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Georgia-Stichwahl kann Trumps politisches Ende besiegeln

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Von: Nadja Austel

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In Georgia in den USA stehen heute die Stichwahlen um den Senatssitz an. Das Ergebnis könnte der Sargnagel für Donald Trumps Karriere sein.

Washington/Atlanta – In den USA wird am heutigen Dienstag im Bundesstaat Georgia die Stichwahl um einen Senatssitz abgehalten. Der von Ex-Präsident Donald Trump unterstützte Republikaner Herschel Walker fordert dabei den Demokraten und Amtsinhaber Raphael Warnock heraus. Die Umfragen sagen ein enges Rennen voraus. 

Kurz vor der Stichwahl in Georgia machte sich Trump im Wahlkampf der Republikaner in Georgia plötzlich rar. Der Grund: Sie befürchten offenbar, dass er das Ansehen von Walker negativ beeinträchtigt. So zitiert die Nachrichtenseite Politico eine der Walker-Wahlkampagne nahestehende Person, die über Georgias „komplizierte Dynamik“ mit Trump sprach. Diese sagte, man habe Trump nicht gebeten, den Staat zu besuchen – und Trump habe auch nicht darum gebeten, nach Georgia zu kommen. 

Ex-Footballspieler und Republikaner Herschel Walker kandidiert in Georgia für den US-Kongress – unterstützt von Donald Trump
Hier noch gemeinsam vor Publikum: Republikaner Herschel Walker kandidiert in Georgia – unterstützt von Donald Trump. (Archivbild) © Michael Zarrilli/AFP

Nachdem Trump unlängst angekündigt hatte, er wolle im Jahr 2024 erneut für die Wahl zum Präsidenten antreten, gilt es für die Demokraten außerdem, ihm keinen Auftrieb zu verschaffen. Die zahlreichen Gerichtsprozesse und Skandale, in die der Ex-Präsident verwickelt ist, sind seinem Image zwar bereits nicht gerade zuträglich. Für die Demokraten ist die Stichwahl in Georgia aber dennoch eine Möglichkeit, Trump eine weitere Niederlage zuzufügen.

USA Georgia: Trump braucht Stichwahl-Sieg von Herschel Walker

Die Entscheidung des Bundesstaates Georgia im Südosten der USA ist zudem politisch von besonderer Bedeutung: Eine Wiederwahl von Raphael Warnock würde die Demokraten-Mehrheit im Senat von derzeit 50 auf 51 erhöhen. Die Stichwahl im Senat von Georgia sei, so formuliert es CNN, Trumps letzte Chance, eine schmerzhafte Midterms-Saison zu überstehen, in der seine Kandidaten in den Swing States floppten und einen Schatten auf seine aufkeimende Präsidentschaftskandidatur 2024 warfen.

Ein Erfolg von Walker wäre ein seltener und für Trump dringend benötigter Sieg für einen seiner Rekruten. Ein solches positives Signal könnte seiner glanzlosen Kampagne neuen Schwung verleihen und gleichzeitig die Macht der Demokraten in Washington zu begrenzen. Eine Niederlage Walkers würde hingegen die Abwärtsspirale Trumps weiter befeuern – und könnte sein politisches Karriereende bedeuten.

Georgia USA: Trump erst erwünscht, als er Walker nicht mehr schaden kann

Die Bilanz des Ex-Präsidenten in Georgia sei so schlecht, dass er dort zu Wahlkampfauftritten nicht erwünscht war, berichtet CNN weiter. Er habe sich erst am Montagabend per TV-Übertragung in Georgia eingeschaltet – zu einem Zeitpunkt, an dem er angesichts der frühen Wahlbeteiligung von fast zwei Millionen Wähler:innen keinen Schaden mehr anrichten konnte.

„Eine Stimme für Raphael Warnock ist eine Stimme, die (…) den linksradikalen Demokraten die totale Kontrolle über den Senat der Vereinigten Staaten gibt. Das können wir nicht zulassen“, sagte Trump in dem kurzen Auftritt.

Trump und seine Anhänger wollten mit Walker als Kandidat insbesondere bei der schwarzen Bevölkerung punkten. Afroamerikaner:innen sind, im Vergleich zum Rest der USA, in Georgia mit rund einem Drittel der Bevölkerung überrepräsentiert. Vor allem junge, männliche schwarze Amerikaner wählten zuletzt vermehrt republikanisch. Mit dem Ex-Football-Star Walker wollte Trump vor allem sie ansprechen.

USA: Georgia-Kandidat Walker leugnet Rassismus

Die meisten von ihnen stimmten, so ein Bericht von t-online, in der ersten Wahlrunde im November jedoch noch immer für die Demokrat:innen: Rund 90 Prozent stimmten demnach für Raphael Warnock. Weiße Wähler dagegen sollen zu rund 70 Prozent Herschel Walker favorisiert haben.

Der deutliche Unterschied lasse sich leicht erklären: Während Warnock seit langem Rassismus, Diskriminierungen und soziale Benachteiligung anprangere, verneine Walker, dass es diese Probleme in den USA überhaupt gebe. In einem Werbespot sagte er demnach: „Raphael Warnock glaubt, dass Amerika ein schlechtes Land voller rassistischer Menschen ist. Ich glaube, dass wir ein großartiges Land voller großherziger Menschen sind.“

Ob Walker überhaupt in der Lage ist, einen ungetrübten Bezug zur Realität herzustellen, daran lassen auch Berichte zu seiner psychischen Verfassung Zweifel entstehen. Sein 23-jähriger Sohn hatte unlängst von Morddrohungen seines Vaters berichtet, der laut eigenen Angaben unter einer Dissoziativen Identitätsstörung (früher: Multiple Persönlichkeitsstörung) leidet. (na)

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