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Entnazifizierung: Das gescheiterte Experiment

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Die Besatzungsmächte versuchen, das öffentliche Leben von NS-Einflüssen zu säubern. Aber noch schwieriger als die juristische Aufarbeitung gestaltet sich die politische Aufgabe der Entnazifizierung. 8,5 Millionen Deutsche waren schließlich Mitglied der NSDAP gewesen.

Die Militärregierungen verbieten direkt nach Amtsantritt Gesetze und Organisationen der Nationalsozialisten und bringen NS-Verbrecher vor den Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg - die Nürnberger Prozesse beginnen am 20. November 1945 - und andere Militär- und Sondergerichte. Noch schwieriger als die juristische Aufarbeitung gestaltet sich die politische Aufgabe der Entnazifizierung. 8,5 Millionen Deutsche waren schließlich Mitglied der NSDAP gewesen.

Das erklärte Ziel der Siegermächte ist es, den Nationalsozialismus für immer vom Erdboden zu tilgen. Schon in der Konferenz von Jalta im Februar 1945 formulieren sie den Willen, "den deutschen Militarismus und Nazismus zu vernichten" und bekräftigen das im Juli/August in der Potsdamer Konferenz. Der Alliierte Kontrollrat beschließt im Januar 1946 eine erste "Entnazifizierungsdirektive".

Bei der Aufgabe, das öffentliche Leben von nationalsozialistischen Einflüssen zu säubern, gehen die Besatzungsmächte allerdings sehr unterschiedlich vor.

Amerikanische Zone: Die US-Amerikaner tun sich "durch ihren moralischen und zugleich bürokratischen Rigorismus" hervor, sagt (Wolfganz Benz. Die Entnazifizierung ist ein "Grundpfeiler ihrer Besatzungspolitik", so Clemens Vollnhals, und beschränkt sich nicht nur auf die Auswechslung des Personals in Schlüsselstellungen. Etwa 140.000 Personen werden sofort aus ihren Stellungen entlassen. Im Frühjahr 1946 summiert sich die Zahl auf 300.000 Entlassene, die Verwaltungen leiden unter Personalmangel.

Britische Zone: Eher pragmatische Handhabung, vor allem werden die Eliten ausgewechselt.

Französische Zone: Weniger strenge Handhabung, regionale Unterschiede; in erster Linie Auswechslung der Eliten.

Sowjetische Zone: Konsequenteste und rascheste Umsetzung der Entnazifizierung, die eine wichtige Rolle beim Aufbau einer antifaschistischen, sozialistischen Gesellschaftsordnung spielt. Bis zu 520.000 Menschen werden letztendlich entlassen oder nicht wieder eingestellt. Nazis, aber auch Gegner der neuen Ordnung werden in Lagern interniert, in denen etwa 12.000 Menschen sterben.

Ihr Ziel, alle früheren NSDAP-Mitglieder auszuschalten, haben die Besatzer nicht erreicht. Der Historiker Vollnhals nennt die Entnazifizierung folglich ein "gescheitertes Experiment". uta

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