt wird. In der Nacht zum Montag waren zwei US-Soldaten getötet und zwei weitere Amerikaner verletzt worden, als ihre Patrouille in Bagdad mit einem Sprengsatz angegriffen wurde. Ein US-Militärpolizist starb bei einem Mörsergranaten-Angriff auf das Gefängnis von Abu Ghoreib im Westen Bagdads. Zwei weitere Soldaten wurden nach Angaben des US-Zentralkommandos verletzt.

In Falludscha, 70 Kilometer westlich von Bagdad, erschossen US- Soldaten nach Angaben von Augenzeugen fünf Insassen eines Kleinbusses. Die Soldaten hätten das Feuer eröffnet, nachdem ein Sprengsatz explodiert sei. Sie hätten wild um sich geschossen und den zufällig vorbeifahrenden Bus getroffen.

Iraks Vize-Innenminister Ahmed Ibrahim sprach von insgesamt 34 Toten und 224 Verletzten. Die Opfer seien US-Soldaten, Polizisten und irakische Zivilisten.

IKRK-Sprecherin Antonella Notari erklärte in Genf: "Wir sind schockiert." Denn der Anschlag habe sich gezielt gegen die Arbeit des Roten Kreuzes gerichtet. Der IKRK-Leiter in Irak, Pierre Gassmann, kündigte an, man werde einige der 35 ausländischen Helfer abziehen.

Die deutsche Organisation Help will nach eigenen Angaben ihre Arbeit fortsetzen. Das Bundesinnenministerium prüft nach eigenen Angaben, ob die vier deutschen Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks aus Bagdad abgezogen werden. Die Bundesregierung verurteilte die Anschläge "auf das Schärfste". Die Attentate, besonders der Anschlag gegen das Rot-Kreuz-Hauptquartier, seien gegen das Interesse des irakischen Volkes gerichtet, sagte ein Regierungssprecher. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der britische Außenminister Jack Straw sagte, der Anschlag zeige das Ausmaß der Verderbtheit der Täter. US-Präsident George W. Bush sagte, die USA würden sich nicht von ihrer Irak-Politik abbringen lassen. Das US-Militär sprach erstmals von ausländischen Terroristen. Dies sei ein "neues Element", sagte General Mark Hertling, Vize-Kommandeur der für Bagdad zuständigen Panzerdivision.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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