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Endstation Westbalkan: Flüchtende aus Afghanistan sitzen fest

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Von: Thomas Roser

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Patrouille an der albanisch-griechischen Grenze durch Frontex, der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache.
Patrouille an der albanisch-griechischen Grenze durch Frontex, der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache. © Gent Shkullaku/AFP

Afghanische Flüchtende sehen sich auf dem Weg in die USA mit vielen Hindernissen konfrontiert.

Belgrad – Ausgerechnet die ärmsten Staaten an der sogenannten Balkanroute hatten sich nach der Machtübernahme der Taliban im August auf US-Druck hin als Erste bereiterklärt, Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen: In Albanien, Kosovo und Nordmazedonien sollten Afghaninnen und Afghanen, die im Dienst der US-Armee oder US-amerikanischer Hilfsorganisationen gestanden hatten, vor ihrer endgültigen Übersiedlung in die USA die Bearbeitung ihrer Einreiseanträge abwarten.

Doch die meisten der Transitflüchtlinge hängen vier Monate später noch immer in ihren Zwangsgastländern auf dem Westbalkan fest. Die Zahl der vorübergehend aufgenommenen Menschen aus Afghanistan beginne nur „langsam zu schwinden“, berichtete in dieser Woche die Agentur „Balkan Insight“. So seien von den 2400 in Albanien Aufgenommenen erst 150 weitergereist. Von den 407 Flüchtlingen, die Nordmazedonien aufnahm, hätten erst 76 das Land verlassen. Von den knapp 1000 Afghan:innen, die in Kosovo Aufnahme fanden, soll ein Drittel nach Kanada und in die USA ausgeflogen worden sein.

Flucht aus Afghanistan: Berichte über Pushbacks

Merklich schlechter ist die Lage für die Flüchtlinge aus Afghanistan, die sich illegal über die Balkanroute auf eigene Faust in Richtung Westen durchzuschlagen versuchen.

Laut einem in diesem Monat veröffentlichten Bericht der „Initiative zum Schutz der Rechte an den Grenzen“ (Prab) werden afghanische Flüchtlinge weiter besonders häufig Opfer illegaler Abdrängungen, sogenannter Pushbacks, und Abschiebungen durch die Grenzpolizei an der Balkanroute: 32 Prozent der 6336 meist mehrfach abgedrängten Flüchtlinge, die Prab von Juli bis November dieses Jahres erfasst hat, stammen aus Afghanistan.

Flucht vor Taliban: Jeder zweite Flüchtende in Serbiens Auffangzentren aus Afghanistan

Über drei Viertel der dokumentierten Fälle betrafen Flüchtlinge, die von der kroatischen Polizei über die grüne Grenze nach Bosnien abgeschoben wurden. Vermehrte Fälle der illegalen Pushbacks, die oft mit Misshandlungen und der Konfiszierung der Besitztümer einhergeht, konstatierte Prab auch im rumänisch-serbischen und ungarisch-serbischen Grenzgebiet. „Ketten-Pushbacks“, mit deren Hilfe aufgegriffene Migrant:innen über mehrere Grenzen hinweg in Staaten verfrachtet und abgeladen werden, in denen sie sich manchmal nie aufgehalten hatten, finden nicht nur von Slowenien über Kroatien nach Bosnien, sondern auch von Österreich über Ungarn nach Serbien statt.

Jeder zweite der 4600 Flüchtlinge, die sich derzeit in Serbiens Auffangzentren aufhalten, kommt aus Afghanistan. Gut die Hälfte davon hat sich erst nach der Machtübernahme der Taliban auf den Weg gemacht. Eine vermehrte Zahl von afghanischen Flüchtlingen auf der Balkanroute ist seit der Machtergreifung der Taliban laut der Prab-Studie jedoch bisher nicht auszumachen: „Diejenigen, die aus Afghanistan zu fliehen versuchen, sehen sich mit vielfachen Hindernissen konfrontiert – von den geschlossenen Grenzen in Iran und der Türkei bis hin zu den Pushbacks an der griechisch-türkischen Grenze.“

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