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Die Ausstellung mit den Mohammed-Karikaturen findet unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Arizona

Eine willkommene Schießerei

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US-Rechte provozieren Angriff und Tod von Islamisten auf eine Karikaturen-Ausstellung. Die genauen Hintergründe des Attentats sind noch nicht bekannt. Die Polizei durchsuchte am Montag die Wohnung eines der Tatverdächtigen in Phoenix im Bundesstaat Arizona.

Die Attentäter schlugen kurz nach der Rede des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders zu. Zwei Männer eröffneten am Sonntagabend (Ortszeit) das Feuer vor einem Kulturzentrum in der texanischen Stadt Garland, in dem eine Ausstellung mit Mohammed-Karikaturen aufgebaut war. Doch der Vorfall lief – relativ – glimpflich ab: Der Polizei gelang es, die beiden Angreifer zu erschießen, die rund 200 Besucher blieben unverletzt, ein Wachmann wurde mit einer Schusswunde am Bein ins Krankenhaus eingeliefert.

Die genauen Hintergründe des Attentats sind noch nicht bekannt. Die Polizei durchsuchte am Montag die Wohnung eines der Tatverdächtigen in Phoenix im Bundesstaat Arizona. Auch die Spurensicherung am Tatort dauerte am Morgen noch an. Die Leichen der beiden Männer lagen noch auf dem Asphalt vor dem Veranstaltungsgebäude. In den vergangenen Tagen waren Twitter-Meldungen aufgetaucht, in denen die Karikaturen-Ausstellung scharf verurteilt wurde. In einigen der Botschaften wurde auch zu Gewalt aufgerufen.

Wilders giftet wieder

Organisator der Ausstellung war die Organisation „American Freedom Defense Initiative“, die als extrem rechts und anti-islamisch gilt. Deren Präsidentin Pamela Geller erklärte, der Anschlag auf ihre Ausstellung, bei der 10 000 US-Dollar für die beste Mohammed-Karikatur ausgelobt waren, sei ein Anschlag auf die Meinungsfreiheit gewesen. Die Dschihadisten hätten erst in Paris, dann in Kopenhagen und nun auch in Texas zugeschlagen. Im Januar hatten Terroristen bei einem Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ zwölf Menschen getötet. Einige Wochen später kam bei einem Attentat auf eine Kulturveranstaltung in Kopenhagen, an der der schwedische Mohammed-Karikaturist Lars Vilks teilnahm, ein Mensch ums Leben.

Der niederländische Rechtspopulist Wilders hatte zuvor in einer Rede vor den Ausstellungsbesuchern drastische Kritik am Islam geübt. Wie einer Dokumentation der Ansprache auf Wilders’ Homepage zu entnehmen ist, sagte er: „Unsere jüdisch-christliche Kultur ist der islamischen weit überlegen. Ich könnte Ihnen eine Million Gründe nennen. Aber hier ist ein wichtiger Grund: Wir haben Humor, die nicht.“ Am Montag verbreitete Wilders per Twitter ein Foto, das ihn kurz nach dem Anschlag im Kreise schwer bewaffneter Polizisten zeigt. Die Bildunterschrift lautet: „Gott sei Dank haben die Helden des Swat-Teams das Schlimmste verhindert.“

Die „American Freedom Defense Initiative“ hatte das Kulturzentrum in Garland gezielt als ihren Veranstaltungsort ausgewählt: Nach dem Attentat auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hatte dort eine muslimische Gruppe eine Konferenz veranstaltet. Die von der bekannten Anti-Islamistin Geller geführte Gruppe ist seit Jahren berüchtigt für ihre Provokationen. Zuletzt schaltete Geller eine Anzeigenkampagne, in der Muslime offen verunglimpft wurden. Ihre Kritiker sagen, Geller sei süchtig nach öffentlicher Aufmerksamkeit. „Sie hasst es, ignoriert zu werden“, bemerkt der amerikanisch-islamische Rat.

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