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USA und China

Eisige Stimmung in Alaska: Zwischen China und den USA fliegen die rhetorischen Fäuste

  • VonFabian Kretschmer
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Das erste Treffen zwischen Regierungsvertretern Pekings und Washingtons gerät zum offenen Schlagabtausch.

  • Vertreter der US-Regierung um Joe Biden treffen sich in Alaska mit einer Delegation aus China.
  • China fühlt sich „herablassend im Ton“ behandelt. Die USA sprechen von „Effekthascherei“.
  • Biden News: Alle Neuigkeiten zum 46. US-Präsidenten finden Sie auf der FR-Themenseite.

Anchorage – Beide Seiten haben nicht lange gefackelt. Als Außenminister Anthony Blinken und sein Konterpart Wang Yi im tristen Konferenzzimmer in Anchorage Platz nahmen, ging es laut Protokoll nur um eine einleitende Stellungnahme für die Journalist:innen.

Doch stattdessen flogen knapp eine Stunde lang die rhetorischen Fäuste: Washingtons Außenminister klapperte von Menschenrechtsverbrechen in Xinjiang bis hin zu Hongkong die gesamte Liste an Vorwürfen ab, die China stets als „Einmischung in innere Angelegenheiten“ wertet. Politbüro-Mitglied Yang Jiechi – neben Außenminister Wang ebenfalls Delegationsmitglied – konterte prompt: Er wies die USA auf eigene Menschenrechtsverletzungen hin und sprach ihnen die globale Führungsrolle ab.

Treffen zwischen China und USA: In Alaska fliegen die rhetorischen Fäuste

Die Wut der Chinesen war trotz Gesichtsmasken deutlich zu spüren, und sie kam nicht überraschend. Sie wurzelt nicht zuletzt in den ersten Sanktionen, die US-Präsident Joe Biden wenige Stunden vor dem Alaska-Treffen verhängt hatte. Insgesamt 24 Regierungsvertreter Pekings sollen demnach aufgrund ihrer Hongkong-Politik vom internationalen Finanzverkehr abgeschnitten werden. Dabei muss allen Beteiligten klar gewesen sein, dass Chinas Staatsführung einen solchen Gesichtsverlust nicht auf sich beruhen lassen werde.

Das chinesische Politbüro-Mitglied Yang Jiechi beim Treffen mit Regierungsvertretern aus den USA in Alaska.

Dennoch schienen die US-Regierungsvertreter ob des offenen Visiers ziemlich überrascht. Sie hatten beim ersten Kennenlernen mehr Zurückhaltung erwartet. Selbst unter Präsident Donald Trump ging es bei den ersten Gespräche mit Peking noch vergleichsweise zivilisiert zu. Doch die Zeiten chinesischer Zurückhaltung sind längst vorbei. Vor laufenden Fernsehkameras wurde die Weltöffentlichkeit in Anchorage schließlich Zeuge, wie sich ein neues, globales Machtgefüge festigt. Die Maxime des Wirtschaftsreformers Deng Xiaoping, wonach China seine „Stärken verstecken und auf den richtigen Augenblick warten“ soll, hat keinerlei Gültigkeit mehr.

Vor Treffen zwischen USA und China in Alaska: Joe Biden verhängt erste Sanktionen

Die Volksrepublik sieht sich längst als aufstrebende Weltmacht, die mit den USA auf Augenhöhe debattiert. Sie kontert nicht nur, sondern teilt auch eigenständig aus – auf diplomatischer Ebene und auch über seine orchestrierten Propagandamedien. Diese stellten in den letzten Tagen bereits deutlich klar, dass es beim Treffen in Alaska nicht um einen Neustart der diplomatischen Beziehungen gehen werde. „Wenn die USA entschlossen sind, sich auf eine Konfrontation einzulassen, dann wird China bis zum Ende kämpfen“, heißt es in der nationalistischen „Global Times“.

Dass zumindest geredet wird, ist dennoch ein gutes Zeichen. Konfliktstoff gibt es schließlich reichlich: Wirtschaftlich stehen Strafzölle auf der Agenda, Vorwürfe der Industriespionage, vermeintlich unfaire Handelspraktiken. Politisch geht es um die Zukunft Hongkongs und Taiwans sowie Pekings territoriale Machtansprüche im Südchinesischen Meer. Doch mit Kompromisslösungen ist derzeit nicht zu rechnen. Derzeit gibt es wohl nur bei Pandemie-Bekämpfung und Klimakrise gemeinsame Interessen, die Zusammenarbeit möglich machen.

USA und China nach Treffen in Alaska enttäuscht

Nach dem ersten Gesprächstag in Anchorage fiel das Resumee beider Seiten denn auch enttäuschend aus. „Effekthascherei“ warf Washington den Chinesen vor. Diese hingegen fühlten sich „herablassend im Ton“ behandelt. Die Schärfe im Ton ist dabei nicht nur ans Gegenüber gerichtet, sondern auch ans eigene Publikum: Sowohl in den USA als auch in China wird das Alaska-Treffen die Fernseh- und Zeitungsnachrichten dominieren – und nationalistische Gefühle höher schlagen lassen. (Fabian Kretschmer)

Rubriklistenbild: © FREDERIC J. BROWN/AFP

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