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„Das ist eine echte Zumutung“: Grünen-Chef Nouripour sieht AKW-Weiterbetrieb kritisch

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Von: Stefan Krieger

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Grünen-Bundesvorsitzender auf Sommertour
Grünen-Bundesvorsitzender Omid Nouripour. © Bernd Wüstneck/dpa

Nach dem Vorschlag von Robert Habeck für eine AKW-Reserve will die Spitze seiner Partei bei der Basis für das Vorhaben werben – auch wenn Bedenken bestehen.

Berlin – Der mögliche Weiterbetrieb von zwei Atomkraftwerken für maximal ein gutes Vierteljahr ist aus Sicht von Grünen-Chef Omid Nouripour eine Zumutung, aber als Reserve unvermeidbar. „Das ist eine echte Zumutung, das ist richtig. Und deshalb bauen wir auch Flüssiggasterminals, auch das ist eine Zumutung, aber gerade notwendig“, sagte er im ZDF-Morgenmagazin am Dienstag (6. September).

An dem grundsätzlichen deutschen Ausstieg aus der Atomenergie ändere sich nichts. „Nur haben wir besondere Zeiten. Das wissen, glaube ich, auch alle, und dieser Winter hat große Herausforderungen.“ Für den Extremfall, dass die Netzstabilität gefährdet sei, brauche man die beiden AKWs für den Winter. „Danach ist Schluss“, so Nouripour.

Zwei der drei Atomkraftwerke weiterhin nutzen

Im Fall von Stromengpässen will Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck zwei der drei verbliebenen deutschen Atomkraftwerke notfalls noch bis Mitte April nutzen können: Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg. Im Zuge des Atomausstiegs hätten zum Jahresende eigentlich alle deutschen Atomkraftwerke endgültig abgeschaltet werden sollen – wegen der von Russland ausgelösten Energiekrise bringt der Grünen-Politiker nun die mögliche kurze Verlängerung ins Spiel.

Die Spitze seiner Partei wolle bei der Basis der Grünen für die Entscheidung zum Weiterbetrieb werben. Die Entscheidung sorge für die nötige Versorgungssicherheit in einem Worst-Case-Szenario, so Nouripour gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Die Entscheidung zeigt zugleich: Der Krieg Putins zwingt uns zu Lösungswegen, die wir so nicht vorhersehen konnten.“ Der Parteivorstand werde den Schritt den Mitglieder:innen der Grünen erklären. „Wir werden deshalb auf dem Parteitag nicht nur die Waffenlieferungen an die Ukraine zur Abstimmung stellen, sondern auch die befristete AKW-Reserve.“

Grünen-Chefin Ricarda Lang: Keine Abkehr vom Atomausstieg

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung will der Bundesvorstand der Grünen noch in dieser Woche einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag für den Parteitag im Oktober einbringen. Eine Abkehr vom Atomausstieg schloss Grünen-Chefin Ricarda Lang in der Zeitung kategorisch aus. (skr/dpa) 
  
 

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