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Die Delegationen der USA und Iran um die beiden Außenminister Kerry und Zarif am Verhandlungstisch in Lausanne.

Konflikt um iranisches Atomprogramm

Einigung im Atom-Streit in Sicht

Die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm stehen offenbar kurz vor dem Durchbruch: "Wir waren noch nie so nah an einem Abkommen", sagt die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Hauptstreitpunkt bleiben die Wirtschaftssanktionen.

Eine Lösung des zwölfjährigen Atomkonflikts mit dem Iran rückt näher, allerdings sind noch wichtige Punkte strittig. Während viele technische Aspekte geregelt seien, hake es noch bei den politischen Aspekten wie der Dauer eines Vertrages und der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Teheran, berichteten übereinstimmend westliche und iranische Kreise am Sonntag im schweizerischen Lausanne.

Nach den Worten von Außenminister Frank-Walter Steinmeier ist das "Endspiel" bei den Verhandlungen erreicht. "Wir waren noch nie so nah an einem Abkommen, aber es müssen noch entscheidende Punkte gelöst werden", sagte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini.

Steinmeier und sein französischer Amtskollege Laurent Fabius sagten am Sonntag wegen der Atomverhandlungen einen gemeinsamen Besuch in Kasachstan kurzfristig ab. Auch US-Außenminister John Kerry bleibt entgegen bisheriger Pläne weiter am Verhandlungsort.

Die Außenminister aus den USA, Russland, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland wollen mit dem Iran bis zur selbst gesetzten Frist am 31. März ein Rahmenabkommen aushandeln, um darauf aufbauend bis Juni den Atomstreit beizulegen. Es geht um die Gewissheit, dass Teheran keine Atombombe baut. Der Iran will, dass der Westen seine lähmenden Wirtschaftssanktionen aufhebt.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu warnte erneut eindringlich vor einem Atomabkommen mit dem Iran. "Diese sich abzeichnende Einigung bestätigt alle unsere Befürchtungen - und noch darüber hinaus", sagte Netanjahu am Sonntag bei einer Kabinettssitzung in Jerusalem. Auch arabische Verbündete der USA wie Saudi-Arabien sehen eine Einigung im Atomstreit kritisch.

Zankapfel Sanktionen

Aktuelle Streitpunkte in den Gesprächen sind Tempo und Umfang, wie der Westen seine Sanktionen aufhebt. Der Iran wünscht ein rasches Ende der Strafmaßnahmen. Dagegen stellte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, am Freitag klar: "Der Präsident (Barack Obama) glaubt, dass es nicht klug wäre, am ersten Tag der Vereinbarung mit dem Iran alle Sanktionen, die solange in Kraft waren, aufzuheben."

Bei der Frage der Kapazität zur Urananreicherung hat der Iran Beweglichkeit signalisiert. Nach Angaben von Quellen aus Teheran könnte der Iran die Zahl der Zentrifugen, die das Uran anreichern, von aktuell rund 10 000 auf etwa 6000 Zentrifugen eines modernen Typs verringern. Moderne Zentrifugen können allerdings Uran sehr viel effektiver anreichern und bereiten westlichen Unterhändlern daher Kopfzerbrechen. Sehr hoch angereichertes Uran kann zur Herstellung von Atomwaffen genutzt werden.

Steinmeier nannte den Ausgang der Verhandlungen am Samstag ungewiss. "Selbst dann, wenn man das Gipfelkreuz schon vor Augen hat, dann sind die letzten Meter die schwersten, aber eben auch die entscheidenden."
Eine Einigung wäre ein historischer Schritt in den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran, die 35 Jahre lang zutiefst verfeindet waren.

Irans Präsident Hassan Ruhani strebt nach einer Einigung im Atomstreit wieder bessere Beziehungen mit Deutschland an. Das sagte Ruhani in einem Telefonkontakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstagabend. Der Atomstreit habe zuletzt die Beziehungen der beiden Länder beeinträchtigt. (dpa)

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