Helgoland - bald noch roter?
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Helgoland - bald noch roter?

Bürgermeisterwahl

Eine Linke will Helgoland regieren

Am Sonntag entscheidet sich, ob die Linken-Politikerin Felicitas Weck neue Bürgermeisterin von Helgoland wird. Es scheint fast, als sei die Insel reif für sie.

Von Jörg Schindler

Am Sonntag entscheidet sich, ob die Linken-Politikerin Felicitas Weck neue Bürgermeisterin von Helgoland wird. Es scheint fast, als sei die Insel reif für sie.

Es war im August 2008, als Felicitas Weck beim Planschen vor Helgoland einer Kegelrobbe begegnete. Die Robbe schaute sie an, sie schaute die Robbe an – danach war nichts mehr wie vorher. Felicitas Weck weiß noch, wie sie damals dachte: „Mensch, hier könnteste was machen.“ Zwei Jahre später könnte sie nun Furore machen. Am Sonntag entscheidet sich, ob die Linken-Politikerin Weck neue Bürgermeisterin von Helgoland wird. Es scheint fast, als sei die Insel reif für sie.

Dabei sind die frühesten Erinnerungen der 56-Jährigen an „Deät Lun“, wie der Friese sagt, nicht die allerbesten. Als Kind hing sie während der gesamten 40 Kilometer langen Schifffahrt über der Reling. Weck zog sich danach auch möglichst weit aufs Festland zurück, studierte erst Lehramt, gründete dann ein Taxiunternehmen und entdeckte schließlich ab 1980 die niedersächsische Kommunalpolitik für sich. Für die Grünen beriet sie jahrelang Hunderte Politik-Novizen, bis die Partei an der Seite der SPD den Kosovo-Einsatz der Bundeswehr beschloss. Das war nicht Wecks Weg. Im Jahr 2000 ging sie und schloss sich später der WASG an. Während des Vereinigungsprozesses mit der Linkspartei saß sie im Bundesvorstand der Westlinken. 2007 schließlich wurde sie Referentin der linken Bundestagsfraktion, zuständig – natürlich – für Kommunalpolitik.

„Irgendwann war es an der Zeit, dass ich mal persönlich anwende, was ich weiß“, sagte Weck dieser Zeitung. Helgoland kam da gerade recht. Bei den Kommunalwahlen 2008 hatte die Linke auf dem 1300-Seelen-Eiland sensationell 16,1 Prozent geholt. Die neue Linksfraktion – bestehend aus dem Fahrstuhlführer Gerwin Bastrup und dem Techniker Uwe Menke – sah sich daraufhin nach erfahrenen Ratgebern um und stieß auf: Felicitas Weck. Eine Robbenbegegnung und einen Telefonanruf später war die Frau aus Hannover plötzlich Bürgermeisterkandidatin. Jetzt schickt sich die kurze Felicitas an, unter den Langen Anna das Kommando zu übernehmen.

Der Testlauf zumindest war so schlecht nicht. Im ersten Wahlgang Anfang September kam Weck auf knapp 31 Prozent. Der einheimische Unternehmensberater Jörg Singer erreichte, unterstützt von CDU, SPD, FDP und Freien, zwar 47,5 Prozent. Da Weck aber eine Wahlempfehlung des Drittplatzierten bekommen hat, stehen ihre Chancen für die Stichwahl am Sonntag nicht schlecht. Helgoland wäre dann die erste links geführte Kommune Westdeutschlands.

Ideen hat Weck schon jetzt mehr als genug: Den darbenden Tourismus will sie bis in den Winter ausdehnen, die Schiffsverbindungen verbessern, die reiche Historie Helgolands geschickter vermarkten, vom Offshore-Windanlagen-Boom profitieren. Und fürs Robben-Watching werben. „Machen kann man hier ohne Ende“, sagt Weck, die im Fall ihrer Wahl sogar das Helgoländer Idiom „Halunder“ lernen will. Auf Platt heißt es übrigens schon heute über die Insel: „Grön is dat Land, rot is de Kant.“ Bald könnte sie noch roter werden.

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