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Nachdem auch das Logo noch angebracht worden ist, steht der Eröffnung der Ditib-Zentralmoschee in Köln nichts mehr im Wege.

Erdogan-Besuch

Eine Stadt im Ausnahmezustand

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In Köln eröffnet Präsident Erdogan die Zentralmoschee. Ditib rechnet mit 25.000 Menschen.

Am Tag des Erdogan-Besuchs in Köln gibt es noch viele offene Fragen. Die Polizei hat nach eigenen Angaben selbst keine „gesicherten Details“ zum Staatsbesuch – was die Einsatzplanung erschwert.

Wie sieht das Programm von Recep Tayyip Erdogan in Köln aus?
Gegen 14 Uhr landet er auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn. Gegen 14.15 Uhr begrüßt ihn Ministerpräsident Armin Laschet im Schloss Wahn. Gegen 15 Uhr soll Erdogan in Ehrenfeld eintreffen und die Ditib-Zentralmoschee an der Venloer Straße eröffnen. Gegen 16.45 Uhr soll er zum Flughafen aufbrechen und in die Türkei zurückfliegen. Womöglich macht er irgendwann noch einen Zwischenstopp im Hotel Steigenberger am Rudolfplatz – dort hat die türkische Delegation mehrere Zimmer gebucht.

Was geschieht in der und um die Moschee in Ehrenfeld?
In der Moschee selbst werden 500 geladene Gäste anwesend sein, zu denen der türkische Staatschef vor der Moschee 15 bis 20 Minuten lang sprechen möchte. Anschließend will er sich das Gebäude zeigen lassen. Das Problem: Der türkische Islamverband Ditib hat diese Woche via Facebook offenbar spontan „alle deutschen und türkischen Freunde und Freundinnen“ zur Eröffnungsfeier eingeladen. Wie viele dem Aufruf folgen, ist völlig unklar. Die Ditib selbst rechnet laut Polizei mit 25.000 Menschen. Aus Sicherheitsgründen will die Polizei aber nur 5000 im direkten Bereich um die Moschee zulassen. Die Besucher würden kontrolliert, bevor sie den abgesperrten Bereich rund um die Moschee betreten dürften. Die Übrigen könnten am Inneren Grüngürtel am Fernsehturm Platz finden.

Was planen die Gegner von Erdogans Politik?
Es gibt mehrere Kundgebungen anlässlich des Besuchs von Erdogan in Köln. Ein geplanter Demonstrationszug gegen den Besuch des türkischen Staatspräsidenten bleibt untersagt. Das Verwaltungsgericht Köln lehnte am Freitag den Antrag eines Demonstrationsanmelders auf Eilrechtsschutz ab und bestätigte damit eine Auflage des Polizeipräsidiums Köln, wie eine Sprecherin des Gerichts mitteilte. Die Kundgebung bleibt damit auf das Gelände der Deutzer Werft beschränkt. Die Organisatoren der Kundgebung mit dem Titel „Erdogan not welcome – keine schmutzigen Deals mit der Türkei“ erwarten bis zu 7000 Menschen.

Menschenrechtler haben den Islamverband Ditib aufgefordert, sich zu Menschenrechten und zu demokratischen Werten zu bekennen. „Die Verquickung von Religion und totalitärem Staat muss endlich beendet werden“, sagte der Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker, Kamal Sido, am Freitag in Göttingen. Sie schade der Integration von Muslimen in Deutschland.

Gibt es ein Sicherheitskonzept für die Moschee-Eröffnung?
Ditib hat das geforderte Sicherheitskonzept etwa zu Sanitätern und Fluchtmöglichkeiten mittlerweile eingereicht, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Nun werde geprüft, ob es alle Anforderungen erfüllt. Die abschließende Bewertung stehe noch aus.

Wie flexibel ist die Polizei, sollte Erdogan sich zum Beispiel spontan entscheiden, eine Stadtrundfahrt machen zu wollen?
Der türkische Staatspräsident sei sich bewusst, dass er sich in der höchsten Sicherheitsstufe bewege, sagt Polizeipräsident Uwe Jacob. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er den Dom oder andere Plätze in der Stadt besichtigen will.“

Wie viele Polizisten sind im Einsatz?
Mehr als 3000 aus verschiedenen Bundesländern. Uwe Jacob spricht von einem der größten Einsätze der vergangenen Jahre in Köln. „Wir werden eine Stadt im Ausnahmezustand erleben.“

Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat ihre Teilnahme an der Feier in der Moschee abgesagt. Hat sie ihre Gründe noch weiter ausgeführt?
Im Stadtrat wiederholte sie am Donnerstag, dass sie über den Umgang der Ditib mit Vertretern der Stadtgesellschaft rund um die Eröffnung der Moschee enttäuscht sei. Zwei Tage vorher seien Ablauf und Rolle der Stadt Köln völlig ungeklärt. Reker betonte, die Freiheit der Religion, der Kunst, der Wissenschaft und der Presse sei gelebter Alltag in Köln. „Und das sollte er überall in der Welt sein.“ (mit dpa/epd)

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