Eirini Spirelli
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Eirini Spirelli

Lesbos

Eirini Spirelli, 28

  • vonPhilipp Hedemann
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„Man kann Menschen nicht jahrelang in einem überfüllten Lager einsperren.“

„Ich bin Koordinatorin von SOS-Kinderdörfer weltweit im Flüchtlingslager Kara Tepe auf Lesbos. Es befindet sich nur wenige Minuten von Moria entfernt. Alle Bewohner von Kara Tepe wurden vor dem Feuer aus Moria umgesiedelt. Sie haben dort noch Freunde und Verwandte. Als das Feuer ausbrach, haben sich viele Menschen, die in den Flammen alles verloren haben, auf den Weg nach Kara Tepe gemacht. Aber die Polizei hat sie teilweise mit Tränengas aufgehalten. Wir versorgen die Menschen, die jetzt auf der Straße gestrandet sind, unter anderem mit Windeln für die Babys und Hygieneartikeln.

In Kara Tepe unterstützt SOS Kinderdörfer Kinder und Jugendliche im Bildungsbereich und bietet Familien psychosoziale Unterstützung an. Fast alle Kinder in den Flüchtlingslagern sind durch das, was sie in ihren Heimatländern, auf der Flucht und in den Lagern erlebt haben, traumatisiert. Durch das verheerende Feuer werden die Angstzustände noch verstärkt. Ich komme von Lesbos. Für mich und meine einheimischen Helfer wird die Arbeit immer schwieriger und gefährlicher.

Nach anfänglicher Hilfsbereitschaft wollen viele Bewohner die Flüchtlinge nicht mehr auf ihrer Insel haben. Auch Mitarbeiter von Hilfsorganisationen werden deshalb angegriffen und beleidigt. Wir sind vorsichtig, aber setzen unsere Arbeit fort. Die Geflüchteten brauchen uns gerade jetzt besonders. Ich hoffe, dass das schlimme Feuer endlich zu einem Umdenken in der europäischen Asylpolitik führt. Man kann Menschen nicht jahrelang ohne Perspektive in einem überfüllten Lager auf einer kleinen Insel einsperren.“

Aufgezeichnet von Philipp Hedemann.

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