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Wartet im Hafen Mukran auf der Insel Rügen: Das russische Schiff „Akademik Tscherski“ soll Nord Stream 2 weiterbauen.

Nord Stream 2

Eine Pipeline als Zankapfel

  • Andreas Niesmann
    vonAndreas Niesmann
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Welche Folgen ein Baustopp von Nord Stream 2 für Deutschland hätte. Wie groß wäre der wirtschaftliche Schaden? Und könnte die Bundesregierung den Weiterbau überhaupt verhindern?

Im Streit zwischen Russland und Deutschland wegen der Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny rückt die im Bau befindliche Gaspipeline Nord Stream 2 in der Ostsee in den Fokus. Transatlantiker und Grüne fordern, das Pipeline-Projekt zu beenden. Auch die Bundesregierung schließt Konsequenzen nicht aus. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was bedeutet ein Baustopp?

Den Baustopp gibt es bereits. Erzwungen hat ihn die US-Regierung. Unter ihrem Druck hatte Anfang des Jahres die schweizerisch-niederländische Allseas-Gruppe ihre Verlegeschiffe abgezogen. Seitdem versucht das Betreiberkonsortium, Ersatzschiffe zu finden. Inzwischen liegen zwei russische Schiffe an der deutschen Küste. Laut Berichten werden sie gerade umgerüstet. Nord Stream kommentiert diese Berichte nicht.

Kann der Bau auch nach einer längeren Pause weitergehen?

Ja. Derzeit liegen die vier Enden der Doppelröhren wasserdicht verschweißt auf dem Meeresgrund. Gut 2300 Kilometer sind bereits fertig, etwa 160 fehlen noch. Das Verschweißen und Ablegen sowie spätere Anheben der Leitungen vom Boden des Meeres ist beim Pipeline-Bau ein Routine-Vorgang. Sobald die Verlegeschiffe einsatzbereit sind, könnte der Bau also weitergehen.

Kann die Bundesregierung den Weiterbau verhindern?

Das Pipeline-Konsortium verfügt über alle notwendigen Baugenehmigungen von vier europäischen Ländern, der EU und Russland. Von den 160 fehlenden Pipeline-Kilometern liegen nur 30 im deutschen Einflussbereich. Rechtlich hat die Bundesregierung also keine Handhabe, den Weiterbau zu verhindern. Allerdings ist allen Beteiligten klar, dass ein Projekt wie Nord Stream 2 politische Rückendeckung braucht. Würde die Bundesregierung dem Projekt ihre Unterstützung entziehen, wäre es zum Scheitern verurteilt. Ziemlich sicher würden die Investoren die Bundesregierung in diesem Fall auf Schadenersatz verklagen.

Wie groß wäre der wirtschaftliche Schaden?

Die Baukosten müssten abgeschrieben werden. Rund acht Milliarden Euro hat das Pipeline-Konsortium bereits investiert. Weitere vier Milliarden Euro sind bereits in die Anschlusspipeline durch Ostdeutschland und Tschechien investiert worden. Bei einer vorzeitigen Beendigung des Projektes würden auch die zur Fertigstellung notwendigen 700 Millionen Euro nicht mehr fließen. Wie groß die Einnahmeausfälle aus dem wegfallenden Gasgeschäft wären, lässt sich nur schwer quantifizieren. Über die prognostizierte Lebensdauer der Pipeline von gut 50 Jahren würden sie aber vermutlich in die Milliarden Euro gehen.

Wie würde sich ein Ende von Nord Stream 2 auf die Gaspreise in Deutschland auswirken?

Die Gaspreise würden steigen. Wie stark genau, ist von vielen Faktoren abhängig, etwa der Nachfrage, der Preisentwicklung am Weltmarkt und der Frage, welche alternativen Lieferländer für Russland einspringen würden. Das Energiewirtschaftliche Institut Uni Köln rechnet in einer von Nord Stream in Auftrag gegebene Studie mit Mehrkosten von 4 Milliarden Euro pro Jahr, wenn das Gas aus der Nord-Stream-2-Pipeline nicht zur Verfügung steht. Die deutsche Industrie warnt bereits vor den wirtschaftlichen Folgen.

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