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Trump – die Groteske: Der „Naked Cowboy“ tritt im Foyer des Trump Tower auf.

Trump-Team

Wie auf einer Showtreppe

Im Trump Tower nimmt der künftige Präsident eine Parade potenzieller Kandidaten für Ämter ab.

Die Situation ist bizarr. Wer wissen will, wie Donald Trump die USA gestalten will, schaut sich ein zweieinhalb Minuten langes Video an. Der künftige Präsident hat seit Monaten keine echte Pressekonferenz gegeben, in denen er sich Fragen von Reportern stellt. Von den wenigen Ernannten seines Kabinetts ist bis auf dürre Statements, dass sie angebotene Posten wollen, nichts zu hören.

Am Montag traf Trump Spitzenvertreter aller großen Sender – hinter verschlossenen Türen. Die einen sagen, es war eine Katastrophe, die anderen sprechen von Fortschritten. Am Dienstag wollte er die „New York Times“ vorlassen und ließ das Treffen dann platzen. Nach seiner Darstellung hätte die Zeitung die Bedingungen für das Gespräch in letzter Minuten geändert. Das wollte er nicht hinnehmen. Kurze Zeit später meldet Trump, dass es nun doch zustande kommen soll: „Ich freue mich drauf!“

Im Trump Tower geht es derweil zu wie in einem goldenen Bienenstock. Hier nimmt der Hausherr eine Parade potenzieller Kandidaten für wichtige Ämter ab.

Nebelkerzen per Twitter

Es geht zu wie auf einer Showtreppe. Da wird Gouverneur Chris Christie auf die Schulter geklopft, Ex-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney über den grünen Klee gelobt, Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani als Topkandidat hochgehalten, zuletzt als Amerikas oberster Geheimdienstler, und auch Ex-Gouverneur Rick Perry darf sich kurz im Scheinwerferlicht sonnen. Trump lächelt, deutet mit dem Finger, reckt den Daumen, Aspiranten strahlen.

Man kann auch einen Livestream aus seinem Tower verfolgen. Menschen kommen, Menschen gehen. Das goldene, spektakuläre Nichts. Den ganzen Tag. Die Inszenierung lässt viel Raum für Spekulationen, die auf Aussagen Einzelner aus Trumps Umfeld aufgebaut werden. Daran ändert auch das Video nicht viel. Zu Wichtigem sagt Trump nichts.

Will er Waterboarding als Foltermethode wieder zulassen? Zweifelt er an Gasangriffen des syrischen Regimes auf die eigene Bevölkerung? Das sind gravierende Fragen, zu denen man gerne mehr wüsste.

Auf Twitter bleibt Trump offenkundig auch als künftiger Präsident seinem Verhalten als Wahlkämpfer treu. Als die kritische Berichterstattung über den teuren Vergleich in Sachen Trump University groß und größer wird, zündet er per Twitter eine klassische Nebelkerze. Ein Teil der US-Öffentlichkeit in den sozialen Medien folgt ihm willig. Messbar. Die Quoten für das kritische Thema Trump University gehen nach Trumps Intervention in den Keller.

Auch über seine Treffen mit Kandidaten twittert Trump, sozusagen parallel zum Fernsehen. Sicherheitshalber. „Wenn Trump etwas im Privaten tut, was nicht in irgendeiner Weise öffentlich wird“, schreibt die „Washington Post“, „dann existiert es für ihn nicht.“ (dpa/FR)

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