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Künstlerin Katharina Grosse ist bekannt für großflächiges, buntes Krickelkrackel.
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Künstlerin Katharina Grosse ist bekannt für großflächiges, buntes Krickelkrackel.

Kunst

Einfach unvergleichlich

  • Sandra Danicke
    VonSandra Danicke
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Gibt es typisch weibliche bildende Kunst? Sandra Danicke hat nachgeforscht.

Im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen sind Künstlerinnen nicht sonderlich gefragt. Unter den 30 erfolgreichsten zeitgenössischen Künstlern befinden sich gerade mal drei Frauen. Die zehn teuersten Gemälde stammen von Männern. Ist Kunst von Frauen also weniger gut? Ist sie überhaupt anders, weiblicher? Und was wäre weiblicher? Sinnlicher vielleicht. Pipilotti Rist fällt einem da ein. Seit 30 Jahren erforscht die Schweizer Filmkünstlerin den weiblichen Körper. Sie lässt ihre Kamera über glitschige und haarige Oberflächen gleiten, filmt im Inneren des Verdauungstraktes oder versucht abzubilden, was sich beim Sex hinter den Augenlidern abspielt. Sinnlich, keine Frage. Aber eben auch nicht sinnlicher als Paul McCarthy.

In den abgründigen Filmen und Installationen des Amerikaners geraten grotesk kostümierte Protagonisten – meist unter intensivem Einsatz schmierfähiger Lebensmittel – außer Rand und Band, oft ist es McCarthy selbst, der sich im Namen der Kunst auch schon mal mit Ketchup beschmiert oder sich eine Barbiepuppe in den Po geschoben hat.

Versuchen wir es mit einer anderen „weiblichen“ Eigenschaft: dem sich Ausliefern, Ausharren, Aushalten. Marina Abramovic hat sich für die Performance „Rhythm 0“ sechs Stunden lang einem Galeriepublikum ausgeliefert. Die Beteiligten durften mit ihr tun, was sie wollten. Tatsächlich geriet die Situation außer Kontrolle, wurde sogar lebensbedrohlich. Krass. Aber nicht im Vergleich zu Tehching Hsieh. Ein Jahr lang wohnte der Taiwanese in einem Käfig. Ein anderes Jahr betätigte er zu jeder vollen Stunde eine Stechuhr und dokumentierte den Vorgang mit Fotos. Versuchen wir es mit Handarbeiten. Rosemarie Trockel wurde mit Strickbildern berühmt, die Textilien stammten aber aus einer Strickmaschine.

Vielleicht noch stärker und schonungsloser

Mike Kelley strickte selbst. Und er integrierte sogar Plüschtiere in seinen Werken. Wieder nichts. Vielleicht funktioniert es ja andersherum. Womöglich haben nur Männer Alleinstellungsmerkmale. Wie wäre es mit Nüchternheit? Ach nein, die nüchternsten Werke stammen von Hanne Darboven, die schier endlose Zahlenkolonnen per Hand verfertigte. Wie wäre es mit Dreistigkeit? Jeff Koons und so? Auch Quatsch, es gibt ja Katharina Grosse, die mit der Spritzpistole gigantische Flächen mit buntem Krickelkrackel besprüht.

Fakt ist: In der bildenden Kunst tun Frauen das, was Männer tun, mal besser mal schlechter. Sie sind radikal bis zur Schmerzgrenze, gehen in Kriegsgebiete, zeigen sich, ihr Privatleben, ihre Alpträume. Vielleicht sind sie darin sogar noch stärker, schonungsloser – man denke an Sophie Calle, die sich von einem Detektiv bespitzeln ließ, Nan Goldin, die sich mit blau geschlagenem Auge ablichtete, Tracey Emin, die ihr verwahrlostes Lotterbett ausstellte, oder Andrea Fraser, die ein Video drehte, in dem sie mit einem Sammler schläft, um das Werk anschließend zu verkaufen.

Das Einzige, was ihnen möglicherweise fehlt, ist der Größenwahn vieler männlicher Kollegen. Im besten Fall aber ist jede(r) Künstler(in) jemand, der/die ein individuelles Werk schafft, dass sich einfach mit gar nichts vergleichen lässt.

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