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Boris Beresowski wurde 67 Jahre alt.
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Boris Beresowski wurde 67 Jahre alt.

Boris Beresowski

Tod eines abtrünnigen Oligarchen

  • Barbara Klimke
    VonBarbara Klimke
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Einer der mächtigsten Feinde von Kreml-Chef Putin ist tot: der Oligarch und einstige Multimilliardär Boris Beresowski. Schnell wurden Spekulationen laut: Freitod, Krankheit - oder Mord? Die Polizei hält ein Verbrechen für unwahrscheinlich.

Einer der mächtigsten Feinde von Kreml-Chef Putin ist tot: der Oligarch und einstige Multimilliardär Boris Beresowski. Schnell wurden Spekulationen laut: Freitod, Krankheit - oder Mord? Die Polizei hält ein Verbrechen für unwahrscheinlich.

Es war Sonntagmittag, fast 24 Stunden nach dem Tod von Boris Beresowski, als die Experten für radioaktive Verseuchung und chemische sowie biologische Substanzen sein Anwesen bei Ascot, westlich von London, verließen. Bei ersten Untersuchungen haben Sicherheitsbeamte laut Einsatzleitung „keinen Grund zur Besorgnis“ auf seinem Grundstück gefunden. Die weitläufigen Straßensperren wurden abgeräumt. Doch die Ermittlungen zum plötzlichen Ableben des Oligarchen, der im Exil zum mächtigen Gegner der Kreml-Politik wurde, dauern weiter an. Die Polizei betrachtet die Todesursache des Putin-Feindes als ungeklärt.

Ein Leibwächter fand den leblosen Boris Beresowski am Samstag in seinem Haus in der Grafschaft Berkshire im Badezimmer. Leibwächter hatten den 67-jährigen russischen Geschäftsmann in England auf Schritt und Tritt begleitet. „Vorsicht erhält mich am Leben“, sagte er einst in einem Interview. „Es gibt eine Menge Leute, die mich tot sehen wollen.“

Milliardär in Geldnöten

Ob sich der Multimilliardär, der zuletzt angeblich in Geldnöten steckte, selbst das Leben nahm, wie britische Medien am Sonntag vermuteten, ob er einen Herzinfarkt erlitt oder tatsächlich einem Anschlag zum Opfer fiel, bleibt vorerst Spekulation. Die britische Kriminalpolizei teilte mit, dass sie umfassend ermittele. Auch am Sonntagnachmittag war die Leiche noch nicht aus dem Haus gebracht.

Was mit einiger Sicherheit festgehalten werden kann, ist, dass Beresowski keinen Mangel an mächtigen Feinden hatte. Während der Jelzin-Ära, als große Teile der russischen Wirtschaft privatisiert wurden, erlangte er märchenhaften Reichtum: Das Magazin Forbes taxierte das Vermögen des früheren Mathematikprofessors und Computerexperten, der einst 500 Rubel im Monat verdient hatte, 1997 in der Liste der Superreichen auf drei Milliarden US-Dollar.

Beresowski galt als Steigbügelhalter Wladimir Putins, mit dem er sich später überwarf. Im Jahre 2000 ging er ins selbstgewählte Exil. Drei Jahre später gewährte ihm Großbritannien Exil und fortan unterstützte er die russische Opposition tatkräftig von England aus. Er war ein enger Vertrauter des Ex-Spions Alexander Litwinenko, der 2006 in London radioaktiv vergiftet wurde. In Abwesenheit wurde dem abtrünnigen Oligarchen Beresowski in Moskau wegen angeblicher Geldwäsche und wegen Betrugs der Prozess gemacht.

Kritiker hielten ihm vor, dass er die Feindschaft mit Putin bis zur Besessenheit steigerte. In letzter Zeit gab es allerdings Hinweise darauf, dass der Oligarch unter massiven Geldproblemen litt. Die Scheidung von seiner Frau Galina kostete ihn 2011 laut Medienberichten ein Rekordvermögen. Kurz darauf, im August 2012, verlor er den teuersten zivilen Rechtsstreit in der englischen Geschichte in einer Milliardenklage gegen seinen früheren Geschäftspartner und Protegé, den FC-Chelsea-Besitzer Roman Abramowitsch.

„Absichtlich unehrlich“

Beresowski hatte Abramowitsch beschuldigt, ihn unter anderem um seine Gewinne am Erdölkonzern Sibneft gebracht zu haben, weil er seine Anteile voreilig für einen Bruchteil ihres Werts verkaufte. Am Ende hatte Beresowski die Anwalts- und Prozesskosten zu tragen, die sich auf laut BBC-Berichten auf rund 117 Millionen Euro beliefen. Persönlich schwer traf ihn das charakterliche Urteil der Richterin, die ihn „absichtlich unehrlich“ nannte und mit diesem Verdikt angeblich seinen Glauben ans britische Rechtssystem zerstörte.

Laut Sunday Times hat sich Beresowski zuletzt wegen Depressionen behandeln lassen. Dem Magazin Forbes, das offenbar das letzte Interview mit ihm führte, soll er anvertraut haben, dass er eine Rückkehr nach Russland wünschte; laut einem Kreml-Sprecher hat er sogar ein entsprechendes Schreiben an Putin geschickt. Beresowskis Bekannte äußerten gestern ihren Unglauben über einen derartigen Wunsch des wortgewaltigen Kreml-Kritikers.

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