Botswana

Elefantenwahl in Botswana

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Vor der Parlamentswahl in Botswana bringen Rüsseltiere die Regierungspartei in Bedrängnis.

Selbst in Afrika werden Wahlen gewöhnlich von Wählern entschieden – und nicht von Elefanten. Das südafrikanische Naturparadies Botswana könnte jedoch eine Ausnahme machen, wenn heute 925 000 Wahlberechtigte zu einer historischen Abstimmung aufgerufen sind: Zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit des Landes vor 53 Jahren droht die regierende Botswanische Demokratische Partei (BDP) die Macht zu verliehen – und zwar ausgerechnet wegen der vierbeinigen Rüsseltiere, deren Zahl in Botswana auf 140 000 Exemplare geschätzt wird.

Die beispiellose Jumbo-Dichte wurde zu einem der heißesten Themen im Wahlkampf, weil Präsident Mokgweetsi Masisi ein Verbot der Elefantenjagd aufhob, das sein Vorgänger Ian Khama vor vier Jahren erlassen hatte. Die klugen Rüsseltiere wussten ihre Schonzeit offenbar zu schätzen: Tausende von Elefanten sollen in den vergangenen Jahren aus den Nachbarländern nach Botswana gepilgert sein, wo sie sich in Sicherheit wähnen konnten. Die Bevölkerung des lediglich 2,2 Millionen Einwohner zählenden Staats war von dem Elefantenboom nicht unbedingt begeistert: Berichte häuften sich über Felder, die von den Dickhäutern verwüstet, Menschen, die verletzt wurden.

Bei der Aufhebung des Jagdverbots wusste Präsident Masisi eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich – doch womit er nicht gerechnet hatte, war der Zorn seines Vorgängers Ian Khama, Sohn des botswanischen Gründungspräsidenten Seretse Khama. Der in Großbritannien zum Offizier ausgebildete Naturfreund war über die Entscheidung seines Nachfolgers dermaßen erbost, dass er die ewig regierende BDP verließ und eine ganz neue Partei, die Botswanische Patriotische Front (BPF), gründete. Sie rief kurz vor der Wahl zur Unterstützung des oppositionellen Bündnisses „Schirm für Demokratischen Wandel“ (UDC) auf: Mit derart prominenter Rückendeckung könnte der Opposition tatsächlich der Coup gelingen.

Diamantenabsatz schwächelt

Derart unberechenbare und leidenschaftliche Wahlkämpfe ist das afrikanische Musterländle nicht gewohnt. Botswana gilt als einer der wenigen stabilen Horte des Kontinents – weder von Bürgerkriegen noch von Revolutionen oder Militärcoups gebeutelt. Allerdings zeichnet sich inzwischen die Erosion zumindest eines Pfeilers der Stabilität ab: Der relative Wohlstand wegen dessen Diamantenreichtums. Botswana gilt als der Welt größter Produzent der edlen Steine; das jährliche Durchschnittseinkommen liegt daher bei über 8000 US-Dollar, acht Mal höher als beim östlichen Nachbarn Simbabwe, fünf Mal höher als im nördlichen Sambia.

Nun aber geht die Nachfrage wegen der Konkurrenz durch die wesentlich preiswerteren künstlich hergestellten Steine ständig zurück – allein im zweiten Quartal dieses Jahres brach der Absatz um 16 Prozent ein. Seit Jahren bemüht sich die Regierung darum, die Diamanten-Abhängigkeit der Volkswirtschaft vor allem durch Tourismus und finanzielle Dienstleistungen zu ersetzen. Doch der Erfolg lässt zu wünschen übrig: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 30 Prozent, das Wirtschaftswachstum gerät ins Stocken.

Das wusste die Opposition im Wahlkampf zu nutzen: Sie warf der BDP Korruption und Verknöcherung vor, das Land brauche dringend neuen Wind. Das Bündnis versprach, 100 000 neue Jobs zu schaffen und das Mindesteinkommen zu verdreifachen – populistische Versprechen, die nach Auffassung von Analysten eher Schaden anrichten.

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