Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Derangiert oder deplatziert: Le Pen bei der Time-100-Gala.
+
Derangiert oder deplatziert: Le Pen bei der Time-100-Gala.

Marine Le Pen

Endlich berühmt

  • Axel Veiel
    VonAxel Veiel
    schließen

Die Front-National-Chefin Marine Le Pen gehört für das US-Magazin "Time" zu den 100 mächtigsten Personen der Welt.

Ich bin eine von euch, mir hat das Leben auch nichts geschenkt.“ Das ist die Botschaft Marine Le Pens ans von Wirtschafts- und Identitätskrise zermürbte Volk. Wenn die Chefin des Front National (FN) mit rauer Stimme Frankreichs Eliten geißelt und die guten alten Zeiten beschwört, da die Welt nicht global und die Gallier in Frankreich unter sich waren, glaubt man eine vom Schicksal wenig verwöhnte Gastwirtin zu vernehmen und nicht eine im noblen Pariser Vorort Neuilly aufgewachsene Rechtsanwältin.

Aber jetzt ist die Rechtspopulistin aus der Rolle gefallen. Das US-Magazin Time hat sie zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Erde gekürt – sie und niemanden sonst aus Frankreich. Da konnte sie dann nicht widerstehen.

Sie ist zur Gala der 100 Mächtigsten nach New York gefahren, hat selig ins Blitzlichtgewitter gelächelt, ist mit dem Rapper Kanye West, seiner Gefährtin Kim Kardashian, der Oscar-Preisträgerin Julianne Moore und anderen im Abendkleid über den roten Teppich stolziert. Anschließend hat sich die Politikerin mit der restlichen Weltelite zum Galadiner begeben. Ein Stilbruch, der Madame Le Pen politisch teuer zu stehen kommen dürfte.

„Sie träumt davon, ein Star zu sein, wenn man sie zur nächsten Oscar-Verleihung einladen würde, wäre sie sofort dabei“, spottet der frühere Sozialminister Xavier Bertrand. Und Guillaume Tabard, Chefredakteur des Figaro, fragt sich und den Leser ironisch, wie es bloß dazu habe kommen können, dass die Amerikas liberale Wirtschaftsordnung verdammende Politikerin bereitwillig eine typisch amerikanische Soiree beehrt habe.

Da hilft Le Pen auch nicht, dass sie sich volkstümlich-national gegeben hat. „Ich bin Französin, ich spreche kein Englisch“, hatte sie verkündet. Tapfer hat sie obendrein beteuert, sie habe ihre von der hohen Politik vergessenen Landsleute keineswegs, von Glamour geblendet, selbst vergessen. Genützt hat es nichts.

Vater Jean-Marie Le Pen, von der Tochter wegen rechtsradikaler Umtriebe mit einem Disziplinarverfahren überzogen, darf sich bestätigt sehen. Wer nach der Präsidentenschärpe greife, könne auf Dauer nicht überzeugend den Protestführer geben, hat er gesagt. Und wie will die aufstrebende Populistin den Élysée-Palast erobern, ohne Allianzen zu schmieden, Kompromisse einzugehen, sich mit den Mächtigen ein Stück gemein machen?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare