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Boris Palmer zeigt sich offen für AKW-Verlängerung

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Von: Moritz Serif

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Tübingen Oberbürgermeister Boris Palmer sorgt sich um die Energieversorgung
Tübingen Oberbürgermeister Boris Palmer sorgt sich um die Energieversorgung (Archivbild). © Bernd Weißbrod/dpa/picture alliance

Boris Palmer ist der erste Grünen-Politiker, der eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken in Erwägung zieht. Seine Partei lehnt das strikt ab.

Tübingen - „Hauptsache, es kommt nicht zur Kernschmelze der Industrie“, sagte Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) dem Spiegel. „Für diesen Winter ist es nebensächlich womit wir Gas sparen - ob mit Kohle, Öl oder Atomkraft“, ergänzte der Politiker.

Allerdings werde das Gasproblem auf Dauer nicht gelöst, wenn die Laufzeiten der drei verbliebenen Atomkraftwerke verlängert würden. Diese sollen Ende des Jahres vom Netz gehen.

Energiekrise: Boris Palmer offen für AKW-Verlängerung

Palmer, der in seiner eigenen Partei umstritten ist, ist der erste prominente Grünenpolitiker, der einen Weiterbetrieb öffentlich in Erwägung zieht. Die Grünen lehnen eine Laufzeitverlängerung der Atomkraft strikt aus Sicherheitsgründen ab. Bislang werben in der Ampelregierung Politiker:innen der FDP dafür, dass der Staat die Atommeiler länger am Netz lassen müsse.

Jens Spahn, ehemaliger CDU-Gesundheitsminister, hatte den Grünen vor kurzem einen Kompromiss vorgeschlagen. „Wenn die Grünen sagen, das wäre dann ein nationaler Kompromiss, wir machen bei der Kernenergie für ein halbes Jahr länger eine Nutzung in der Mangellage, dann finde ich, sollten wir auch über ein Tempolimit reden können“, sagte er. Christian Dürr, FDP-Fraktionschef, erteilte Jens Spahn jedoch umgehend eine Absage.

Energiekrise: FDP ebenfalls für AKW-Verlängerung

„Wir müssen alles tun, um die drohende Gaslücke zu schließen. Die Verlängerung der AKW-Laufzeiten kann dazu einen nennenswerten Beitrag leisten, das Tempolimit nicht. Wenn wir die Kernkraftwerke länger am Netz lassen, sparen wir Gas – denn wir verhindern, dass knappe Gasressourcen zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Benzin und Diesel von der Tankstelle tragen bedauerlicherweise nichts dazu bei, den angespannten Energiemarkt zu entlasten. Dieser Kuhhandel würde also nicht dazu führen, die Versorgung im Winter zu sichern“

Während Politiker:innen in Deutschland über die Energiekrise diskutieren, droht Wladimir Putin Europa damit, die Gaslieferungen noch weiter zu drosseln. Sollte die in Kanada reparierte Turbine für die Pipeline Nord Stream 1 nicht bald in Russland ankommen, werde die tägliche Liefermenge noch stärker fallen, sagte er der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass bei einem Treffen in Teheran. „Wir haben noch eine fertige Trasse - das ist Nord Stream 2. Die können wir in Betrieb nehmen“, sagte Putin. (Moritz Serif)

Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann will eine Lösung für die drohende Energiekrise gefunden haben: Er will notfalls Schwimmbäder zusperren lassen. Die Pläne rufen Widerstand hervor.

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