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Dmitro Bulatow wird in einem Krankenhaus in Kiew behandelt.

Opposition Ukraine

Entführt, gefoltert, unter Hausarrest gesetzt

Acht Tage lang war Dmitro Bulatow verschwunden. Mit zerschundenem Gesicht taucht der ukrainische Oppositionsaktivist wieder auf. Er berichtet von barbarischer Folter. International ist das Entsetzen groß - doch in seiner Heimat wird der Aktivist unter Hausarrest gestellt.

Seine Qualen sollen acht Tage gedauert haben, nach eigenen Angaben wurde Dmitro Bulatow von seinen Entführern dabei ein Ohr abgeschnitten. Mit völlig zerschundenem Gesicht ist der ukrainischen Oppositionsaktivist nun wieder aufgetaucht: Sein Fall löste am Freitag international Empörung aus.
Mehr als eine Woche nachdem seine Frau ihn als vermisst gemeldet hatte, tauchte der 35-jährige Bulatow am Donnerstag wieder auf. Offenbar schwer gefoltert taumelte er in ein Dorf unweit von Kiew, wie er am Freitag den Fernsehsendern 5 und 1+1 sagte. Seine Entführer hätten ihn im Wald ausgesetzt.
In dem Dorf habe er Kontakt zu Freunden aufnehmen können. Nach eigenen Angaben wurde Bulatow während seines Martyriums mit verbundenen Augen grausam gefoltert. „Sie haben mein Ohr abgeschnitten, haben mein Gesicht zerschnitten“, sagte Bulatow. Zudem hätten seine Peiniger ihm Nägel durch die Hände geschlagen. „Ich danke Gott, dass ich am Leben bin.“ Die Entführer hätten mit russischem Akzent gesprochen, berichtete Bulatow. Ihre Gesichter habe er wegen seiner verbunden Augen nicht gesehen.

Internationales Entsetzen

„Ich bin entsetzt angesichts der offensichtlichen Anzeichen von ausgedehnter Folter“, erklärte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Brüssel. Sie forderte ein Ende von „Einschüchterung und Straflosigkeit“ in der Ukraine.

Der Sprecher der UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay verlangte in Genf eine Untersuchung der berichteten Fälle von Folter und Entführungen in der Ukraine.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine Untersuchung der „barbarischen Tat“ und verwies zugleich darauf, dass der Fall Bulatow nur einer von mehreren weiteren Fällen spurlosen Verschwindens von Aktivisten sei.

Die US-Botschaft in Kiew stellte ein Foto Bulatows mit einer klaffenden Wunde auf seiner Wange ins Netz und schrieb: „Die Regierung der Ukraine muss die volle Verantwortung für die rechtzeitige Untersuchung, Festnahme und Strafverfolgung der für diese abscheuliche Tat Verantwortlichen übernehmen.“ Zudem äußerte sie Sorge angesichts von Berichten über 27 weitere vermisste Aktivisten.

„Was sie Bulatow angetan haben, ist ein Versuch, allen Bürgern Angst einzujagen“, sagte Ukraines Oppositionsführer Vitali Klitschko. Er kam am Freitagabend nach München und wird heute auf der Sicherheitskonferenz erwartet. Dort soll er über die Lage in Kiew berichten.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die ukrainische Regierung auf, Bulatow eine medizinische Behandlung in Deutschland zukommen zu lassen. Steinmeier sprach am Rande der Sicherheitskonferenz mit seinem ukrainischen Amtskollegen Leonid Koschara über das Schicksal Bulatows. Doch stattdessen wird Bulatow in der Ukraine unter Hausarrest gestellt. Die Nachrichtenagentur Interfax berichtete am Freitag unter Berufung auf das Innenministerium, dass Bulatow seit dem 24. Januar als "Verdächtiger" im Zusammenhang mit der "Organisation massiver Unruhen" gesucht werde. An Stelle von Untersuchungshaft habe der Untersuchungsrichter jedoch auf Rücksicht auf Bulatows schwere Verletzungen nur Hausarrest beantragt.

Bulatow verschwand am 22. Januar. Der Regierungsgegner Jurij Werbizkij wurde etwa am 22. Januar tot in einem Wald gefunden. (afp/dpa)

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