Porträt Alois Glück

Mit engagierter Gelassenheit

Alois Glück ist kein Mensch, der sich aufdrängt. Und auch keiner, der sich zu irgendetwas überreden lässt.

Von Iris Hilberth

Alois Glück ist kein Mensch, der sich aufdrängt. Und auch keiner, der sich zu irgendetwas überreden lässt.

Früh fiel sein Name, als ein Nachfolger für Hans-Joachim Meyer gesucht wurde, den Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Man kennt Glück als ruhigen, sachlichen Politiker, dem über Parteigrenzen hinweg viel Respekt entgegengebracht wurde. Glück saß 38 Jahre im Bayerischen Landtag, war dessen Präsident und zuvor lange Jahre CSU-Fraktionsvorsitzender gewesen. Im vorigen Jahr trat er nicht mehr zur Wahl an, nahm Stück für Stück Abschied von der Macht. Anders als andere, konnte er loslassen.

Er selbst bezeichnete seine Art einmal als "engagierte Gelassenheit". Sie sei immer seine Lebensphilosophie gewesen. So lehnte der 69-Jährige gelassen den Spitzenposten des organisierten Laienkatholizismus ab, solange Hessens Kulturstaatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann dafür im Gespräch war. Doch dann fegte der erzkonservative Teil des Episkopats die Bewerbung Brockmanns vom Tisch und löste damit einen handfesten Krach zwischen ZdK und der Bischofskonferenz aus. In dieser Krise sprang Glück, der Mann aus dem Chiemgau, ein.

Diesmal signalisierten die Bischöfe vorab ihr Einverständnis. Kardinal Karl Lehmann hatte schon vor Wochen vor einem Desaster gewarnt, falls sich der Fall Brockmann wiederholen sollte. Dabei dürften manche Bischöfe durchaus ihre Probleme mit Glück haben. Nach dem von Papst Johannes Paul II. erzwungenen Ausstieg der Bischöfe aus der Schwangerenkonfliktberatung gründete er den Verein "Donum Vitae", um die entstandene Lücke zu füllen. Der Vatikan verbot später Doppelfunktionen in der katholischen Kirche und bei "Donum Vitae". Das könnte durchaus noch als Keule gegen Glück und das ZdK taugen, das dem rechten Flügel in der katholischen Kirche notorisch zu aufmüpfig und zu politisch ist.

Gerade Glück verkörpert den Laien-Katholizismus in der Politik wie kaum ein zweiter. Mit 30 Jahren kam er in den Landtag. Größeres Gefallen als an einem Ministerium fand Glück, der von einem Bauernhof stammt und sich als heute "seltenes Exemplar des Autodidakten" bezeichnet, am Posten des Fraktionschefs. Obwohl er bundespolitisch nicht zur ersten Garde der CSU gerechnet wurde, galt er doch partei-intern als Mann gleich hinter Edmund Stoiber. Er erwarb sich den Ruf des Vor- und Querdenkers, eines Strippenziehers hinter den Kulissen. Konservativ bedeute nicht, alles abzulehnen, was neu ist, lautet eine seiner Maximen. Die Bischöfe werden sich darauf einzustellen haben.

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