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Amber Rudd ist seit vergangener Woche Ministerin für Arbeit und Soziales. Sie folgt auf Esther McVey.

Brexit

Eine Verbündete für May

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Die Ministerin hält der Premierministerin die Treue, könnte sie aber auch beerben.

Theresa May hat Amber Rudd bereits zweimal in schwere Bedrängnis gebracht. Als die britische Premierministerin im vergangenen Jahr völlig unnötige Unterhauswahlen vom Zaun brach, musst die damalige Innenministerin bis in die frühen Morgenstunden um den Erhalt ihres Mandats bangen. Am Ende der langen Auszählschlacht von Hastings hielt Rudd ihren Wahlkreis an Englands Südküste mit gerade mal 346 Stimmen Vorsprung.

Vor einem guten halben Jahr dann stolperte Rudd über die Spätfolgen von Mays eigener Amtszeit im Innenministerium. Seit 2010 haben die Konservativen dort nämlich die Politik einer „feindseligen Umgebung“ gegenüber illegalen Immigranten praktiziert. Die Ausländerbehörde zwang Hunderte unbescholtener Menschen mit Wurzeln in den früheren britischen Kolonien, aber Anspruch auf britische Staatsangehörigkeit zur Ausreise, weil sie wegen der typisch britischen Schlamperei keine ordnungsgemäßen Papiere vorweisen konnten. Im Zuge der Aufklärung des sogenannten Windrush-Skandals musste Rudd zurücktreten, weil sie unabsichtlich dem Innenausschuss eine falsche Auskunft erteilt hatte.

Eine Untersuchung des Vorgangs durch eine Spitzenbeamtin ergab: Rudd war von der zuständigen Beamtenschaft falsch informiert worden. Das machte den Weg frei für die Rückkehr der 55-Jährigen ins Kabinett: Seit Freitag amtiert Rudd anstelle der zurückgetretenen EU-Feindin Esther McVey als Ressortchefin für Arbeit und Soziales.

Das große Ministerium gilt als mindestens so schwierig wie das Innenressort, zumal gerade eine gewaltige Reform der Sozialhilfe umgesetzt wird, die Zehntausende von Briten ins Elend zu stoßen droht. Dennoch dürfte Rudd sich in den kommenden Wochen auf eine andere wichtige Aufgabe konzentrieren: nämlich der bedrängten Regierungschefin den Rücken zu stärken gegen die wütenden Angriffe der EU-Feinde in der eigenen Fraktion.

Gleich ihren ersten TV-Auftritt nutzte Rudd zu einem Appell an die Brexit-Ultras: Diese sollten doch „nochmal genau überlegen“, ob ein Misstrauensvotum gegen May in diesen Tagen für Nation und Partei hilfreich wäre. Die studierte Historikerin, frühere Investmentbankerin und Mutter zweier erwachsener Kinder befürwortet den weichen Brexit, den der vorläufige Austrittsvertrag vorsieht – und würde gewiss zu den ernsthaften Nachfolge-Kandidatinnen gehören, für den Fall, dass May wirklich stürzt.

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