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Gedenken am Holocaust-Mahnmal in Berlin.
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Gedenken am Holocaust-Mahnmal in Berlin.

Gedenken

Endlich Anerkennung

80 Jahre nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler gedenkt der Bundestag heute der Millionen Opfer des Nationalsozialismus. Im Parlament spricht die deutsch-israelische Schriftstellerin Inge Deutschkron, die die NS-Terrorherrschaft in einem Versteck in Berlin überlebt hat..

Von Birgit Walter

Inge Deutschkron sitzt aufrecht auf einem Stuhl in ihrer Berliner Wohnung, sieht ausgehfein aus und wirkt bestens organisiert. Im Gespräch antwortet sie konzentriert, schweift nicht ab, erinnert sich präzise, stolpert über keinen Namen. Ganz erstaunlich – Inge Deutschkron ist 90 Jahre alt und zählt zu den letzten jüdischen Überlebenden des Holocaust. Sie hat darüber Bücher geschrieben („Ich trug den gelben Stern“), auf Gedenkfeiern gesprochen, Tausenden Schülern anschaulich erzählt von ihren Verstecken im Berlin während des Nationalsozialismus. Heute hält sie im Bundestag eine Rede zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Bis Kriegsende versteckt

Über eine Frage allerdings scheint Inge Deutschkron nicht nachzudenken, es ist die nach der glücklichen Zeit in ihrem Leben. Sie überlegt und sagt: „Ach, ich weiß es nicht, womöglich ist das heute. Zu meinem 90. Geburtstag im August gab es einen Festakt im Roten Rathaus, von dem ging so viel Freundschaft und Wärme aus, 400 Gäste kamen, der Regierende Bürgermeister sprach, ein ganzer Abend nur für mich.“

Das hat etwas wirklich Bestürzendes, dass diese so lebensfrohe, gebildete, selbstbewusste und aktive Frau auf ihr Leben zurück schaut und im Grunde erst an dessen Ende etwas wie Glück erkennt. Weil da endlich Unrecht anerkannt wird. So lange hat es gebraucht, dass auch sie das fühlen kann.

Inge Deutschkron, 1922 in Finsterwalde/Brandenburg geboren, wuchs in Berlin auf. Ihr Vater, ein 1933 als Jude aus dem Schuldienst entlassener Gymnasiallehrer, konnte nach England emigrieren, Frau und Tochter nicht. Von dieser Zeit, als die Nationalsozialisten ihre Mordmaschinerie anwarfen, handeln ihre Bücher. Davon, wie sie und ihre Mutter schließlich in die Illegalität gingen und bis Kriegsende versteckt wurden – von 20 nichtjüdischen Berliner Familien, die ihnen das Leben retteten, denen sie bis heute dankbar ist.

Aber nach dem Krieg wollte davon keiner etwas hören. Inge Deutschkron lebte in England, Deutschland und Israel, arbeitete als Journalistin und fühlte sich doch überall heimatlos. „In den Fünfziger- und Sechzigerjahren war ich in Bonn, eine schreckliche Zeit. Ich hatte drei Makel: Ich war eine Frau, arbeitete politisch, war eine Sozialdemokratin und eine Jüdin. Ich habe gestört.“ Oft wurde sie aufgefordert, die alten Sachen endlich zu vergessen, aber sie vergaß nichts. Das Bundesverdienstkreuz würde sie immer noch ablehnen, weil es zuerst die alten Nazi-Größen bekommen hatten. Nichts für sie.

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