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Christian Krause.

500 Jahre Reformation

„Es ist eine große Geste“

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Der Papst reist ins schwedische Lund, wo der Lutherische Weltbund gegründet wurde. Ein starkes Signal zur Verständigung der Konfessionen.

Herr Bischof, zur Würdigung der Reformation reist der Papst ins schwedische Lund, nicht gerade der Ursprungsort dieses epochalen Ereignisses. Eine vertane Chance für Deutschland und für die Lutherstadt Wittenberg?
Es ist die konsequente Fortsetzung eines Weges, der 1999 mit der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre durch den Lutherischen Weltbund und die römisch-katholische Kirche begann. Zwei Weltgemeinschaften haben sich damals auf gemeinsame Glaubensgrundlagen verständigt. Und jetzt treffen diese beiden Weltgemeinschaften wiederum zusammen – auf Augenhöhe, von gleich zu gleich. Es ist eine große Geste, dass der Papst just an den Ort kommt, wo der Lutherische Weltbund vor 70 Jahren gegründet wurde.

Ist das nicht eine rein binnenkirchliche Sicht? Kein Außenstehender käme beim Gedanken an 500 Jahre Reformation auf Lund.
Das Signal nach außen besteht doch darin, zu sagen: Nach 500 Jahren sind wir froh und dankbar, dass wir beieinander sind. „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“, so steht es über den Feierlichkeiten in Lund.

Aber hätte dieses Zeichen von Gemeinschaft nicht doch ins Ursprungsland der Reformation gehört?
Der deutsche Protestantismus besteht auf der nationalen Ebene der EKD aus etwa 20 autonomen, bekenntnisverschiedenen Kirchen. Auch dort wird natürlich der Reformation vor 500 Jahren gedacht, so wie jetzt in der Bundeshauptstadt Berlin zur Eröffnung des Reformationsjahres. Dieser nationalen Perspektive gegenüber öffnet die Begegnung in Lund die globale Dimension einer neuen ökumenischen Gemeinschaft, gerade auch über nationale Grenzen hinweg. Ich habe den Eindruck, dass sich die Ökumene neu ordnet als eine Gemeinschaft der weltweiten Bekenntnisfamilien, also gleichsam als eine „Gemeinschaft der Gemeinschaften“ – nicht nur zwischen Katholiken und Lutheranern, sondern auch zum Beispiel mit Anglikanern oder Methodisten. Ich gehe so weit zu sagen, dass Rom damit als Treff- und Sammelpunkt neu ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt.

Was ist dann die entscheidende Botschaft des Jubiläums an die Welt – besonders an die nicht-christliche, säkulare Welt?
Es sind drei Motive. Erstens die Umkehr, die Buße – also das Eingeständnis von Fehlverhalten und Versagen der Kirchen in ihrer wechselvollen Geschichte. Zweitens die Bitte um Vergebung für das Leid, das der Streit der Konfessionen verursacht hat, speziell in den Konfessionskriegen des 17. Jahrhunderts. Und drittens das Bekenntnis zu Gott als dem tragenden Grund unseres Lebens. Das sind wichtige Botschaften in eine Welt, die gerade heute wieder gezeichnet ist von Hass, Krieg und auch von religiösen Konflikten.

Was setzen die christlichen Kirchen dem denn inhaltlich entgegen?
Zunächst und vor allem ein leidenschaftliches Bekenntnis zum Frieden, das wir direkt und unmittelbar aus dem Wort Jesu herleiten, dem wir über alle konfessionellen Grenzen hinweg verpflichtet sind. Dazu kommen der Einsatz für Dialog und Verständigung und die soziale Verantwortung. Man darf zum Beispiel ja nicht übersehen, dass der Lutherische Weltbund einer der größten nicht-staatlichen Akteure in der Flüchtlingshilfe ist, der sich jetzt in Lund auch darin noch enger mit den katholischen Hilfswerken verbinden will.

Interview: Joachim Frank

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