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In Bedrängnis: François Fillon vor vier Tagen auf der französischen Insel Réunion im Indischen Ozean.

Frankreich

Die Ente lässt nicht mehr locker

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Zum vierten Mal in Folge nimmt sich das Satireblatt "Canard Enchaîné" Präsidentschaftskandidat Fillon vor.

Alles schien ausgemacht bei den französischen Präsidentschaftswahlen: François Fillon und Marine Le Pen würden Ende April in die Stichwahl vorstoßen, und dort würde der Konservative im Mai klar gegen die Ultranationalistin siegen.

Dann kam die Ente. Die Zeitschrift „Le Canard Enchaîné“ („Die angekettete Ente“), die ihre Informationen seit dem Ersten Weltkrieg satirisch verbrämt, um der Zensur ein Schnippchen zu schlagen, berichtete Ende Januar, dass der „makellose“ Kandidat Fillon seine Ehefrau unter anderem als parlamentarische Assistentin jahrelang angestellt und für insgesamt 500 000 Euro fürstlich entlohnt habe. Und das war nun keine Satire.

Einen Tag später trat Fillon zur besten Sendezeit vor die Fernsehkameras, um zu beteuern, seine Frau Penelope habe für das Geld wirklich gearbeitet. Dann setzte er seinen Wahlkampf fort – bis der „Canard“ am folgenden Mittwoch nachlegte: Nun präsentierte er Rechnungen von über 900 000 Euro, inklusive 80 000 Euro für Missionen der beiden Kinder Fillons. „Dabei sage ich doch, dass Penelope nichts gemacht hat“, ließ das Wochenblatt „Fillon“ doppelsinnig witzeln.

Da inzwischen auch die Finanzstaatsanwaltschaft wegen Veruntreuung öffentlicher Parlamentsgelder ermittelt, organisierte der konservative Expremier eine neue Pressekonferenz. Der Effekt hielt an bis zum Mittwoch danach: Da lieferte der Enterich in seiner bissigen Schlagzeile einen „neuen Beweis, dass Fillon zu kassieren weiß“ – politisch gesprochen, aber auch finanziell. Das nicht nur gut, sondern ausgezeichnet informierte Blatt will wissen, dass die Ermittler „keine Spur“ dieser angeblich fünfzehnjährigen Arbeit gefunden hätten; hingegen habe Penelope auch noch 45 000 Euro als Entlassungsabfindung erhalten.

Wie lange hält Fillon stand?

Am Mittwoch nun folgte der vierte Streich: Der „Canard“ berichtete über Vorermittlungen wegen Steuerbetrugs gegen Fillons prominenten Sprecher Thierry Solère. Ein neuer Tiefschlag für die Konservativen.

Niemand weiß, wie lange Fillon den Enthüllungen standhalten kann. Ein geeigneter Nachfolger ist nicht in Sicht, weshalb die Rechte zwischen zwei Übeln wählen muss – das Rennen mit einem geschwächten Fillon oder einem schwachen Ersatz fortzusetzen. Plötzlich scheint wieder ein Sieg Le Pens oder – wahrscheinlicher – des Mitte-links-Bewerbers Emmanuel Macron möglich.

Hinter den beiden Gegenspielern ist Fillon in den Umfragen jedenfalls auf Platz drei abgesackt. Ältere Franzosen erinnern sich, wie oft das „Entenblatt“ schon Politiker zu Fall brachte. In seiner Trophäensammlung hängen Präsidentschaftskandidaten wie Jacques Chaban-Delmas oder Valéry Giscard d’Estaing – Letzterer wegen der sogenannten Bokassa-Diamanten –, aber auch der ehemalige Premierminister Alain Juppé, der Pariser Bürgermeister Jean Tibéri oder die Ministerin Michèle Alliot-Marie.

Sie stammen mehrheitlich aus dem bürgerlichen Lager, doch wehrt sich der „Canard“ gegen die Einschätzung, er stehe links. Jüngst enthüllte er zum Beispiel die ziemlich peinlichen, jedenfalls vergeblichen Mühen Macrons, sich in einer französischen Militärbasis in Jordanien fotografieren zu lassen. Oder den ebenso kläglich gescheiterten Versuch von François Hollande, sich als zukünftiger Präsident des Europäischen Rates ins Spiel zu bringen.

Früher war Hollande auch schon als einer der zahllosen Informanten des Satireblatts gehandelt worden. Die Fillon-Affäre dürfte nicht er dem „Canard“ gesteckt haben. Und laut Insidern auch nicht Exjustizministerin Rachida Dati, die sich an sich gerne an Parteifreund Fillon rächen würde, weil er ihr einen Abgeordnetenposten vorenthalten hatte.

Das Investigationsblatt hat einmal beschrieben, wie es selbst begonnen hatte, Fillons Einkommensverhältnisse unter die Lupe zu nehmen – und umso eifriger forschte, als der Angefragte geblockt habe. Deshalb hat das so freche wie hartnäckige Journal, das keine Werbung abdruckt und seine Auflage dank der Fillon-Affäre um ein Viertel auf 500 000 Exemplare gesteigert hat, sicher noch ein paar Pfeile im Köcher. Fillon zittert dem nächsten Mittwoch entgegen.

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