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Der Somalier Mohamed Ibrahim, 48, vor seiner Steinigung im Dezember 2009.

Steinigung

Eine Strafmethode für 18 Verbrechen

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Das Urteil Steinigung breitete sich von Palästina aus. Im Koran ist diese Tötungsart nicht vorgesehen. Ein Hintergrund.

"Da Palästina ein sehr felsiges Land ist, legte das reichliche Vorkommen von Steinen es nahe, sie als Wurfgeschosse zu verwenden.“ So leitet die 1912 mit kirchlichem Imprimatur versehene Catholic Encyclopedia die Steinigung historisch ab. Tatsächlich ist diese Tötungsart zuerst in der genannten Weltgegend nachweisbar. Sie hat sich später auf andere Regionen ausgebreitet.

Im Pentateuch (den Fünf Büchern Mose), etwa um 440 vor der Zeitwende, ist die Steinigung als legale Strafmethode für 18 Verbrechen festgelegt, von Gotteslästerung, Mord und Grausamkeit über Götzendienst, Sabbatschändung, Hexerei und Rebellion gegen die Eltern bis zu einer Reihe von Sexualdelikten.

Die Steinigung des Teufels gehört im Islam zu den vorgeschriebenen religiösen Handlungen während der Mekka-Pilgerfahrt: Der Pilger wirft am 10. Tag des Wallfahrts-Monats sieben Steine oder ein Mehrfaches davon auf eine Mauer, die den Teufel symbolisiert, und steinigt damit das Böse schlechthin.

Mohammed soll auf Grundlage des jüdischen Rechts jüdische Ehebrecherinnen zur Steinigung verurteilt haben, im Koran jedoch kommt die Steinigung als Strafe nicht vor. Ein entsprechender Vers soll aus dem Heiligen Buch verschwunden sein, besagt eine Überlieferung (Hadith), die Muhammad al-Buchari niedergeschrieben hat.

Wider islamisches Recht

Buchari, der von 810 bis 870 lebte, gilt als der authentische Sammler solcher Anweisungen, Empfehlungen, Verbote und religiös-moralischer Warnungen, die dem Propheten zugeschrieben werden, im Koran aber nicht enthalten sind. Die Hadithe sind neben dem Koran und der Biografie Mohammeds die Rechtsquelle der Scharia, des islamischen Rechts. Zur Steinigung darf laut Scharia nur nach Ehebruch oder „Sodomie“ verurteilt werden. Vier männliche Zeugen müssen durch in allen Einzelheiten übereinstimmende Aussagen unabhängig voneinander den Nachweis erbringen. Diese Einschränkungen machen theoretisch eine Verurteilung fast unmöglich. Tatsächlich beachten viele Scharia-Gerichte dies nicht, was dem – im Übrigen streng rächenden – Geist der Scharia widerspricht. In Afghanistan, Iran, Saudi-Arabien, Somalia, Sudan und Teilen Nigerias sind in jüngster Zeit Menschen gesteinigt worden – dem islamischen Recht widersprechend und die allgemeingültigen Menschenrechte grob verletzend.

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