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Helfer der Weißhelme suchen nach einem Luftangriff nach Überlebenden.

Syrien

„Entscheidender Sieg“

Truppen des syrischen Präsidenten Assad dringen in eine der letzten Rebellenhochburgen ein.

Bodentruppen der syrischen Regierung sind in eine der größten von Rebellen in der Provinz Idlib gehaltenen Stadt eingedrungen. Nach heftigen Luftangriffen und Artilleriebeschuss sei es den Regierungskräften mit Hilfe ihrer russischen Verbündeten am späten Montagabend gelungen, in Stadtteile von Chan Scheichun einzuziehen, nachdem sich die Rebellen zurückgezogen hätten, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. Ihr Vorsitzender Rami Abdel Rahman sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das ist ein entscheidender Sieg für die Regierungstruppen.“

Die größte Stadt im Süden von Idlib, Chan Scheichun, liegt an der strategisch wichtigen Straße von Damaskus über Homs nach Aleppo. Die Stadt ist seit 2016 wieder unter Regierungskontrolle.

900 Zivilisten getötet

International bekannt ist Chan Scheichun wegen eines Angriffs mit dem Giftgas Sarin, bei dem im April 2017 mehr als 80 Menschen starben. Die UN machten syrische Regierungstruppen für den Angriff verantwortlich.

Die USA forderten Syrien zur Mäßigung auf. US-Außenamtssprecherin Morgan Ortagus schrieb auf Twitter: „Das Assad-Regime und seine Verbündeten müssen zum Waffenstillstand in Idlib zurückkehren.“

Aktivisten veröffentlichten in den sozialen Medien Videos, auf denen zu sehen ist, wie Dutzende Granaten auf die Stadt Chan Scheichun abgefeuert wurden. „Die Regimekräfte verfolgen eine Politik der verbrannten Erde, um Städte und Gemeinden unter Kontrolle zu bekommen“, schrieben sie. Rahman hatte vor wenigen Tagen gewarnt, dass, wenn die Regierungskräfte die Stadt einnehmen würden, die Rebellen auch im Norden der benachbarten Provinz Hama in eine schwierige Lage kommen würden. „Entweder werden sie sich zurückziehen müssen oder bis zum Ende kämpfen, weil sie belagert werden.“

Der Beobachtungsstelle zufolge wurden durch die Gewalt der vergangenen Tage im Süden von Idlib rund 25 000 Menschen vertrieben - meist in ländliche Gebiete im Norden, die Stadt Idlib und Gebiete nahe der Grenze zur Türkei. Die Vereinten Nationen hatten im Juli mitgeteilt, dass durch die Angriffe der syrischen Regierungstruppen zur Einnahme von Idlib seit April mehr als 400 000 Menschen vertrieben worden seien. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatte erklärt, seit Beginn der Angriffe Ende April seien mehr als 900 Zivilisten getötet worden, darunter 235 Kinder. In Idlib und den angrenzenden Regionen gilt seit vergangenem September eigentlich eine Waffenruhe. Assads Truppen und ihr Verbündeter Russland gehen seit Ende April aber wieder verstärkt gegen die Rebellen und Dschihadisten vor.

Nach den Worten des chinesischen Sonderbeauftragten Xie Xiaoyan droht ein Wiedererstarken von Terrororganisationen wie dem sogenannten Islamischen Staat. „Das Problem ist nicht gelöst“, sagte Xie am Dienstag nach einem Treffen mit dem UN-Syrienvermittler Geir Pedersen in Genf. Daher müsse der „Kampf gegen die Terroristen fortgesetzt werden“. Er berief sich bei den Informationen über die drohende Gefahr eines Erstarken der Terrorgruppen auf Diplomaten und Forschungsinstitute. (dpa/afp)

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