HINTERGRUND

In einem Übergang

Angesichts des baldigen Todes von Yassir Arafat haben die israelische Regierung und die Palästinenserführung am Mittwoch Bereitschaft zum Kompromiss gezeigt.

Von GEMMA PÖRZGEN (TEL AVIV)

Angesichts des baldigen Todes von Yassir Arafat haben die israelische Regierung und die Palästinenserführung am Mittwoch Bereitschaft zum Kompromiss gezeigt. So stimmte das israelische Sicherheitskabinett dem palästinensischen Begehr zu, Arafat in seinem bisherigen Amtssitz in Ramallah beizusetzen. Israelische Medien zitierten Premier Ariel Scharon mit den Worten, nun könne eine "neue Ära" anbrechen. "Wir haben nicht den Wunsch, die Palästinenser auf der Straße, die arabische Welt oder den Rest der Welt zu provozieren", sagte Israels Innenminister Avraham Poraz: "Wenn der Mann stirbt, müssen wir erlauben, um ihn zu trauern. In ihren Augen ist er ein Held."

Solche eher ungewöhnlichen Äußerungen verweisen darauf: Die israelische Führung ist sich darüber im Klaren ist, dass sich die Region in einer Übergangsphase befindet. Scharon wäre eine Beerdigung im Gazastreifen lieber gewesen, aber für die palästinensische Seite war dies unannehmbar. "Die Palästinenser wollen Arafat in der Mukata beerdigen, weil dies ein symbolischer Platz ist, wo der Vorsitzende Arafat von Israel isoliert wurde und von wo aus er den Kampf fortführte", erklärte der Abgeordnete Ahmed Tibi die jetzt gefundene Lösung: "Die Mukata wird eine Gedenkstätte und ein Symbol des Kampfes des palästinensischen Volkes."

Das israelische Sicherheitskabinett beschloss eine Absperrung der Palästinensergebiete und erhöhte die Alarmbereitschaft des Militärs. Palästinensische Sicherheitskräfte seien für den friedlichen Ablauf der Beerdigungszeremonie in ihren Gebieten verantwortlich, hieß es. Am Mittwoch rückten Baufahrzeuge in der "Mukata" an, um auf dem zerstörten Gelände von Arafats Hauptquartier Barrikaden, kaputte Autos und Geröll fortzuschaffen. Seit Israel dem Palästinenserführer im Dezember 2001 einen andauernden Hausarrest verordnete, hatte Arafat in seinem Amtssitz ausgeharrt. Bei einer Großoffensive der israelischen Armee im Frühjahr 2002 wurde das Gelände mit Bürogebäuden zu großen Teilen zerstört. Nun wird der symbolische Charakter der "Mukata" verstärkt, wenn der "Vater der Nation" dort beerdigt und auf dem Gelände wie geplant eine Moschee gebaut wird.

Das Büro von Regierungschef Ahmed Kureia bestätigte, dass Israel versprochen habe, den Anhängern Arafats die Teilnahme an der Beerdigung zu erleichtern. So werde Bewohnern aus Gaza erlaubt, in kugelsicheren Bussen zu reisen. Der palästinensische Verhandlungsminister Saeb Erekat sagte, dass ein erster Teil der Trauerfeierlichkeiten am Flughafen der ägyptischen Hauptstadt Kairo geplant sei. Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak hatte dies angeboten, um die Teilnahme von hohen Gästen aus aller Welt zu ermöglichen. Der Planung nach soll der Leichnam Arafats von Kairo aus über Jordanien nach Ramallah überführt werden. Als mögliches Datum für die Beisetzung in der "Mukata" wurde in der israelischen Presse bereits der kommende Freitag genannt.

Mit dieser Lösung hat die Palästinenserführung ihren eigentlichen Wunsch, den Palästinenserführer an der Al Aksa-Moschee in Jerusalem zu bestatten, keinesfalls aufgegeben. Die "Mukata" gilt vielmehr, wie Politiker in Ramallah deutlich machten, als vorübergehende Ruhestätte.

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