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In Krisenzeiten: Gazprom zahlt Rekordsumme an Kreml

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Von: Nils Tillmann

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Während Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 gering bleiben, erzielt Gazprom Rekordgewinne – davon profitiert auch der Kreml.

Moskau – Nach Rekordgewinnen während der Energiekrise steht eine Auszahlung von fast 10 Milliarden Euro durch den russischen Energiekonzern Gazprom an die Regierung Russlands bevor. Als größter Anteilseigner stehen dem Kreml in diesem Jahr besonders hohe Gewinne durch den Energiekonzern bevor, wie der Guardian berichtet.

Das Unternehmen hatte in den vergangenen Monaten Rekordsummen erwirtschaftet, nachdem der Gaspreis ein außergewöhnlich hohes Niveau erreicht hatte. Der russische Staat besitzt rund die Hälfte der Anteile an der Firma Gazprom. Insgesamt berichtet das Unternehmen einen Nettogewinn von zweieinhalb Billionen Rubel in der ersten Jahreshälfte. Diese Summe entspricht mehr als 40 Milliarden Euro.

Der Gaspreis war nach der russischen Invasion der Ukraine im Februar stark angestiegen. Die Mitgliedsstaaten der EU hatten infolge des Angriffs mehrere Sanktionspakete beschlossen, um damit für Russland die Finanzierung des Krieges zu erschweren. Die angekündigte Dividende durch Gazprom an den russischen Staat stellt laut Guardian einen Rückschlag für diese Bemühungen dar.

Das Moskauer Büro des Energiekonzerns Gazprom. Während der Krieg in der Ukraine tobt, konnte das Unternehmen durch steigende Gaspreise Rekordgewinne erzielen.
Das Moskauer Büro des Energiekonzerns Gazprom. Während der Krieg in der Ukraine tobt, konnte das Unternehmen durch steigende Gaspreise Rekordgewinne erzielen. © Kirill Kudryavtsev/AFP

Energiekrise in Europa: Erdgas als Druckmittel für Putin

Der Regierung Wladimir Putins wird bereits seit Kriegsbeginn vorgeworfen, Erdgaslieferungen als Druckmittel zu verwenden. Gaslieferungen durch die Nord Stream 1 liegen derzeit bloß bei einem Fünftel der Pipeline-Kapazität. Russland gibt technische Gründe als Ursache dafür an. Der Gasfluss war für Wartungsarbeiten im Juli abgestellt und danach nur in reduzierter Menge wieder aufgenommen worden. Erneute Wartungsarbeiten wurden am Mittwoch begonnen. Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, bezeichnete die Wartungsarbeiten als technisch nicht nachvollziehbar.

Trotz reduzierter Gaslieferungen aus Russland füllen sich die Gasspeicher in Europa wie geplant für die Wintermonate. Sowohl die EU als auch die Bundesregierung hatten Mindestfüllstände für den Herbst beschlossen, um Engpässen in der Heizperiode im Winter vorzubeugen. Am Dienstag waren die deutschen Gasspeicher laut Angaben des Industrieverbands Gas Infrastructure Europe zu 84 Prozent gefüllt. Bis zum 1. November soll der Speicherstand 95 Prozent erreichen. (nt)

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