+
Mit dem Luftgewehr gegen die drohende Katastrophe.

Prepper

Im Endkampf ums Überleben

  • schließen

Auch in Deutschland steigt die Zahl der "Prepper". Unter den Weltuntergangspropheten finden sich Verschwörungstheoretiker und Rechtsradikale, die zu Gewalt aufrufen.

Die Flucht in völkische Siedlungsprojekte auf dem Land ist nur eine Ausdrucksform des nationalistischen Wahns, die „deutsche Rasse“ vor ihrem Untergang zu bewahren. Andere Kräfte aus dem neonazistische Lager bereiten sich dagegen militärisch und logistisch auf den vermeintlich unausweichlichen „Endkampf“ gegen die „Herrschaft des Bösen“ vor, zu der sich aus rechter Sicht Islam, Weltjudentum und der links versiffte Staat zusammengetan haben.

Sie sind sogenannte „Prepper“ – eine Wortschöpfung, die vom englischen Verb prepare (zu deutsch: vorbereiten) abgeleitet ist – und gehören damit zu einer weltweiten, immer stärker werdenden Szene, in der sich Verschwörungsfanatiker, Wutbürger und Wahnsinnige tummeln, aber auch ganz normale Familienväter, die Frau und Kinder vor Stromausfällen, Naturkatastrophen und Chemieunfällen schützen wollen. Und natürlich gibt es da auch jede Menge Geschäftemacher, denn mit der Angst und der Militanz der „Prepper“ lässt sich inzwischen viel Geld verdienen.

Unter die Szene der „Vorbereiter“, die in Kellerräumen Wasserflaschen, Fertigkonserven und Toilettenpapier horten, haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend Rechtsradikale gemischt. Angeheizt durch die Flüchtlingswelle und Buchbestseller, die in immer dramatischeren Szenarien bürgerkriegsähnliche Zustände beschreiben, durch die Deutschland einer Herrschaft von gesetzlosen und natürlich vorwiegend muslimischen Horden unterworfen wird, rüstet sich die Szene auf.

Und das nicht nur mit Knicklichtern, Batterien, dem kleinen Mitnahmeradio und einem mehrteiligen Kochset, sondern auch und vor allem mit Waffen und Sprengstoff. Denn Hilfe von der Bundesregierung – davon sind die rechten Verschwörer überzeugt – ist ja sowieso nicht zu erwarten, weil die bei der deutschen „Umvolkung“ gemeinsame Sache macht mit den Amerikanern und dem „Finanzjudentum“.

So tönt es auch aus den Büchern, die etwa das Buchhandelsunternehmen Kopp Verlag aus Rottenburg am Neckar vertreibt. Praktisch: Im Online-Shop des Buchversands mit seiner Vorliebe für neurechte Verschwörungstheorien kann man gleich noch Pfefferspraypistolen „zur Tierabwehr“ und das in einer Reisetasche verstaute Fluchtgepäck „Grab & Go Emergency Kit“ mit Pflaster, Teelichtern und Notrationen für vier Personen und drei Tage kaufen. Auch Wasseraufbereitungsanlagen und Regenschirme, die sich als Schlagstock eignen, sind hier im Angebot.

Schusswaffen konnten rechte Prepper unter anderem über ein seit 2016 noch bis vor einigen Monaten betriebenes Internetportal mit dem Namen „Migrantenschreck“ ordern. Die Betreiber der Webseite hatten explizit empfohlen, die Schusswaffen gegen Flüchtlinge und politische Gegner einzusetzen.

Im Angebot waren dort Revolver, Pistolen und Gewehre, die zwar Plastikkugeln statt scharfer Munition verschießen; weil die Geschosse aber mit bis zu 120 Joule Mündungsenergie verballert werden und damit lebensgefährliche Verletzungen hervorrufen können, sind sie in Deutschland verboten.

Mutmaßlicher Chef des illegalen Waffenversandhandels war der Thüringer Rechtsextremist und Pegida-Aktivist Mario Rönsch. Er wurde im März in Ungarn festgenommen und vor zwei Monaten an Deutschland ausgeliefert. Der jetzt erhobenen Anklage der Berliner Staatsanwaltschaft zufolge veräußerten Rönsch und seine mutmaßlichen, noch unbekannten Komplizen über eine von ihnen betriebene ungarische Firma in fast 200 Fällen Schusswaffen illegal an mehrere in Deutschland wohnende Käufer.

Bewaffnet, allerdings mit „richtigen“ Schusswaffen, sind auch die Mitglieder einer Anfang 2016 in Mecklenburg-Vorpommern gegründeten Prepper-Gruppe namens „Nordkreuz“. Die meisten ihrer Angehörigen, die sich nach eigener Aussage gemeinsam auf den „Tag X“ vorbereiten, verfügen als Jäger oder Sportschützen legal über Gewehre und Pistolen. Zu den 30 Mitgliedern der Gruppe gehören Banker, Mediziner, Sportler, Ingenieure, Handwerksmeister und Polizisten. Einige von ihnen sind Mitglieder der AfD.

Einer der Polizisten von „Nordkreuz“, Marko G., hatte dem „Spiegel“ vor einem Jahr berichtet, dass sich die Gruppe auf den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung vorbereite, etwa durch eine „Flüchtlingswelle“, einen Bankencrash oder Stromausfälle, die durch Anschläge verursacht werden. Man betreibe ein gemeinsames Schießtraining, tausche politische Meinungen aus und diskutiere, welche Vorräte anzulegen sind.

Allerdings war die Gruppe im vergangenen Jahr ins Visier der Bundesanwaltschaft geraten, weil bei zwei Mitgliedern Datensätze mit Namen, Anschriften und Telefonnummern von mehreren Tausend als „Feinde“ bezeichneten Personen gefunden wurden. Vergleichbare „Todeslisten“ hatten Sicherheitsbehörden in der Vergangenheit schon bei der Zwickauer Terrorzelle NSU sowie bei anderen Rechtsextremisten sichergestellt.

Die Karlsruher Behörde geht daher vom Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat aus. Die beiden beschuldigten „Nordkreuz“-Mitglieder sollen eine befürchtete Staatskrise als Chance gesehen haben, Vertreter des politisch linken Spektrums festzusetzen und zu töten. Im April wurden noch einmal mehrere Objekte der „Nordkreuz“-Mitglieder durchsucht, darunter ein Schießstand in Güstrow. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion