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Michael Buback ist der Sohn des ehemaligen Generalbundesanwalts Siegfried Buback, der ? wie Hanns Martin Schleyer ? 1977 von der RAF getötet wurde.

Interview mit Michael Buback

"Die Entschuldigung geht in Ordnung"

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Michael Buback, Sohn eines RAF-Opfers, spricht im Interview über schwierige Begegnungen und die weitere Ungewissheit.

Der Sohn des von der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer, Jörg Schleyer, hat sich im mazedonischen Skopje mit der ehemaligen RAF-Terroristen Silke Maier-Witt getroffen. Diese hat sich währenddessen bei Schleyer entschuldigt. Wir sprachen darüber mit Michael Buback, dessen Vater, der ehemalige Generalbundesanwalt Siegfried Buback, ebenfalls von der RAF getötet wurde.

Herr Buback, was sagen Sie zu dem Treffen?
Ich war erstaunt.

Nur erstaunt?
Es mag auch für andere Zuschauer schwierig gewesen sein, eine Verknüpfung zwischen der in den Abendnachrichten gezeigten, freundlich wirkenden älteren Frau und den grausamen Taten der RAF herzustellen.

Hat eine Entschuldigung nach über 40 Jahren denn überhaupt noch einen Wert?
Die Entschuldigung geht auch nach der langen Zeit in Ordnung. Nur sollte sie genauso von den unmittelbaren Tätern kommen. Und diese sollten Jörg Schleyers drängende Frage beantworten, wie genau sein Vater zu Tode gekommen ist. Ich vermute, Frau Maier-Witt weiß das gar nicht.

Jörg Schleyer bittet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auch um die Freigabe bisher unter Verschluss gehaltener Akten zu dem Mord. Denn das Präsidialamt müsse bei Begnadigungsbegehren Einsicht in Aktenauszüge der Bundesanwaltschaft, des Verfassungsschutzes und des Bundesnachrichtendienstes zu den RAF-Morden bekommen haben. Wie nehmen Sie das wahr?
Diese Bitte unterstütze ich ausdrücklich. Drei Bundespräsidenten habe ich in den vergangenen Jahren gebeten, mir Einsicht in eine geschwärzte Aktenpassage zu gewähren, die das vor vierzig Jahren auf meinen Vater verübte Attentat betrifft und fast 30 Jahre alt ist. Es handelt sich um eine etwa zwölfzeilige Passage in der mir ansonsten ohne Schwärzung vorliegenden, für Bundespräsident Richard von Weizsäcker verfassten ausführlichen Stellungnahme von Generalbundesanwalt Kurt Rebmann zur Begnadigung von Verena Becker, die wegen Beihilfe zum Mord an meinem Vater verurteilt worden ist und geheime Informantin des Verfassungsschutzes war. Bei der jüngsten Gedenkveranstaltung für Opfer der RAF in Schloss Bellevue habe ich erfahren, dass ich diese Passage auch vom jetzigen Bundespräsidenten nicht erhalten werde.

Warum ist Ihnen das so wichtig?
Aus der Stellungnahme muss hervorgehen, dass Rebmann bereits damals wusste, dass Verena Becker, geheime Informantin des Verfassungsschutzes war. Aufgrund dieser unbezweifelbaren Kooperation ist davon auszugehen, dass mit eben dieser Verena Becker von 2010 bis 2012 eine aufgrund ihrer Geheimdienst-Kooperation von staatlicher Seite geschützte Person von einer ebenfalls staatlichen Stelle, nämlich der Bundesanwaltschaft, als Mittäterin beim Karlsruher Attentat angeklagt wurde. Wir Angehörige mussten diese geradezu absurde Konstellation ertragen, die zudem kaum Chancen bietet, zu einer Klärung des Verbrechens zu gelangen.

Können Sie nachvollziehen, was Jörg Schleyer bewegt?
Ja, das kann ich. Es ist schwer zu verstehen, dass noch 40 Jahre nach den RAF-Verbrechen Akten gesperrt bleiben und sie nicht einmal den Prozessbeteiligten – also auch nicht dem Gericht, das die Aufklärungspflicht hat – zur Verfügung gestellt werden. Beide, staatliche Stellen und ehemalige Terroristen, sollten deshalb Auskunft geben.

Das Gespräch führte Markus Decker

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