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Klima

Ende für Verbrenner-Autos: Deutschland steht auf der Bremse

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Rund 30 Staaten wollen ein Enddatum für Verbrenner-Autos, die Bundesregierung ist sich aber uneins.

Der Verkehr startet nach Corona wieder durch. Das heißt: Der Sektor bleibt weltweit weiterhin der große Nachzügler beim Klimaschutz. Er ist inzwischen für fast ein Viertel des energiebedingten CO2-Ausstoßes weltweit verantwortlich. Durch die Corona-Lockdowns kam es 2020 zwar zu Rückgängen bei den Emissionen auch in diesem Sektor. Aber inzwischen steht die Rückkehr zum alten Wachstumskurs bevor, vor allem in Schwellenländern wie China. Auf dem UN-Klimagipfel wurde nun versucht gegenzusteuern – mit einer Erklärung zu Null-Emissions-Autos („Glasgow Accord on Zero Emissions Vehicles“). Das Autobauerland Deutschland allerdings machte hier nicht mit.

Rund 30 Staaten erklärten sich in dem „Accord“ dazu bereit, ab dem Jahr 2040 nur noch emissionsfreie Autos zuzulassen. Wörtlich heißt es in dem Text: „Gemeinsam werden wir daran arbeiten, dass alle Verkäufe neuer Autos und leichter Nutzfahrzeuge bis zum Jahr 2040 weltweit und in den führenden Märkten bis spätestens 2035 emissionsfrei sind.“ Ähnliche Ziele gaben sich auch Regionen, Städte und Autokonzerne.

Weniger Autofahren wäre wichtig – das sehen auch diese Leute in Glasgow so.

Aus für Verbrenner-Autos: Vier der fünf weltweit größten Autobauer sind nicht dabei

Unterzeichnet haben die Erklärung Industriestaaten wie Kanada, Großbritannien, die Niederlande, die skandinavischen Länder, Österreich, Polen und Israel, außerdem Schwellen- und Entwicklungsländer wie Indien, Mexiko, Kenia, Paraguay, Ruanda und die Türkei.

Nicht dabei sind allerdings wichtige Automärkte wie China und die USA, wobei allerdings der Bundesstaat Kalifornien mitmacht. Hinzu kommen Städte wie Barcelona, Florenz, New York City und São Paulo. Auf die Unterzeichnerstaaten der Erklärung entfallen gut 16 Prozent des weltweiten Automobilmarktes. Rechnet man andere Länder und Regionen hinzu, die ebenfalls Ausstiegstermine für Verbrenner angekündigt haben, darunter die EU, steigt dieser Anteil auf über 30 Prozent.

Auch elf Autokonzerne schlossen sich der Initiative an, darunter Ford, General Motors, Volvo, Mercedes-Benz und der chinesische Hersteller BYD Auto, nicht jedoch vier der fünf weltweit größten Autobauer, nämlich VW, Toyota, Renault-Nissan und Hyundai-Kia. Die Unterzeichnerfirmen erklärten, sie wollten „darauf hinarbeiten, dass in den führenden Märkten bis zum Jahr 2035 oder früher 100 Prozent der neuen Pkw und leichten Nutzfahrzeuge emissionsfrei sind“. Hinzu kommen mehrere Dutzend große Unternehmen, die über eigene Wagenflotten verfügen, darunter Eon, Ikea, Siemens und Unilever.

Deutschland sperrt sich gegen Unterschrift: Scheuer erteilt Vorstoß Absage

Dass Deutschland sich gegen eine Unterschrift sperrte, liegt unter anderem an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der noch geschäftsführend im Amt ist. Er hatte dem Vorstoß in Vorfeld eine Absage erteilt. Sein Argument: Die Erklärung berücksichtige die mögliche Nutzung von synthetischen Kraftstoffen in Verbrennungsmotoren nicht, die man sich offenhalten wolle.

Hier gibt es allerdings einen Dissens in der Bundesregierung. Das SPD-geführte Bundesumweltministerium lehnt den Einsatz der E-Fuels, die mit Ökostrom gewonnen werden, in Pkw nämlich ab: Sie würden auf absehbare Zeit knapp bleiben und sollten vor allem im Flug- und Schiffsverkehr genutzt werden. Man sei sich in der Regierung zwar einig, dass 2035 das Aus für die Neuzulassung von Benzinern und Diesel kommen solle, aber nicht über den Weg dorthin, so das Umweltressort.

Stef Cornelis von der NGO „Transport & Environment“, kommentierte: „Es ist eine große Enttäuschung, dass die Bundesregierung wieder einmal auf die Bremse tritt, wenn es darum geht, die Elektrifizierung im Verkehrssektor zu beschleunigen.“ Viele Autohersteller hätten den Übergang eingeleitet, aber die Bundesregierung habe die Botschaft immer noch nicht verstanden. Deutschland müsse in Europa „mit gutem Beispiel vorangehen“. (Joachim Wille)

Rubriklistenbild: © dpa

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