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Eine Million Soldaten für den Süden

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Von: Peter Rutkowski

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Kiew plant Offensive an Schwarzmeerküste

Es ist der 138. Tag der Invasion; seit nun viereinhalb Monaten ertragen die Menschen in der Ukraine einen ihnen aufgezwungenen Krieg, den sein Verursacher Wladimir Putin als solchen nicht anerkennt, weil er die Existenz der Ukraine schlicht verneint. Für etwas, was nicht existiert, bereitet die Ukraine seit nun 138 Tagen aber ziemliche Probleme.

Moskaus Armeeführung hat zurzeit fast alle Offensivtätigkeit eingestellt, um erschöpfte Fronttruppen auszuwechseln, aufzufrischen und neu zu verteilen. Das bedeutet, dass ukrainische Kräfte an Ost- und Südostfront Geländegewinne erzielen. Es bedeutet auch, dass die russische Luftwaffe und Artillerie ihre Überfälle auf das ukrainische Hinterland intensivieren. Am Montag griffen Kampfbomber Odessa an, auf Kiew fielen Raketen, in Siwersk starben zwei Menschen, in Mykolajiw wurden neun verletzt. In Tschassiw Jar hat man neun Menschen aus einem zerstörten Wohnblock bergen können, 29 Tote sind bestätigt.

Und die Felder brennen. Die wahllosen Artillerieschläge der Russen zwingen die ukrainischen Landbetriebe zu einem Wettlauf mit den Flammen: Es gilt, so viel Getreide zu ernten wie möglich, bevor die Brände herangerücken.

In dieser Lage nun hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj der Streitkräfteführung die Order gegeben, für eine große Offensive zur Befreiung der Schwarzmeerküste zu planen. Man brauche „ein Millionenheer“, ausgerüstet mit Waffen aus dem Westen für diese Aufgabe. Die Größenordnungen mögen Propaganda sein, die Bedeutung der Küste für das wirtschaftliche und damit das Überleben überhaupt der Ukraine ist real.

In der globalisierten Welt aber ist der Ukraine-Krieg längst auch ein globalisierter Konflikt. Neben der Energiekrise im Westen bekommt auch Russland das zu spüren: Seine Exklave Kaliningrad (Ex-Ostpreußen) wird vom Nachbarn Litauen, der die einzige Landverbindung nach Belarus kontrolliert, mit weiteren Versorgungsbeschränkungen belegt: Kein Beton, Holz, Alkohol oder Industriechemikalien sollen dort noch reinkommen. Moskaus Statthalter in Kaliningrad, Anton Alikhanow, fordert dafür die völlige Isolation des Baltikums.

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