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Hunger? Gibt es nicht in Brasilien, behauptet der rechtsradikale Präsident

Brasilien

Einmischung verbeten

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Bolsonaro stellt sich erstmals seit seinem Amtsantritt der internationalen Presse.

Wenn man Jair Bolsonaro Glauben schenken würde, dann wäre Brasilien ein Land, das fast keine Probleme hätte. Hunger? Gibt es nicht in Brasilien, behauptet der rechtsradikale Präsident gegenüber der internationalen Presse. Amazonas-Abholzung? Alles eine Erfindung und Übertreibung! Und die Ureinwohner? „Die wollen alle produzieren und arbeiten, und die Welt will sie wie prähistorische Wesen halten“.

Nach mehr als sechs Monaten im Amt lud Bolsonaro Ende vergangener Woche zum ersten Mal ausgesuchte internationale Medien in die Hauptstadt Brasilia zum Frühstück ein. Er wolle das „vergiftete Bild“ zurechtrücken, das über ihn im Ausland verbreitet würde, erklärte er und machte für die angeblich falsche Wahrnehmung die brasilianische Presse verantwortlich.

Und es zeigte sich, dass der Staatschef ein sehr eigenes Bild zeichnet. „Zu sagen, es gebe Hunger in Brasilien, ist eine große Lüge“, behauptete Bolsonaro und widersprach damit allen internationalen Studien. 2017 schon zählte die Welternährungsorganisation FAO 5,2 Millionen Brasilianer, die nicht genügend zu essen haben. Und nach den Worten des Präsidenten der brasilianischen Abgeordnetenkammer, Rodrigo Maia, haben sich „Armut und Ungleichheit“ seither deutlich verschärft.

Beim Thema Umweltschutz und Amazonas-Abholzung verbat sich der Präsident einmal mehr die Einmischung der Welt. „Der Amazonas gehört uns, nicht euch.“ Seine Regierung versuche, wirtschaftlichen Fortschritt und Regenwaldschutz in Einklang zu bringen. „Wir kooperieren mit allen Staaten, die die Biodiversität des Amazonas wirtschaftlich nutzen wollen.“ Aber es gebe nun mal „absurde Umweltnormen“, die verhinderten, Umweltschutz und Entwicklung in Einklang zu bringen. Bolsonaro behauptete zudem, die Daten über die Abholzung seien falsch, und er warf dem eigenen „Nationalen Institut für Weltraumforschung“ (Inpe) vor, im Interesse internationaler Nicht-Regierungsorganisationen falsche Angaben über den Stand der Vernichtung des Regenwaldes zu machen.

Am Donnerstag hatte das Inpe Daten veröffentlicht, wonach alleine in der ersten Hälfte des Monats Juli mehr als 1000 Quadratkilometer Amazonas-Regenwald gerodet wurden. Das wären 68 Prozent mehr als im ganzen Monat Juli 2018. „Diese Daten haben nichts mit der Wirklichkeit zu tun“, behauptete der Präsident, ohne dafür Beweise vorzulegen.

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