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Simbabwe feiert - und hofft auf einen Neuanfang.

Simbabwe

Das Ende der Ära Mugabe

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Nach dem Rücktritt von Robert Mugabe kehrt sein geschasster Vize Emmerson Mnangagwa am Mittwoch nach Simbabwe zurück. Er soll am Freitag als neuer Regierungschef vereidigt werden.

Es ist geschehen. Eine Woche nach der Invention der Militärs in Simbabwe ist Robert Mugabe, der seit 37 Jahre regierende Präsident des südafrikanischen Landes, am Dienstagnachmittag zurückgetreten. Den Rücktritt gab der Sprecher des Parlaments, Jacob Mudenda, im Abgeordnetenhaus bekannt. Er verlas eine Erklärung des 93-jährigen Staatschefs, in der dieser hervorhob, dass er den Schritt aus eigenen Stücken unternommen habe, um einen friedlichen Wandel in dem 14 Millionen Einwohner zählenden Staat zu ermöglichen.

Die Abgeordneten, die sich versammelt hatten, um ein Amtsenthebungsverfahren gegen Mugabe in die Wege zu leiten, brachen in Jubel aus – bereits wenige Minuten später strömten in der Hauptstadt Harare Zigtausende von Menschen auf die Straße, Hunderte von Autos veranstalteten Hupkonzerte. „Ich kann überhaupt nicht ausdrücken, wie glücklich ich mich fühle“, sagte eine junge Frau der britischen BBC, bevor sie tränenüberströmt zusammenbrach. „Heute haben wir gewonnen. Es ist ein Sieg für uns und unsere Kinder. Das ist alles, was wir wollten.“

Theresa May: „Chance für einen Neuanfang“

Innerhalb kürzester Zeit trafen Gratulationen aus aller Welt ein: Regierungschefs und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens begrüßten das Ende der Gewaltherrschaft. Die britische Premierministerin Theresa May bezeichnete die Abdankung Mugabes als „große Chance für einen Neuanfang“. Auch Simbabwes Oppositionschef Morgan Tsvangirai drückte seine Hoffnung für eine „neue Epoche“ aus.

Mugabe galt in den letzten zwei Jahrzehnten seiner Amtszeit als einer der verheerendsten Regierungschefs der Welt: Sein Festhalten an der Macht stürzte Simbabwe in eine wirtschaftliche und politische Dauerkrise.

In weiten Teilen Afrikas wurde der ehemalige Befreiungskämpfer allerdings bis heute als antiimperialistischer Held gefeiert, wofür vor allem sein Kampf gegen die britische Kolonialmacht und das weiße Rassistenregime im Vorgängerstaat Rhodesien in den 60er und 70er Jahren verantwortlich war.

Mugabes Rücktritt wurde in den vergangenen Tagen mehrfach schon erwartet. Der Autokrat widersetzte sich zunächst jedoch den Aufforderungen des Militärs hartnäckig.

Bereits am Sonntag war Mugabe von seiner eigenen Partei als Vorsitzender abgesetzt worden, seine Frau Grace sowie mehrere seiner Minister wurden auf Lebenszeit aus der Zanu/PF-Partei ausgeschlossen.

Grace Mugabe, unbeliebt bei Militär und Bevölkerung

Die Krise in Simbabwe hatte sich angebahnt, als der greise Mugabe vor zwei Wochen überraschend seinen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa absetzte und aus der Partei ausschloss. Mit diesem Schritt wollte der Staatschef die Nachfolge seiner 41 Jahre jüngere Ehefrau als Präsidentin in die Wege leiten.

Grace Mugabe ist allerdings sowohl in der Bevölkerung wie auch beim Militär äußerst unbeliebt: Sie nahm weder am Befreiungskampf 1965 bis 1980 teil (was im Land lange quasi als Adelsschlag für eine politische Karriere galt), noch verfügt sie über die für einen Staatschef nötigen Führungsqualitäten. Ihrer Liebe zum Luxus wegen wird sie vom Volksmund als „Gucci Grace“ verballhornt.

Der 75-jährige Mnangagwa verließ nach seiner Absetzung Simbabwe, um – wie sich inzwischen herausgestellt hat – einen Putsch vorzubereiten. Der ehemalige Staatssicherheits- und Verteidigungsminister verfügt nach wie vor über engste Beziehungen zum Militär und konnte die Offiziere davon überzeugen, zu seinen Gunsten einzugreifen. In der Nacht zum vergangenen Mittwoch fuhren Panzer in Harare ein: Soldaten setzten Mugabe in seiner Privatvilla im Luxusviertel Borrowdale fest.

Die Armee legte Wert darauf, dass ihr Eingreifen als „gewaltfreie Rettungsaktion“ und nicht als Putsch wahrgenommen wurde. Andernfalls wäre ihre Intervention vom Ausland auch nicht toleriert worden. Tatsächlich hielt sich der Staatenbund des Südlichen Afrika SADC weitgehend aus der Krise heraus und überließ das Feld den Streitkräften. Nach ihrem Erfolg wird nun erwartet, dass Mnangagwa bereits in den nächsten Tagen als Nachfolger eingesetzt wird.

Der geschasste Vize-Präsident wird am Mittwoch nach Simbabwe zurückkehren. Mnangagwa werde um 13.00 Uhr Ortszeit (12.00 MEZ) auf dem Militärstützpunkt Manyame in Harare landen, sagte ein Mitarbeiter des ehemaligen Vize-Präsidenten der Nachrichtenagentur AFP. Anschließend werde er sich in die Zentrale der Regierungspartei Zanu-PF begeben und danach ins Präsidialbüro. Am Freitag soll er nach Angaben des Staatsfunks als Präsident vereidigt werden.

Afrikanische Union: Eingreifen der Armee kein Putsch

Das Eingreifen der Armee in der vergangenen Woche bewertete die Afrikanische Union nicht als Militärputsch, sondern als Ausdruck der Bevölkerung nach „einem friedlichen Machtübergang“. Die Menschen hätten ihren Willen gezeigt, dass es einen „friedlichen Machtübergang geben soll, der die demokratische Zukunft ihres Landes sicherstellt“, hieß es in der Erklärung. Der Rücktritt Mugabes ebne den Weg für „einen Übergangsprozess, der dem souveränen Volk Simbabwes gehört und von ihm geleitet wird“.

Mugabes Amtszeit hatte nach der Unabhängigkeit Simbabwes 1980 durchaus positiv begonnen: Er reichte der weißen Bevölkerungsminderheit die Hand zur Versöhnung und hielt von Racheaktionen Abstand. Allerdings zeigte sich sein gewalttätiger und autoritärer Führungsstil bereits nach wenigen Jahren, als er angebliche Umsturzversuche der Minderheit der Ndebele mit brutaler Gewalt zusammenschießen ließ. 20.000 Menschen, darunter viele Zivilisten wurden umgebracht. Knapp zwei Jahrzehnte später ließ Mugabe Tausende weiße Farmer enteignen, die ihm angeblich gefährlich wurden. Seither stürzte das Land wirtschaftlich und politisch immer weiter ab. 2008 erreichte die Hyperinflation 11.200.000 Prozent. (mit afp)

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