+
Hat bereits eine beachtliche Karriere hinter sich: Annegret Kramp-Karrenbauer.

Annegret Kramp-Karrenbauer

Eine, die weiß und auch sagt, was sie kann

  • schließen

Annegret Kramp-Karrenbauer punktet im Ringen um den Parteivorsitz in der CDU mit Erfahrung und Erfolg.

Es gibt jetzt diese Fotos von ihr: Annegret Kramp-Karrenbauer hält ein Stück Karton mit der Zahl 1 hoch. Drei von vier Mal hat die CDU-Generalsekretärin diese Nummer gezogen auf den Regionalkonferenzen bei der Verlosung der Redner-Reihenfolge. Damit ist der Parteivorsitz nicht gewonnen, aber es kann sein, dass manche Bilder sich eingraben ins Gedächtnis. Auch Waschmittel werden so verkauft.

Zusammenhalten, das ist ihr Thema. Dass der Tag nach dem Parteitag entscheidend sei für die Geschlossenheit der CDU, sagt sie, bietet sich damit als Versöhnerin an und exerziert das auch gleich vor: Als Friedrich Merz eine Debatte um den Fortbestand des Asylrechts anzettelt, distanziert sie sich mit Helmut Kohl als größtmöglichem Kronzeugen und nimmt Merz gleichzeitig in Schutz. Dem bleibt es, sich erleichtert zu bedanken.

Kramp-Karrenbauer setzt auf Nähe und Wir-Gefühl. „Schön, so viele wiederzusehen“, so beginnen ihre Reden meist. Nachdem sie im Februar ihr Amt als Generalsekretärin übernommen hatte, tingelte sie auf einer „Zuhörtour“ durch Kreisverbände, um Ideen für das neue Grundsatzprogramm zu sammeln und vorsorglich auch, um sich bekannt zu machen. Auch die vertrauliche Anrede ist Teil dieser Strategie: Kramp-Karrenbauer duzt die Zuhörer, sie spricht von „einer Debatte, die ihr angestoßen habt“ oder sagt: „Gemeinsam mit euch will ich mich der Aufgabe stellen.“ Selten vergisst sie den Hinweis, die 400.000 Mitglieder seien „der Schatz der Partei“.

Ihre Erfahrung hebt Kramp-Karrenbauer hervor, als Parteifrau, als Wahlkämpferin, in der Regierungsarbeit. 18 Jahre als saarländische Ministerpräsidentin, Bildungs- und Innenministerin, mehrfach Wahlen im Saarland gewonnen. Wenn die Konkurrenten etwas in Aussicht stellen, sagt sie: Habe ich schon gemacht. Islamunterricht an deutschen Schulen statt in Koranschulen zum Beispiel oder die CDU wieder auf 40 Prozent zu bekommen: „Das geht.“
Bei der ostdeutschen Regionalkonferenz platzierte sie den Hinweis, auch ihre Heimat Saarland habe mit Strukturwandel zu kämpfen gehabt und mit dem Gefühl, vom Rest der Republik schief angesehen zu werden.

Aber ist sie nicht eine Kopie von Merkel? Sie habe ihre eigene Karriere gemacht, sagt die 56-Jährige. Weil Nicht-Merkel-Sein in der CDU mit dem Symbolthema Flüchtlingspolitik verbunden wird, grenzt sie sich da ab: mit der Forderung nach Abschiebungen nach Syrien und lebenslangen Einreisesperren für straffällige Asylbewerber. Anders als Merz und Spahn hat sie sich hingegen klar für den Migrationspakt positioniert.

Ihren Großstadtlook mit Leuchtfarben hat Kramp-Karrenbauer abgelegt, ihr Parteivorsitz-Kandidaten-Stil ist deutlich biederer. Größter Nachteil von AKK: Der Vortrag gleitet zuweilen ins Monotone ab. In den Umfragen führt Kramp-Karrenbauer vor ihren beiden Konkurrenten, das kann Unentschlossene auf ihre Seite ziehen. Die Unterstützer sind allerdings deutlich weniger vernehmbar als die von Merz. Für AKK ausgesprochen haben sich nur ihr saarländischer CDU-Landesverband, der allerdings winzig ist, und die Frauenunion – nur jedes vierte CDU-Mitglied ist eine Frau. Der Sozialflügel dürfte sich für sie aussprechen.

Die Konkurrenz hat Kramp-Karrenbauer bereits einsortiert. Merz soll eine Steuerreform erarbeiten, Spahn als Minister weitermachen. Mit der Masche der freundlichen Dominanz war es am Wochenende vorbei: Merz’ Aussage zum Umgang der Partei mit der AfD bezeichnete Kramp-Karrenbauer als „Schlag ins Gesicht der CDU“. Er gegen uns – da war es wieder, das Wir-Gefühl.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion