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Nicht ins Netz gehen: Fake News lassen sich mit recht einfachen Mitteln als solche identifizeren.

Abfällige Vokabeln, unscharfe Quellen

So entlarven Sie Fake News

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Ob US-Wahl oder Flüchtlingspolitik - gefälschte Nachrichten, sogenannte Fake News, werden immer noch viel zu oft verbreitet. Dabei lassen sie sich häufig schnell entlarven.

Sie begleiten zu Tausenden die Debatten über die US-Wahl oder die Flüchtlingspolitik, wirken als Meinungsmacher in sozialen Medien und locken Internetnutzer auf gewerbliche Seiten: gefälschte Nachrichten, sogenannte Fake News. Das Problem: Die Falschmeldungen werden oft nicht als solche erkannt und unbedarft weiterverbreitet. Dabei können die meisten Fälschungen mit einigen wenigen Tricks entlarvt werden. Initiativen wie Mimikama, Hoaxmap oder der Verein Digitalcourage geben Tipps.

Darstellung: Als erstes Warnsignal kann eine besonders überspitzte Darstellung von Inhalten dienen. Wenige Informationen werden beispielsweise mit viel Meinung durchsetzt, stark verkürzt dargestellt oder auf eine einzige Schlagzeile komprimiert. Es wird behauptet, jetzt werde (endlich) die (eine) Wahrheit berichtet. Wenn dann die Information eine unscharfe Quelle – im Internet gelesen, über Hörensagen vernommen, in den Medien verbreitet, einer Studie entnommen etc. – oder gar keine Quellenangabe hat, lohnt sich ein genauerer Faktencheck, bevor man die Meldung weiterverbreitet.

Quelle: Zunächst sollte man der Frage nachgehen, wer die Nachricht in die Welt gesetzt hat. Ist der oder die Autorin mit Namen genannt? Steht dahinter eine real existierende Person und keine Figur aus Film oder Literatur? Hat die Webseite oder das Blog ein Impressum? Und wenn ja, ist dort eine tatsächliche Adresse, ein Ansprechpartner angegeben, und kein Postfach in Übersee? Wenn sich diese Fragen nicht mit Ja beantworten lassen, ist Vorsicht geboten.

Inhalte: Wer nun misstrauisch geworden ist, kann sich den eigentlichen Text der mutmaßlichen Fake News genauer anschauen. Gibt es konkrete Angaben zu Ort, Zeitpunkt oder Chronologie, handelnden Personen, die sich nachprüfen lassen? Wenn nicht, deutet das auf Fälschungen hin. Wenn ja, ergeben sich Anhaltspunkte zur Recherche. In den USA kursierte beispielsweise die Meldung, eine Müllkippe in North Dakota sei nach dem damaligen Präsidenten Obama benannt worden. Eine einfache Internetsuche nach dem als Quelle zitierten örtlichen Gouverneur ergab, dass eine Person dieses Namens nicht zu finden war und der tatsächliche Gouverneur des Countys ganz anders hieß.

Ein Beleg für eine seriöse Quelle kann zudem sein, wenn in dem Text Gegenpositionen benannt, widersprechende Studien ausgewertet oder kritische Stimmen zitiert werden – und so ein differenzierteres Bild entsteht.

Eine andere Möglichkeit ist es, Kerninformationen des Textes in eine Internetsuchmaschine einzugeben und so zu erfahren, ob das Thema auch von anderen Journalisten und Autoren aufgegriffen wurde. Finden sich die Schlagworte in unterschiedlichen Texten mit verschiedenen Quellen, deutet das auf seriöse Informationen hin. Finde ich dagegen nur ein und dieselbe Schlagzeile, wurde möglicherweise eine Falschmeldung einfach nur unreflektiert weiterverbreitet. Wer die Suche dann um Stichworte wie „hoax“, „fake“ oder „widerlegt“ erweitert, kann feststellen, ob die Meldung bereits anderen Lesern aufgefallen oder in einer Sammlung für Falschnachrichten gelandet ist.

Sprache: Ist der Text stark mit wertenden, abfälligen oder gar hasserfüllten Vokabeln durchsetzt, ist das ein Anzeichen für Fake News. Dasselbe gilt für eine starke Häufung von Rechtschreibfehlern. Werden Informationen darüberhinaus öfter als Frage denn als Aussage formuliert? Und finden sich viele Anführungszeichen, ohne dass wörtliche Rede sichtbar gemacht wird? Dann handelt es sich möglicherweise um Behauptungen und Gerüchte, für die es keine Belege gibt.

Bilder: Ein Foto steht für Realität, deshalb sind Bilder besonders häufig Bestandteil gefälschter Nachrichten. Dabei zeigt entweder das Bild eine reale Situation, der Text dazu ist jedoch erfunden, oder die Textnachricht ist korrekt, wird aber mit einem falschen Bild in Szene gesetzt. Um solche Fälschungen zu entlarven, hilft die Rückwärtssuche für Bilder. Über die Google-Bildersuche, aber auch andere Webseiten wie Tineye oder Yandex lassen sich die Bild-URL oder das Bild selbst hochladen, um das Netz nach einem bestimmten Foto zu durchsuchen. So kann man herausfinden, ob und in welchem Zusammenhang ein Bild früher schon verwendet wurde. Auch für Videos gibt es solche Seiten. Mit weiteren, kostenlos zugänglichen Programmen lassen sich die Metadaten eines Bildes auslesen. So kann der Nutzer herausfinden, wann und wo ein Bild aufgenommen wurde.

Zeitpunkt: Wenn detaillierte Informationen unmittelbar nach einem Ereignis auftauchen, ist Vorsicht geboten. Recherchen und Ermittlungen brauchen Zeit. Möglicherweise handelt es sich auch um alte Nachrichten, die dem Leser in einem aktuellen Zusammenhang als neu verkauft werden. Um das herauszufinden, kann man die Internetsuche mit Zeitfiltern eingrenzen. So erfährt man, wann eine Meldung tatsächlich zuerst aufgetaucht ist.

Zweck: Misstrauisch sollten Leserinnen und Leser werden, wenn die Meldung einem bestimmten Zweck dient und explizit etwas von ihnen verlangt wird – sei es Geld, die Weitergabe von Daten, oder sei es auch nur, dass sie die angeblich wichtige Nachricht, die vordringlich lebensrettende Warnung schnell weiterverbreiten.

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