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FBI

In einer Welt voller Feinde

Das FBI wird 100 Jahre alt - lange war die US-Bundespolizei ein Hort der Paranoia. Wir erinnern an fünf große Fälle. Von Christoph Albrecht-Heider

Von CHRISTOPH ALBRECHT-HEIDER

Special Agent Jerry Cotton ist der bekannteste FBI-Ermittler hier zu Lande. Die Heftchen-Serie mit der in Deutschland ausgeheckten Hauptfigur läuft seit 1954 und ist damit gut halb so alt wie das Federal Bureau of Investigation selbst. Am 26. Juli 1908 wurde die Bundespolizei der Vereinigten Staaten als Abteilung des Justizministeriums gegründet, trug zunächst den Namen Bureau of Investigation (BOI) und firmiert seit 1935 als FBI. Ähnlich wie Scotland Yard wurde auch das FBI legendär, weil es als Rollenlieferant für Filme und Romane in vielen Ländern diente.

Das Bild des wirklichen FBI in der Öffentlichkeit hingegen hat niemand so geprägt - und zwar zu seinem Nachteil - wie J.Edgar Hoover, ein paranoider Linkenhasser. Von 1924 bis zu seinem Ableben 1972 saß der Puritaner und politische Rechtsaußen aus Washington D.C. knapp die Hälfte des ersten FBI-Jahrhunderts der Behörde vor.

Er befehligte zunächst Feldzüge gegen Prostitution und Alkoholschmuggel, gegen die zu "public enemies", zu Feinden der Gesellschaft erklärten Gangster der 30er Jahre wie Al Capone, John Dillinger, Dutch Schultz oder "Baby Face" Nelson. Nach dem Zweiten Weltkrieg jagte Hoover alles, was ihm als liberal erschien - Hand in Hand mit dem berüchtigten Joseph McCarthy. Hoover ersann das "Operation Counter Intelligence Program", mit dem das FBI zwischen 1956 und 1971 auch die schwarzen Bürgerrechtler diskreditierte und bekämpfte. Hoover ließ selbst Martin Luther King abhören. Seine persönliche Macht verteidigte er, indem er Dossiers über Hauptstadtpolitiker anlegen ließ, um diese einzuschüchtern - zum Beispiel Robert Kennedy, der den Paranoiker im FBI-Chefsessel loswerden wollte.

Kurz nach Hoovers Tod war die Akzeptanz des FBI in der US-Bevölkerung am Boden. Immerhin - das kam inzwischen heraus - war "Deep Throat", die entscheidende anonyme Quelle für die Enthüllung des Watergate-Skandals, eine FBI-Größe.

Spätestens seit den Anschlägen vom 11. September 2001 widmet sich die Bundespolizei vornehmlich der Terrorismusabwehr, aber auch der Wirtschaftskriminalität in angesehenen Kreisen. In seinen 510 in- und ausländischen Büros beschäftigt das FBI heute 31000 Menschen - darunter 13000 Special Agents wie Jerry Cotton.

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