Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das Ende des "Ruhrkessels"

"Totaler Krieg" im IndustriezentrumMit dem Selbstmord von Generalfeldmarschall Walter Model am 21. April 1945 erlosch im so genannten "Ruhrkessel" der letzte Widerstand gegen den gemeinsamen Großangriff von Briten und Amerikanern auf den kriegswichtigen Ballungsraum.

Von TORBEN BÖRGERS (ESSEN, DPA)

In einem Wald bei Duisburg endete am 21. April 1945 endgültig ein Kriegs-Drama, das Historiker als "quälenden Endkampf um das Ruhrgebiet" beschreiben: Mit dem Selbstmord von Generalfeldmarschall Walter Model erlosch im so genannten "Ruhrkessel" der letzte Widerstand gegen den gemeinsamen Großangriff von Briten und Amerikanern auf den kriegswichtigen Industrie-Ballungsraum zwischen Rhein, Ruhr und Weser.

Die Offensive startete am 24. März bei Wesel und ging bereits knapp vier Wochen später, am 18. April, durch die Kapitulation der letzten von 300.000 Wehrmacht-Soldaten der Heeresgruppe B zu Ende. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Nazi-Deutschland vor den Alliierten.

Die Lage der Wehrmachtssoldaten in den Städten und Dörfern zwischen Wesel und Köln war von Anfang an hoffnungslos: In den Stellungen am Rhein standen als Verteidiger statt erfahrener Soldaten Ausbildungseinheiten. Munition war knapp geworden, die Luftwaffe erschien hilflos: Die Alliierten flogen weitgehend ungehindert Angriffe auf Osnabrück, Bocholt, Münster, Rheine, Dinslaken, Bochum, Essen, Iserlohn und Hagen. "Organisierten militärischen Widerstand gab es schon seit Februar nicht mehr", sagt Historiker Gerd Krumeich von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Die alliierten Truppen stießen daher bei ihrer Offensive im Westen Deutschlands kaum auf Widerstand: Am 8. März eroberten US- Einheiten die unzerstört gebliebene Brücke bei Remagen und gelangten so an das östliche Ufer des Rheins. Nach dem Großangriff bei Wesel am 24. März nahmen Briten und Amerikaner das Ruhrgebiet in die Zange. Am 1. April schloss sich der "Ruhrkessel" durch das Zusammentreffen der 1. und 9. US-Armee bei Lippstadt. Vier Tage später rollen amerikanische Panzer durch die Innenstadt von Münster.

Vehementer wie sinnloser Widerstand

"Als Befreiung haben die Menschen das aber nicht verstanden", so Krumeich. "Außer diejenigen, die in Haft waren." Die Nationalsozialisten reagierten mit ebenso vehementem wie sinnlosem Widerstand: Der Essener Gauleiter Fritz Schleßmann ordnete die "totale Räumung" der zerbombten Großstädte Essen und Duisburg an, Hitler befahl die Zerstörung von Industrie- und Versorgungseinrichtungen. Desertierende Soldaten und Offiziere wurden genauso standrechtlich erschossen wie alle männlichen Bewohner von Häusern, an denen weiße Bettlaken als Zeichen des Aufgebens hingen. "Wer sich nicht an der Verteidigung beteiligte, riskierte, im letzten Moment aufgehängt zu werden.", berichtet Krumeich.

Trotzdem hatten Millionen Deutsche Glück im Unglück: Bereits Anfang März hatte Hitler mit Sippenhaft für alle Angehörigen verfügt, sollte ein Wehrmacht-Soldat in Gefangenschaft geraten ohne verwundet zu sein oder bis zum Äußersten gekämpft zu haben. Allein in den ersten vier Monaten des letzten Kriegsjahres nahmen die alliierten Truppen 500.000 deutsche Soldaten in Haft, später stieg die Zahl auf 4,5 Millionen. Doch der Krieg war zu Ende, bevor der Sippenhaft-Befehl ausgeführt werden konnte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare